Mecklenburg-Vorpommern wählt: Wie fällt die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger aus? Welches Bündnis kann künftig regieren? In unserem Liveticker liefern wir aktuelle Hochrechnungen, Reaktionen aus den Parteizentralen, Stimmen der Spitzenkandidaten sowie detaillierte Analysen der Ergebnisse.
Sonntag, 20. September
23 Uhr: „Es werden Köpfe rollen“ - CDU-Wahldebakel
Nach dem Wahldebakel der CDU wird es offenbar ab Montag intensive Dikussionen geben wird, inwiefern eine Neuaufstellung des Landesverbandes folgen muss. In Kreisen der Jungen Union hieß es offenbar „es werden Köpfe rollen“.
22.30 Uhr: CDU-Debakel wird „Schockwellen auslösen“
Jascha Dopp, CDU-Kreisvorsitzender in Schwerin und Direktkandidat im Wahlkreis Schwerin I, ist inzwischen auf dem Rathausplatz eingetroffen. Sollte die CDU tatsächlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, wäre das für ihn eine „absolute Zäsur“. „Es ist das erste Mal, dass die CDU in einem Landesparlament nicht vertreten wäre“, sagt Dopp. Das könne auch auf Bundesebene „Schockwellen auslösen“.
Für die Bundes-CDU sei unabhängig vom endgültigen Ergebnis klar: „So kann es nicht weitergehen.“ Für die Sitzung des CDU-Landesverbands am Montag erwartet er eine Perspektive für die kommenden fünf Jahre. Ob es Rücktritte geben werde, sei offen. Auf die Frage, ob er selbst zurücktreten wolle, antwortet Dopp: „Morgen nicht.“ Ob dies in naher Zukunft anders aussehen könne? „Das wird man sehen.“
22 Uhr: CDU-Kandidat Dopp: „Es gab massiven Gegenwind aus dem Bund“
Jascha Dopp, CDU-Direktkandidat für Schwerin, zeigte sich im Gespräch mit der OAZ auf der CDU-Wahlparty sichtlich „enttäuscht“. Angesichts der ersten Prognosen erklärte er: „Wir bangen nach wie vor um den Wiedereinzug in den Landtag.“ Dies sei eine Lage, die man sich „vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnte“. Auf die Frage nach den Gründen für das historisch schlechte Ergebnis verwies Dopp auf verschiedene Ursachen: „Es gab massiven Gegenwind aus dem Bund. Aber das ist nicht der einzige Faktor.“ Auch die Unruhe innerhalb des Landesverbandes und die häufigen Wechsel im Parteivorsitz in den vergangenen Jahren hätten das Ergebnis beeinflusst.
21.53 Uhr: Weidel: CDU als Volkspartei verdrängt
Alice Weidel reklamierte im ZDF den Status der Volkspartei für die AfD und erklärte die Union für abgelöst: „Wir haben die CDU als Volkspartei verdrängt.“ Den Wählern versprach sie eine grundlegende Neuausrichtung der Politik und untermauerte den Machtanspruch ihrer Partei mit den Worten: „Wir haben unseren Wählern sehr viel anzubieten, nämlich den politischen Wechsel in diesem Land.“
21.50 Uhr: CDU fällt unter fünf Prozent
Der aktuellen ARD-Hochrechnung zufolge fällt die CDU in Mecklenburg-Vorpommern unter fünf Prozent. Auch das BSW scheint – wie die CDU - mit 4,9 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Somit würden die Christdemokraten erstmals überhaupt aus einem Landtag fliegen. Mit Stand 21.51 Uhr sind 1934 von 1974 Wahlbezirken fertig berechnet. Dies entspricht knapp 98 Prozent.
21.45 Uhr: Betrübte Stimmung in Rathaus-Bar: Junge Union fordert CDU-Erneuerung
Teile der Union haben sich derweil in einer Bar am Rathaus zusammengefunden. Die rund zehn Leute sitzen betrübt im Kreis. Von der vorherigen CDU-Wahlparty will Philipp Geib, Bundesvorstandsmitglied der Jungen Union, allerdings kaum als „Party“ sprechen. Für die Junge Union kündigt er an, sich „konstruktiv und aktiv am Erneuerungsprozess der CDU“ zu beteiligen.
JU-Landesvorsitzende Jenny Gundlach spricht von einem „schlechten Ergebnis“. Dass der Einzug der CDU so deutlich auf der Kippe stehe, sei bitter. „Morgen wird ein aufregender Tag“, sagt sie mit Blick auf die Sitzung des CDU-Landesvorstands. Dort werde beraten, wie es weitergehe. Rücktrittsforderungen allein würden aus ihrer Sicht „strukturelle Probleme nicht lösen“.
Philipp Geib, Bundesvorstandsmitglied der Jungen Union und JU-Landesvorsitzende Jenny Gundlach.
© Ronja Ackermann/Ostdeutsche Allgemeine
21.25 Uhr: CDU bangt weiter um Einzug in den Landtag
Das katastrophale Ergebnis der CDU bei der Landtagswahl schlägt sich auch auf die Stimmung auf der Wahlparty nieder. Viele Gäste haben den Saal bereits verlassen. Völlig offen ist nach wie vor, ob die CDU an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde oder nicht. Zuletzt hatte die CDU 1951 ein so schlechtes Ergebnis erzielt – bei der Wahl zur Bremer Bürgerschaft.
