Der dramatische Kampf um das Leben eines vor Niendorf bei Timmendorfer Strand gestrandeten Buckelwals geht weiter. Seit Montag sitzt das Tier auf einer Sandbank in der Ostsee fest. Mehrere Rettungsversuche sind bereits gescheitert – nun soll ein aufwendiger Einsatz mit Baggern, Tauchern und dem Meeresbiologen Robert Marc Lehmann das Tier in letzter Minute befreien.
Wie Reporter vor Ort berichten, haben mehrere Bagger vom Strand aus eine Rinne in den Meeresboden gegraben. Ein schwimmender Schaufelbagger arbeitet sich dabei direkt um das Tier herum vor – die Baggerschaufel befindet sich bereits kurz vor dem Wal. Lehmann steht währenddessen im Neoprenanzug neben dem Meeressäuger im Wasser und leitet den Baggerfahrer an.
Die geplante Rinne soll laut Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Firma Ökologischer Gewässerdienst Wandhoff 50 Meter lang, sechs Meter breit und 1,20 Meter tief werden. Wind und Strömung machen die Arbeiten jedoch besonders schwierig. Walexpertin Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte, der Wal sei zwar motiviert, doch die Rinne sei wegen der Orientierungsprobleme des Baggerfahrers im trüben Wasser noch nicht fertiggestellt. Der Fahrer erkenne oft nicht, wo er den Sand bereits bewegt habe. Die geplante Rinne soll deshalb mit Bojen markiert werden.
Lehmann: „Der Wal will starten“
Am Mittwochnachmittag kam es zu dramatischen Szenen: Lehmann näherte sich dem Tier von vorne und suchte Augenkontakt, um dessen Kräfte einzuschätzen. Gegen 13 Uhr bewegte sich der Wal plötzlich heftig und schlug mehrfach mit der Flosse. Zu einer befreienden Bewegung kam es jedoch nicht.
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Trotzdem zeigte sich Lehmann danach zuversichtlicher als zuvor. „Ich bin jetzt hoffnungsfroher als vorhin, weil ich da draußen gemerkt habe, der Wal will! Er will starten. Und er vertraut mir jetzt, ist ganz ruhig, wenn ich bei ihm bin“, sagte der bekannte YouTuber und Meeresbiologe nach seiner Rückkehr an Land. Zuvor war er in einem am Strand geführten Interview noch davon ausgegangen, dass der Wal nur eine „0,1-prozentige Überlebenschance“ habe.
Groß vom ITAW erklärte, es bestehe nach wie vor die Möglichkeit, dass das Tier noch einmal genug Kraft aufbringe, um sich freizuschwimmen. Die Baggerarbeiten sollen daher erneut bis zur Dunkelheit fortgesetzt werden.
Boote sollen Korridor bilden
Timmendorfs Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke erläuterte den weiteren Plan: Sollte der Wal befreit werden können, sollen Boote eine Art Korridor bilden und das Tier auf seinem Weg begleiten. „Das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass das Tier erkennt: Da ist ein Kanal, da kann ich rein und dann rechts oder links gleich auf die nächste Sandbank aufläuft. Das wollen wir in jedem Fall verhindern“, sagte der Bürgermeister.
Partheil-Böhnke hat nach eigenen Angaben zudem Unterstützung bei Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) angefordert, um den Wal von der Ostsee in die Nordsee zu geleiten. Die Ministerin habe die nötige Unterstützung mit Schiffen und Booten zugesagt. Ein Taucher unterstützt die Arbeiten zusätzlich.
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Der Buckelwal war am Montagmorgen auf der Sandbank entdeckt worden. Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger letztendlich gescheitert. „Leider hat sich herausgestellt, dass der Sand zu fest ist“, hatte Groß vom ITAW erklärt. Zuvor war es zwar gelungen, den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne zu drehen, frei kam er jedoch nicht. Auch Versuche, mit Polizeibooten Wellen zu erzeugen, damit sich das Tier freischwimmen kann, blieben erfolglos. Die Versuche wurden daraufhin abgebrochen, um den Wal nicht weiter zu belasten. Auch die Hoffnung, dass sich das Tier mit dem nächtlichen Hochwasser von selbst befreien könnte, erfüllte sich nicht.
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