Die Technische Universität (TU) Chemnitz freut sich über einen Anstieg an Erstsemester-Studenten zum Wintersemester um 19 Prozent zum Vorjahr. Bisher hätten sich rund 2.300 Studenten neu eingeschrieben, gab man gegenüber der Deutschen Presseagentur an. Die Zahl könne sogar noch steigen, weil sich Interessierte noch bis Monatsende für ein Studium anmelden können.
Die TU Chemnitz bietet nach eigenen Angaben im Wintersemester 2026/2027 115 Studiengänge. Am stärksten gefragt seien bisher die Angebote Psychologie, Web Engineering, Embedded Systems, Foundations in Data Science sowie Lehramt an Grundschulen mit jeweils deutlich mehr als 100 Einschreibungen für das erste Fachsemester.
Die offizielle Immatrikulationsfeier für die Erstsemester ist am Freitag (9. Oktober) geplant. Dabei ist die Chemnitzer TU eine der eher kleinen Hochschulen in den deutschen Großstädten. Knapp 9000 junge Menschen sind an der Uni derzeit eingeschrieben – Tendenz nun aber klar steigend. Über 140 Studiengänge führen in der kleinsten sächsischen Großstadt zum Bachelor-, Master- oder Diplomabschluss oder zum Staatsexamen an. Das Studienangebot verteilt sich auf vier große Fachbereiche. Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften kann man in Chemnitz studieren.
München extrem teuer, Chemnitz gnadenlos günstig
Die guten Zahlen für die Hochschule der ehemaligen Kulturhauptstadt gehen einher mit Erhebungen, dass Studenten auf dem deutschen Wohnungsmarkt immer teurere Wohnungen mieten müssen – schlicht weil die Nachfrage deutlich größer ist als das Angebot. Die qualitätsbereinigten Mieten für studentisches Wohnen sind im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Durchschnitt um 2,6 Prozent gestiegen, heißt es im Studentenwohnreport 2026 des Finanzdienstleisters MLP und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Über drei Jahre betrug der Anstieg demnach im Schnitt vier Prozent pro Jahr. Kleine Wohnungen verteuerten sich am stärksten: Wohnungen unter 40 Quadratmeter legten binnen eines Jahres zuletzt um 3,5 Prozent zu, WG-Mieten erhöhten sich auch – um 2,3 Prozent, möblierte Wohnungen auf Zeit waren zwei Prozent teurer als vor Jahresfrist.
Bei den Mietkosten an den einzelnen Hochschulstandorten gibt es laut dem Report große Unterschiede. Das zeigten Beispiele anhand einer studentischen Musterwohnung mit 30 Quadratmetern sowie eines hypothetischen WG-Zimmers mit 20 Quadratmetern. Am teuersten ist demnach auch in diesem Jahr die Musterwohnung in München mit rund 880 Euro monatlich, gefolgt von Berlin, Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Heidelberg mit etwa 700–720 Euro.
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Bafög-Mietpauschale reicht nur in Chemnitz aus
Am günstigsten ist – und hier darf man eine Parallele zum Plus an Studenten mutmaßen – Chemnitz mit rund 280 Euro. Auch beim Muster-WG-Zimmer reiche die Spanne von rund 850 Euro in München bis rund 220 Euro in Chemnitz, so die Studie. Mit der aktuellen Bafög-Wohnkostenpauschale von 380 Euro lasse sich die Miete der studentischen 30-Quadratmeter-Musterwohnung nur noch in Chemnitz komplett decken. Die Wohnkostenpauschale für Bafög-Empfänger, die nicht bei ihren Eltern wohnen, soll zum Sommersemester 2027 auf 440 Euro steigen.
„Wenn Studierende ihren Studienort zunehmend nach bezahlbarem Wohnraum statt nach den besten fachlichen Perspektiven auswählen müssen, wird das zum Problem für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagt Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP. Hohe Wohnkosten dürften nicht darüber entscheiden, welche Bildungswege jungen Menschen offenstehen.
In der Stadt Chemnitz versucht man aber, die Chancen, die aus der Sonderstellung der Stadt resultieren, zu nutzen. Die Stadt setze auf eine enge Verzahnung von TU Chemnitz, Forschungseinrichtungen und regionaler Wirtschaft, um Studierende frühzeitig für den Standort zu gewinnen und langfristig an Chemnitz und die Region zu binden. Die Zusammenarbeit reiche dabei von gemeinsamer Kommunikation bis hin zu konkreten Formaten, bei denen Studierende direkt mit Unternehmen in Kontakt kommen – beispielsweise durch Praktika, Unternehmenskooperationen, Veranstaltungen und Talentprogramme, heißt es auf Nachfrage der Ostdeutschen Allgemeinen.
Ein Aushang für die Suche nach einem WG-Zimmer hängt in der Freien Universität Berlin. Für derartige Preise kann man in Chemnitz eine ganze Vierraumwohnung anmieten. Die Stadt profitiert dank günstigem Wohnen von einem Mehr an Studenten.
© Sebastian Gollnow/dpa
Auf Festivals und mit Studi-Dienstag auf Nachwuchssuche
Ein wichtiger Standortvorteil sei aber tatsächlich der bezahlbare Wohnraum. „Chemnitz zählt bundesweit zu den günstigsten Hochschulstandorten. Dies wird aktiv in der Ansprache von Studierenden sowie auf städtischen Informationsangeboten rund um Studium, Leben und Wohnen kommuniziert. Bezahlbare Mieten schaffen finanzielle Planbarkeit und Entlastung und ermöglichen damit auch mehr Lebensqualität während des Studiums“, heißt es in der Antwort der Stadt Chemnitz.
Gleichzeitig wolle man frühzeitig berufliche Perspektiven aufzeigen. Über Programme zur Fachkräftebindung und Unterstützung beim Berufseinstieg sowie über die enge Zusammenarbeit von Hochschule und Unternehmen entstünden die wichtigen Kontakte zur regionalen Wirtschaft bereits während des Studiums. „So wird der Übergang vom Studium in den Beruf erleichtert und die Möglichkeit geschaffen, langfristig in Chemnitz und der Region zu bleiben“, heißt es in der Mitteilung der Stadt Chemnitz.
Auch die Innenstadtentwicklung spiele eine wichtige Rolle. Die Innenstadt soll für Studierende und junge Menschen ein attraktiver Ort sein. Als konkretes Beispiel ist das Format „Dienstag ist Studi-Tag“ von Chemnitz City zu nennen, wo Studierende mit ihrem Studierenden-Ausweis in teilnehmenden Geschäften, Gastronomiebetrieben und weiteren Einrichtungen besondere Angebote und Rabatte einheimsen können. „Damit werden Studierende gezielt in die Innenstadt geholt und die Innenstadt als Treffpunkt und Teil des studentischen Lebens gestärkt“, ist man stolz auf diese Besonderheit.
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Um die junge Zielgruppe gezielt anzusprechen, gibt es gemeinsame Auftritte und Kommunikationsmaßnahmen. Dazu zählen beispielsweise ein Engagement beim Highfield Festival sowie übergreifende Plakat- und Kommunikationskampagnen. Das Ziel dieser Aktivitäten sei, Studium, Leben und berufliche Perspektive in Chemnitz noch stärker miteinander zu verbinden. „Studierende sollen Chemnitz nicht nur als Hochschulstandort erleben, sondern als Stadt, in der sie gerne leben, ihre ersten beruflichen Erfahrungen sammeln und auch nach dem Studium ihre Zukunft gestalten können“, so der Anspruch.
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