21.10 Uhr: „Dass wir noch abrutschen, habe ich nicht erwartet“ – BSW
Die Wahlparty des BSW in Schwerin dünnt sich zunehmend aus. Immer mehr Gäste treten den Heimweg an. Von der Siegesstimmung nach der ersten Prognose ist nicht mehr viel übrig. Das BSW steht derzeit bei 4,9 Prozent – und damit knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde.
Im Saal und auf dem Rathausplatz wird weiter gebangt. „Dass wir noch abrutschen, habe ich nicht erwartet“, sagt ein Parteimitglied draußen bei einer Zigarette. „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass die Prozente noch hochgehen.“ Aufgeben will er die Hoffnung auf den Einzug in den Landtag nicht: „Noch ist nicht das letzte Wort gefallen.“
20.15 Uhr: AfD punktete besonders bei Nichtwählern
Der ARD zufolge konnte die AfD besonders bei Nichtwählern punkten. Infratest dimap zufolge gaben 67.000 Nichtwähler ihre Stimme der AfD. Von der SPD wanderten 47.000 zur AfD ab, 30.000 von der CDU und 16.000 von der FDP.
Doch auch die SPD konnte von den Nichtwählern profitieren. Von ihnen wanderten 18.000 zu den Sozialdemokraten. Die CDU verlor nicht nur Stimmen an die AfD, 25.000 Wähler wanderten auch zur SPD ab. Die FDP verlor mit Abstand die meisten Wähler an die AfD, doch auch an die SPD gingen 10.000 Stimmen.
20 Uhr: CDU laut Hochrechnung nur noch bei fünf Prozent
Der aktuellen ARD-Hochrechnung zufolge liegt die CDU nur noch bei fünf Prozent. Bei der Prognose um 18 Uhr lagen die Christdemokraten noch bei 5,5 Prozent. Das BSW liegt der aktuellsten Hochrechnung zufolge bei 4,9 Prozent und würde so knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Berechnet wurden bisher 1521 von 1974 Wahlbezirken.
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Höchste je gemessene Wahlbeteiligung in Ostdeutschland
19.55 Uhr: AfD sieht „keine Spielräume“ für Regierungsbildung
So groß die Freude über den Wahlsieg ist, so ernüchternd fällt der Blick bei AfD Ex-Fraktionschef Nikolaus Kramer auf die Regierungsbildung aus. „Ich sehe da keine Spielräume“, sagt er. Gespräche mit SPD, Linken oder Grünen schließt er für sich aus: „Das sind die, die uns verbieten wollen nach wie vor. Also: no way.“
Sollten SPD, Linke und Grüne nun gemeinsam regieren, erwartet Kramer keine stabile Koalition. Er rechne dann eher mit vorgezogenen Neuwahlen als mit fünf Jahren Rot-Rot-Grün. Für diesen Fall geht er davon aus, dass die AfD weiter zulegen könnte, bis hin zur absoluten Mehrheit.
19.52 Uhr: AfD spricht von „absoluter Teamleistung“ in MV
Der frühere AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer ist nach den ersten Zahlen des Abends sichtlich zufrieden. „Wir haben ein ganz hervorragendes Ergebnis eingefahren“, sagt er dieser Zeitung. Die AfD habe sich gegenüber der vergangenen Landtagswahl mehr als verdoppelt und sei stärkste Kraft geworden, obwohl die letzten Umfragen noch einen Vorsprung der SPD gezeigt hätten. „Insofern kann ich sehr zufrieden sein.“
Kramer, der die AfD-Fraktion im Schweriner Landtag von 2017 bis Juni dieses Jahres führte, wertet das Ergebnis auch als Bestätigung des Wahlkampfs. Einen Vergleich mit dem noch stärkeren Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt hält er für falsch. Dort habe es mit Ulrich Siegmund einen Kandidaten gegeben, „der einmalig“ sei und die Massen mobilisiert habe. In Mecklenburg-Vorpommern sei das Ergebnis dagegen vor allem eine „absolute Teamleistung“.
19.50 Uhr: CDU-Fraktionschef spricht von „Katastrophe“
Sebastian Ehlers, Oberbürgermeister von Schwerin und zuvor Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion: „Es wird noch ein langer Abend. Das Ergebnis ist eine Katastrophe, das brauchen wir nicht schönreden.“ Regulär tritt morgen um 18 Uhr der Landesvorstand zusammen.
19.45 Uhr: SPD-Fraktionschef spricht von „guter Aufholjagd“
„Der Abend ist noch lang, es wird noch weiter ausgezählt und am Ende wird sich zeigen, wie die Wählerinnen und Wähler wirklich entschieden haben“, sagt Julian Barlen, der Chef der SPD-Landtagsfraktion.
„Eins ist aber jetzt schon klar, wir haben, von 19 Prozent vor einem Jahr kommend, eine gute Aufholjagd hingelegt.“ Es werde schon einen Unterschied machen, ob das BSW in den Landtag komme oder nicht, auch wenn die Partei für MV immer wieder betont habe, nicht mit der AfD koalieren zu wollen und auch nicht für einen Ministerpräsidenten Leif-Erik Holm stimmen werde.
19.40 Uhr: Zusammenarbeit mit AfD wird es geben – BSW-Politiker
Während im Saal der Einzug des BSW gefeiert wird, ist die Stimmung bei Jens Kulbatzki etwas gedämpfter. Er steht auf Listenplatz fünf und rechnet nach der ersten Prognose nicht damit, selbst in den Landtag einzuziehen. Dafür brauche das BSW sechs oder mehr Prozent, sagt er. „Dass man natürlich als einzelner Kandidat eventuell auch ein Stück weit enttäuscht ist, weil man persönlich es jetzt knapp verpasst, ist klar“, sagt Kulbatzki. Sein wichtigstes Ziel sei allerdings der Einzug der Partei gewesen
„Eine Zusammenarbeit mit der AfD, sachbezogen auf einzelne Themen bezogen, die wird es sicherlich geben“, sagt er. „Was wir nicht tun würden: Wir würden keine Koalition mit der AfD bilden. Definitiv nicht.“
Jens Kulbatzki blickt auf das Wahlergebnis des BSW.
© Ronja Ackermann/Ostdeutsche Allgemeine
19:30 Uhr: AfD-Chrupalla sieht „Regierungsauftrag“ in MV
Im ZDF wird AfD-Chef Tino Chrupalla gefragt, wie sehr es ihn störe, dass seine Partei nicht regieren kann, da keine Partei mit der AfD koalieren will. Chrupalla verweist auf den „Regierungsauftrag“ in Mecklenburg-Vorpommern: „Wir werden alle Parteien zu Gesprächen einladen.“ Die anderen Parteien müssen sich „anschlussfähig machen“, sagt er. Das Statement von Bundeskanzler Friedrich Merz nennt Chrupalla „dürftig“ – und fordert seinen Rücktritt.
19.10 Uhr: Trotz AfD-Wahlsieg gibt es parteiinterne Kritik
Manuela Schwesig hat sich als Landesmutter von Mecklenburg-Vorpommern in den letzten neun Monaten profiliert, so OAZ-Reporter Lennart Zielke. Zudem habe sie sich deutlich von der Bundes-SPD distanziert und versuchte, das Gespräch zu den Menschen vor Ort aufzunehmen. Trotz des AfD-Wahlsiegs gibt es offenbar parteiinterne Kritik.
18:45: CDU-Spitzenkandidat Peters verschwindet durch den Notausgang
Daniel Peters, der Spitzenkandidat für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern, ist nach den ersten Hochrechnungen sichtlich angefasst. Die CDU liegt demnach nur knapp über 5 Prozent. Nach einer kurzen Rede und viel Applaus verschwindet er durch den Notausgang. Keine zehn Minuten stand er auf der Bühne .
18.40 Uhr: CDU-Spitzenkandidat: „Es wird ein langer Wahlabend, wir kämpfen ums überleben“
Daniel Peters ist sichtlich angefasst. Nach einer kurzen Rede und viel Applaus verschwindet er durch den Notausgang. Keine zehn Minuten stand er auf der Bühne.
18.38 Uhr: Manuela Schwesig: „Was für eine Aufholjagd“
Zuerst ein kurzes Schlucken bei den vielen Genossen in der Orangerie, als die erste Prognose des ZDF mit 36,5 Prozent für die SPD und 38 für die AfD kommt. Dann bricht aber tosender Applaus aus. Der noch stärker wird, als Manuela Schwesig die Bühne betritt, „Manu, Manu“- Rufe brechen aus. „Was für eine Aufholjagd“, sagt diese. Noch vor kurzer Zeit habe das niemand für möglich gehalten. „Die AfD hat ihr Ziel nicht erreicht, allein regieren zu können. Sie dankt allen SPD-Genossen und allen Unterstützern.
„Ich bin nur die Frau für MV und die Frau gegen blau, weil es euch gibt. Ihr habt mir vertraut. Danke, dass ihr in diesen schweren Zeiten mit mir gekämpft habt. Weil es um unsere Werte geht. Dafür von Herzen Dankeschön!“
18.35 Uhr: Totenstille bei der MV-CDU während Kanzler-Rede
Totenstille, als Merz im Fernsehen erscheint und von einem großen Desaster für die Union in MV spricht. Verhaltener Applaus nach seiner Rede. Lange Gesichter, Ratlosigkeit,Frust, so lässt sich die Stimmung in diesem Moment beschreiben.
Versteinerte Gesichter bei der MV-CDU.
© Danilo Vitense/Ostdeutsche Allgemeine
18.33 Uhr: Erste Hochrechnung AfD weiter vorn
Die erste Hochrechnung sieht die AfD mit 37,1 Prozent als stärkste Kraft, dicht gefolgt von der SPD mit 35,6 Prozent. Die Linke kommt auf 7,4 Prozent, während Grüne (5,5 Prozent) und CDU (5,4 Prozent) dahinter liegen. Das BSW landet bei genau 5,0 Prozent.
18.25 Uhr: Reaktion bei der Linken: „Ich wandere aus.“
Kein Jubel bei der Linken, dafür sehr große Enttäuschung bei der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung zum Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern. AfD liegt vorn und die Linke hat ihr Ergebnis nicht gehalten und liegt bei 7,5 Prozent. Obendrein bei einer Beteiligung von 79 Prozent. Depression im Saal. Nur das Berliner Ergebnis hebt die Stimmung unter den Linken auch im nordöstlichsten Bundesland. Ansonsten Ratlosigkeit. Mehrere Stimmen sind zu hören: „Ich wandere aus.“
18.20 Uhr: Merz spricht von „Desaster“ für CDU
Die CDU muss um den Einzug in das Schweriner Schloss bangen. Einer ersten Prognose der ARD zufolge liegen die Christdemokraten bei 5,5 Prozent. Im Vergleich zur Wahl 2021 verliert die CDU somit 7,8 Prozentpunkte.
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach um 18 Uhr nach Bekanntwerden der ersten Prognosen von einem „Desaster“ für die CDU. In Mecklenburg-Vorpommern sei die CDU „zerrieben“ worden „in der Zuspitzung zwischen SPD und AfD“.
18.20 Uhr: „Wir haben den Regierungsauftrag“: AfD fordert Machtbeteiligung
Leif-Erik Holm tritt vor die Anhänger. Die AfD habe „20 Punkte zugelegt“, sagt der Ministerpräsidentenkandidat und spricht von einem vollen Erfolg. Auch die gestiegene Wahlbeteiligung führt er auf seine Partei zurück: Die AfD habe damit „die Demokratie gestärkt“. Dann formuliert Holm seinen Anspruch: „Wir haben hier den Regierungsauftrag in Mecklenburg-Vorpommern.“
Dass alle Parteien ausgeschlossen haben mit der AfD eine Koalition zu bilden, erwähnt Holm nicht. Stattdessen kündigt er an: „Wir werden allen Parteien ein Gesprächsangebot machen.“
Anschließend übernimmt Enrico Schult das Mikrofon. Er erinnert an die „Schmutzkampagnen“ der politischen Konkurrenz, die aus seiner Sicht nichts bewirkt hätten. „Wir sind die stärkste Kraft“, sagt Schult. Auch er leitet daraus einen Auftrag zur Regierungsbildung ab und richtet sich an die anderen Parteien: „Wer es gut meint mit diesem Land, schlägt diese Einladung nicht aus.“ Früher oder später werde die AfD regieren, davon ist Schult überzeugt.
18.15 Uhr: Schockstarre bei der CDU
Der Schock sitzt tief bei der CDU. Großes Schweigen im Raum nach der ersten Prognose. Die CDU kommt auf 5 Prozent und bangt um den Einzug in den Landtag.
Schock bei der CDU nach der ersten Prognose.
© Danilo Vitense/Ostdeutsche Allgemeine
18.13 Uhr: Jubel beim BSW
Als um 18 Uhr die erste Prognose über die Leinwand läuft, wird es im Saal laut. Das BSW wird in der ARD-Prognose mit 5,0 Prozent ausgewiesen. Im Säulengebäude schreien und jubeln die Gäste, Ballons fliegen durch den Saal.
„Wir sind freudig erregt“, sagt BSW-Landeschef Torsten Schabbel kurz darauf. Das Ergebnis sei genau das, „was wir in den letzten Tagen hier im Land gespürt haben“. Vor allem das Abschneiden des BSW bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe der Partei Rückenwind gegeben. Zugleich mahnt Schabbel zur Zurückhaltung: „Bleibt ruhig, es kann noch so viel passieren.“ Dann fügt er hinzu: „Wir werden das schaffen.“
18.10 Uhr: Warten auf den Kanzler
Friedrich Merz kündigt Statement unmittelbar nach erster Prognose an.
18.08 Uhr: Jubel ohne Mehrheit: AfD bleibt laut ersten Zahlen in der Opposition
So groß der Jubel über das Ergebnis bei der AfD auch ist: Für eine Regierungsbildung reicht es nach dem derzeitigen Stand nicht. Auch gemeinsam mit dem BSW kommt die AfD laut den ersten Berechnungen der ARD nicht auf eine Mehrheit.
Damit zeichnet sich eine Fortsetzung der Regierung unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ab. Nach dem derzeitigen Stand könnte die SPD gemeinsam mit Linken und Grünen eine Mehrheit bilden. Die AfD wäre damit trotz ihres starken Ergebnisses weiter auf die Oppositionsrolle beschränkt. Die Zahlen können sich im Laufe des Abends allerdings noch verschieben.
18.01 Uhr: AfD gewinnt nach erster Prognose in Mecklenburg-Vorpommern
Einer ersten Prognose des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD um 18 Uhr zufolge ist die AfD stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern mit 37 Prozent. Dahinter folgt die SPD mit 35,5 Prozent, auf Platz drei liegt die Linke 7,5 Prozent. Das BSW könnte einziehen mit 5 Prozent. Die Grünen kommen auf 5,5 Prozent und die CDU liegt derzeit bei 5 Prozent und zittert weiter um den Einzug in den Landtag.
Hochrechnung zu Mecklenburg-Vorpommern: AfD bei 37 Prozent, CDU fällt auf unter fünf Prozent
17.50 Uhr: Linke-Sprecher bestätigt Kritik an Wahlempfehlung für Schwesig
Salim Hemeed, Pressesprecher der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, bestätigt die parteiinterne Kritik an der Wahlempfehlung des Schweriner Linken-Kandidaten Daniel Trepsdorf zugunsten von Manuela Schwesig (SPD). Trepsdorf hatte die Wähler aufgerufen, ihre Erststimme nicht ihm, sondern der Ministerpräsidentin und nur die Zweitstimme den Linken zu geben. Hemeed kommentiert: „Am Ende kommt es für uns sowieso auf die Zweitstimmen an.“
17.48 Uhr: Angespannte Erwartungshaltung bei der CDU
Angespannte Erwartungshaltung, ist von der CDU-Basis zu vernehmen. Wir sind ja schon Leid erprobt. Keiner der Gäste will gerne sprechen über das, was kommen könnte. Die Wähler dürfen sich heute etwas wünschen, wir haben damit umzugehen, sagt ein anderer, der vor der Tür steht und zur Entspannung noch eine raucht. Wer weiß, was nachher komme. Während die CDU angespannt auf das Ergebnis wartet, findet gleich nebenan eine Tanzveranstaltung statt. Freude und Angst liegen heute Tür an Tür.
17.45 Uhr: BSW-Landeschef Torsten Schabbel optimistisch vor der ersten Prognose
BSW-Landeschef Torsten Schabbel fährt gemeinsam mit seiner Frau im BSW-Bulli auf dem Schweriner Marktplatz vor. Als er kurz darauf den Saal im Säulengebäude betritt, begrüßen ihn die Gäste mit Applaus. Im Laufe des Abends soll auch BSW-Bundesspitze aus Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi kommen.
Von den schlechten Umfragewerten der vergangenen Tage will sich Schabbel kurz vor der ersten Prognose um 18 Uhr nicht verunsichern lassen. „Ich gehe schon davon aus, dass wir mindestens eine deutliche Fünf bei der ersten Prognose erleben werden“, sagt er. Rückenwind habe das BSW vor allem durch das Ergebnis in Sachsen-Anhalt und die Resonanz der vergangenen zwei Wahlkampfwochen bekommen.
Der Wahlkampf sei stark zwischen SPD und AfD polarisiert gewesen. Kleinere Parteien würden dabei „so ein bisschen zerrieben“, sagt Schabbel. Sollte der Einzug in den Landtag dennoch scheitern, werde die politische Arbeit weitergehen. Das BSW sei kommunal bereits vertreten und habe während des Wahlkampfs neue Mitglieder gewonnen.
BSW-Bus fährt auf dem Schweriner Marktplatz vor.
© Ronja Ackermann/Ostdeutsche Allgemeine
17.40 Uhr: Viele Gäste auf der AfD-Wahlparty
Wie die Stimmung unter den AfD-Anhängern kurz vor der ersten Hochrechnung ist, lässt sich für Journalisten nur schwer einschätzen. Die Presse ist auf der Wahlparty vollständig von Politikern und Parteianhängern getrennt. Im Inneren des Veranstaltungsortes zieht sich ein Zaun durch den Raum, der den Pressebereich vom übrigen Saal abschirmt. Auch im Außenbereich sind beide Gruppen strikt voneinander getrennt. Mit Politikern oder Parteianhängern direkt ins Gespräch zu kommen, ist für Journalisten damit nicht möglich.
Wenige Minuten vor der ersten Hochrechnung kommt Bewegung in den Saal: AfD-Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm und Co-AfD-Chef Tino Chrupalla betreten gemeinsam die Wahlparty. Die Anwesenden begrüßen beide mit lautem Jubel. Nun richtet sich der Blick auf die Bildschirme. In wenigen Minuten gibt es die ersten Zahlen.
17.40 Uhr: Reporter der OMH liefert Eindrücke von vor Ort
Die AfD und die SPD liefern sich in Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nachdem die AfD lange die Umfragen anführte, überholte die SPD kurz vor dem 20. September in Umfragen den vorherigen Spitzenreiter. Die Wahl stößt auch international auf großes Interesse, viele Pressevertreter sind vor Ort – beispielsweise aus Japan.
17.35 Uhr: Die CDU zittert in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern bleibt es bis zuletzt spannend für die CDU. Sollte das Wahlergebnis schlecht ausfallen, droht sogar der Nicht-Einzug in den Landtag, was historisch wäre und gravierende Folgen für Kanzler Merz haben könnte. Ein solches Szenario würde nicht nur die Position der Partei in der Region schwächen, sondern auch das Vertrauen in die bundesweite Führung der CDU infrage stellen. Hier lesen Sie mehr über mögliche Auswirkungen der Landtagswahl, die die Bundesregierung erschüttern könnten.
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern 2026: CDU bangt um den Einzug in den Landtag
17.30 Uhr: 80 Journalisten auf der Wahlparty der CDU
Auch im Tanzstudio Schlebusch in Schwerin füllt sich langsam der Saal. Die CDU ist kurzfristig dorthin ausgewichen, um alle Gäste unterbringen zu können. Laut Pressesprecher haben sich an die 80 Journalisten für die Wahlparty angekündigt. Die erste Location war zu klein. 18 Uhr rückt näher, die Union bangt. Nach letzter Umfrage lag sie bei 7 Prozent. Sie kämpft ums politische Überleben. Im Moment ist noch Krisensitzung der Abgeordneten im Schloss.
Es wird voll auf CDU-Wahlparty in Schwerin.
© Danilo Vitense/Ostdeutsche Allgemeine
17.25 Uhr: Linke-Wahlparty auf dem Schweriner Schlachtermarkt
Die Linke begeht ihre Wahlparty in einem weißen Zelt auf dem Schweriner Schlachtermarkt. Noch ist unklar, ob die Partei-Prominenz vor oder nach 18:00 Uhr eintrifft. Landeschefin und Bildungsministerin Simone Oldenburg wird jedenfalls wenig Zeit haben. Um 18:20 Uhr geht es schon vor die TV-Kameras. Die Stimmung ist gespannt. Alles ist offen.
Linke-Wahlparty in Schwerin.
© Thomas Fasbender/Ostdeutsche Allgemeine
17.15 Uhr: Erste Gäste treffen zur BSW-Wahlparty ein
Im Säulengebäude in Schwerin finden sich die ersten Gäste zur Wahlparty des BSW zusammen. Auf dem Marktplatz davor ist ein Zelt aufgebaut, der Himmel hat aufgeklart, Menschen stehen mit Bierflaschen in der Hand in der Sonne. Rund 185 Gäste werden am Abend erwartet. Die Stimmung ist gut. „Wir blicken optimistisch auf den Einzug in den Landtag“, sagt eine der Besucherinnen.
Dabei ist genau der noch nicht sicher. In den letzten Umfragen vor der Wahl lag das BSW meist bei drei bis vier Prozent und damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Lediglich eine Pollytix-Erhebung sah die Partei zuletzt bei fünf Prozent. Das BSW selbst gab sich vor der Wahl deutlich zuversichtlicher: Noch am Donnerstag hatte Spitzenkandidatin Sabine Firnhaber bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rostock erklärt, sie rechne mit sechs bis acht Prozent.
Erste Gäste treffen zur BSW-Wahlparty ein.
© Ronja Ackermann/Ostdeutsche Allgemeine
17 Uhr: Protest mit dem Adenauer Bus: „Scheiß AfD“ ertönt lautstark
Der Adenauer Bus dreht eine kleine Runde am Schloss entlang. „Scheiß AfD“ klingt es lautstark aus den Lautsprechern. Nicht jeder Passant ist froh darüber. Einige Interessierte bleiben stehen, als er an ihnen vorbeifährt, zücken schnell das Smartphone und halten drauf. Es handelt sich um ein Protest- und Aktionsbus des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS).
16.45 Uhr: Videos von Stimmzetteln ohne AfD sind Fälschung
Zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verbreiten sich in sozialen Netzwerken Videos mit Falschinformationen über Stimmzettel ohne Auflistung der AfD.
Unter anderem kuriseren Videos, in denen eine männliche Stimme behauptet, Rentner aus Rostock zu sein und in diesem Jahr per Brief zu wählen. Er habe „merkwürdige Stimmzettel bekommen“, auf denen die AfD fehle. Der Stimmzettel ist im Video zu sehen: Die Felder in der zweiten Zeile sind leer, die AfD fehlt auf dem Stimmzettel als Option zum Ankreuzen. Bei den gezeigten Stimmzetteln handelt es sich um eine Fälschung. Die Landeswahlleitung Mecklenburg-Vorpommern bestätigte, dass die AfD auf den Briefwahlunterlagen zur Landtagswahl 2026 zu finden sei.
16.20 Uhr: „Ich will nicht, dass die AfD hier groß zum Spielen kommt“
Unweit der Revolutionären Matrosen, eines Denkmals, das zwei Vertreter der Matrosenbewegung zeigt, die sich gegen die Schikanierung von Matrosen und unzureichende Verpflegung wandten, hat Jeannette gewählt. Sie lebt schon seit Studentenzeiten hier in Rostock, gebürtig ist sie aus Schwerin. Die 67-Jährige möchte nicht verraten, wen sie gewählt hat, aber sie sagt, sie habe die Partei gewählt, die die einzige Alternative für sie gewesen sei – zumindest bei der Erststimme.
Normalerweise wählt sie Grün („schon seit ewigen Zeiten“), aber der Hauptgrund für ihre Wahl diesmal sei gewesen: „Ich will nicht, dass die AfD hier groß zum Spielen kommt.“ Die Grünen hätten sich zudem zu sehr von der eigentlichen Politik, die sie mal gemacht haben, abgewandt. „Und deswegen habe ich mich jetzt für eine andere Partei entschieden.“
Denkmal, das zwei Vertreter der Matrosenbewegung zeigt, in Rostock. In unmittelbarer Nähe hat Jeannette gewählt.
© Carola Tunk/Ostdeutsche Allgemeine
15.55 Uhr: „So kann es nicht weitergehen“: Wählerin äußert ihre Bedenken
Daniela und Monika wollen nicht sagen, wen sie gewählt haben. „Aber so, wie es gerade ist, kann es nicht weitergehen, das Land fährt gegen die Wand“, sagt Daniela. „Mein Vater ist im Pflegeheim, ich weiß nicht, wie das mit den Kosten noch weitergehen soll, überhaupt mit dem Gesundheitssystem. Und es kommen zu viele Menschen ins Land, die auf Kosten des Sozialstaates leben. Ich habe nichts gegen Ausländer, wenn sie hier arbeiten. Aber wer Krawall macht, muss raus!“ Deshalb gehe sie seit ein paar Jahren wählen, damit sich das alles ändert.
15.30 Uhr: Wahlbeteiligung bei 40,7 Prozent
Die Wahlbeteiligung mit Stand 14 Uhr liegt in Mecklenburg-Vorpommern bei 40,7 Prozent. Das sind 8,2 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2021.
Am höchsten liegt sie im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte IV mit 50,3 Prozent. Am niedrigsten ist die Wahlbeteiligung derzeit in Greifswald mit 34,8 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen hatten um 14 Uhr 54,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.
15.25 Uhr: Schlechtes Wetter schreckt die Wähler nicht ab
Die B 194 in Richtung Demmin in Vorpommern ist von Mais- und Solarfeldern gesäumt. Über der Hansestadt ist der Himmel kurz vor 15 Uhr schwarz und Sturmböen fegen übers Land. Die Wahlberechtigten müssen sich durch den Regen in den Wahlraum in der Sporthalle der Schule an den Tannen kämpfen. Um diese Zeit ist viel Betrieb.
Christin und Christoph Krasemann waren zusammen mit ihrer kleinen Tochter wählen. Beide haben diesmal SPD gewählt. „Ich finde, die SPD und Manuela Schwesig haben einen guten Job gemacht. Wir profitieren als Familie ja von der kostenfreien Kita, das macht viel aus für uns. Und auch der Betreuungsschlüssel wird ja nach und nach besser“, sagt die junge Frau. Und ihr Mann ergänzt: „Ich bin Pastor und habe auch viel mit Senioren zu tun. Für die ist auch das Seniorenticket, das die SPD eingeführt hat, enorm wichtig, um mobil zu bleiben.“ „Und das Azubiticket für die Jugendlichen genauso“, setzt Christin Krasemann hinzu, die bei ihrer Arbeit mit jungen Menschen zu tun hat.
Christin und Christoph Krasemann waren zusammen mit ihrer kleinen Tochter wählen. Beide haben diesmal SPD gewählt.
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
15 Uhr: So ist die Wahlbeteiligung in Schwerin
Um 14 Uhr haben in der Landeshauptstadt Schwerin bisher 18.886 Wähler im Wahlkreis 8 (Schwerin I) und und 10.941 Wähler im Wahlkries 9 (Schwerin II) abgestimmt. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 38,5 Prozent im Wahlkreis 8 und 39,9 Prozent im Wahlkreis 9. Hierbei nicht berücksichtigt sind die Wähler, die Briefwahlunterlagen angefordert haben.
14.20 Uhr: CDU-Spitzenkandidat Peters gibt Stimme ab
CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters hat in Rostock seine Stimme für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern abgegeben. „Ich bin zuversichtlich, dass wir besser abschneiden werden als die Wahlumfragen das vorhersagen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur nach seiner Stimmabgabe.
In der letzten Umfrage vor der Wahl war die CDU auf sechs Prozent abgerutscht. Dass es für einen Einzug in den Landtag knapp wird, ist daher nicht ausgeschlossen.
Daniel Peters (CDU), Landesvorsitzender der CDU Mecklenburg-Vorpommern, geht nach der Stimmabgabe zur Wahlurne.
© Bernd Wüstneck/dpa
14.15 Uhr: Wahlpanne in Rostock
Weil der Zutritt zu einem Wahllokal in Rostock-Kassebohm am Morgen nicht möglich gewesen sei, habe die Wahlbehörde veranlasst, dass zunächst ein Bus der Rostocker Straßenbahn AG als Wahllokal genutzt wurde, teilte ein Sprecher der Hansestadt mit.
Das Provisorium habe nur etwa eine halbe Stunde gedauert, so der Sprecher. Danach habe man den eigentlichen Wahlraum nutzen können, der sich in einem Schulgebäude eines privaten Schulträgers befinde. Insgesamt gebe es in der Stadt zur Landtagswahl 134 Wahllokale.
14.10 Uhr: ZDF präsent in Kühlungsborn für erste Wahlerhebungen
In zwei Wahllokalen in Kühlungsborn ist die Forschungsgruppe Wahlen des ZDF präsent. Im Rahmen der Nachwahlbefragung sprechen sie jeden fünften Wähler an und bitten um Ausfüllen eines identischen Wahlzettels. Alle zwei Stunden werden die Ergebnisse an das ZDF durchgegeben. Angeblich füllen mindestens 70 Prozent der Angesprochenen die Wahlzettel aus. Auf dieser Erhebung beruht die Wahlprognose, die sich in Sachsen-Anhalt bereits kurz nach 18 Uhr als erstaunlich zuverlässig erwies.
Nachwahlbefragung des ZDF in Kühlungsborn.
© Thomas Fasbender/Ostdeutsche Allgemeine
13.53 Uhr: In Schwerin gibt es auch noch andere Probleme
Nur wenige Meter vom Wahllokal in der Puschkinstraße entfernt scheint die Landtagswahl an diesem Sonntag weit weg. Im Netto, der auch sonntags geöffnet hat, beschäftigt die Mitarbeiter ein ganz anderes Thema: Ladendiebstahl.
Ein Mann steckt vier Dosen Proteinpulver in seinen Rucksack. Mitarbeiter bemerken es und sprechen ihn an. Zunächst weigert er sich, den Rucksack zu öffnen. Erst als ihm mit der Polizei gedroht wird, gibt er die Ware heraus. Gleichzeitig wird eine andere Kundin laut. „Klappe da hinten, Sie haben hier eh Hausverbot“, ruft eine Mitarbeiterin durch den Laden. Für einige Minuten wird es laut und hektisch.
Die Polizei wird am Ende nicht gerufen, der Mann darf das Geschäft verlassen. Für die Mitarbeiter ist die Szene offenbar nichts Außergewöhnliches. „Das ist schon der Dritte heute“, sagt eine Mitarbeiterin dieser Zeitung. „Es wird jeden Tag schlimmer, weil die Leute einfach kein Geld mehr haben.“
13.46 Uhr: Wählen bei den Kleinsten
Im Wahllokal der Kita Klinker Knirpse in Klink an der Müritz ist es um diese Mittagszeit menschenleer. Nur ein älteres Paar hat gerade gewählt und kommt aus dem Wahllokal. „Wir sind schon immer wählen gegangen. Wir wollen, dass wieder die Partei gewinnt, die wir auch heute gewählt haben“, sagt die Frau. Welche das ist, möchten sie aber nicht öffentlich sagen.
Auch in der Kita wird gewählt.
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
12.46 Uhr: „Schwesig macht bürgernahe Politik“
Iris Eichler, parteilos, war 20 Jahre lang für PDS und Die Linke in der Kühlungsborner Kommunalpolitik unterwegs. Der Ostdeutschen Allgemeinen schildert sie ihre Sicht auf die Landtagswahl.
12.33 Uhr: „Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat gute Stimmung gemacht“
Lawrence Homez, gebürtiger Rostocker, über 60, hat an diesem Sonntag sein Kreuz der AfD gegeben. Mecklenburg-Vorpommern sei ihm „zu rot“, zu viele Menschen wählten SPD. Er gehe regelmäßig zu AfD-Veranstaltungen und habe viele Freunde in der Partei. Wegen seiner Hautfarbe – sein Vater stammt aus Kenia – habe er dort nach eigener Aussage nie Ablehnung erlebt.
Lawrence Homez auf dem Neuen Markt in Rostock
© Ronja Ackermann/Ostdeutsche Allgemeine
In Rostock störe ihn vor allem, dass aus seiner Sicht zu viel Geld ausgegeben werde, etwa für den Theaterneubau. „Da kommt nichts bei den Menschen an. Ich sehe zu viele Menschen, die Flaschen sammeln“, sagt er. Die Wahl in Sachsen-Anhalt habe ihm dagegen „gute Stimmung gemacht“: „Es geht aufwärts.“
12.04 Uhr: Erstwähler in Rostock – „Wir wählen SPD“
An der Straßenbahnhaltestelle Maßmannstraße in Rostock stehen am Vormittag Luise und Caro, beide 17 Jahre alt. Etwas nervös halten sie ihre Wahlbenachrichtigungen in der Hand. „Es ist schon aufregend wählen zu gehen“, sagt Luise. „Da fühlt man sich das erste Mal etwas mehr erwachsen und auch wichtig für die Gesellschaft.“ Die beiden haben sich extra verabredet, um gemeinsam zum ersten Mal ihre Stimme bei einer Landtagswahl abzugeben. Sie gehören zu rund 2400 Erstwählern in Rostock. Erstmals dürfen bei dieser Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auch 16- und 17-Jährige wählen.
Die beiden Mädels wollen die SPD wählen. „Eigentlich wollen wir nur verhindern, dass die AfD die Regierung übernimmt“, so Caro. Sonst, sagt sie, hätte sie sich für Die Linke entschieden.
12 Uhr: Unterwegs in Parchim – „Wählen ist unsere Pflicht“
Im vielleicht schönsten Wahllokal im Land, im historischen Gewölbekeller des altehrwürdigen Rathauses in Parchim, hat sich um 11.20 Uhr eine Schlange gebildet. „In all unseren neun Wahllokalen waren bis jetzt schon etwa je 300 Wähler“, sagt Gemeindewahlleiterin Corinna Skowronski. „Wir gehen heute von einer Wahlbeteiligung von etwa 80 Prozent aus. Bei der Bundestagswahl waren es 70 Prozent.“ Die Kreisstadt Parchim hat knapp 18.000 Einwohner.
Sven und Monika
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
Sven und Monika gehören zu denen, die schon gewählt haben. „Wählen ist unsere Pflicht“, findet der Schlosser. „Es muss sich etwas ändern, das Land wird in den wirtschaftlichen Ruin getrieben“, sagt seine Partnerin. „Wir müssen arbeiten gehen und andere machen sich einen Bummi.“ Beide haben AfD gewählt.
Ein junges Paar, 22 und 24 Jahre, das gerade aus dem Rathaus kommt, möchte nicht verraten, wen es gewählt hat. „Wir wünschen uns Veränderung. Die allgemeine Situation ist schlecht. Wir sind auf‘s Auto angewiesen und müssen jeden Tag von Parchim nach Ludwigslust fahren.“
11.56 Uhr: Manuela Schwesig zeigt sich optimistisch
Nach dem Gang zur Wahlurne tritt die Ministerpräsidentin noch einmal vor die zahlreichen Kameras und gibt ein kurzes Statement ab.
Sie blicke positiv auf den Wahltag, sagt Schwesig. Den Morgen habe sie zunächst ruhig mit ihrer Familie verbracht und gemeinsam gefrühstückt. Nun freue sie sich auf alles, was dieser Tag noch bringen werde.
11.50 Uhr: Im Rostocker Wahllokal
Am Wahllokal 225 mitten in der Rostocker Innenstadt ist am späten Vormittag einiges los. Der Wahlbezirk umfasst einen Teil des Rostocker Zentrums. Insgesamt sind bei der Landtagswahl in Rostock rund 168.000 Menschen wahlberechtigt, darunter etwa 2400 Erstwähler. Über die Stadt verteilen sich 134 Wahllokale.
Auch Monika R. hat ihre Stimme bereits abgegeben. Was sie sich für den Wahlabend wünscht, sagt sie ohne Umschweife: „Dass die AfD nicht gewinnt.“
Christa und Gerhard Greve, 85 und 90 Jahre alt, kommen ebenfalls gerade aus dem Wahllokal. Nach welchen Kriterien sie ihr Kreuz gesetzt haben? „Naja, Themen, die den Alltag von Familien und älteren Menschen betreffen: Schulen, Kinderbetreuung und die Rente. Auch eine verlässliche medizinische Versorgung ist mir wichtig“, sagt Christa Greve. Gut findet sie etwa die Idee, verschiedene Fachärzte an einem Ort zu bündeln.
11.33 Uhr: Schwesig und ihr Mann kommen zur Wahl
Vor dem Wahllokal in der Puschkinstraße wird es plötzlich voll. Zahlreiche Journalisten haben sich versammelt, Kameras und Mikrofone stehen bereit. Sie alle warten auf Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die hier ihre Stimme abgeben soll.
Ein älterer Mann, der gemeinsam mit seiner Frau gerade aus dem Wahllokal kommt, betrachtet den Medienauflauf und bleibt stehen. „Das ist ja wie in der DDR hier“, sagt er. Wie er das meine? „Na, das war doch bei Honecker damals nicht anders. Ein reiner Personenkult.“ Seine Frau steht daneben und nickt zustimmend.
Gewählt haben die beiden trotzdem. Und pessimistisch wirkt der Mann keineswegs. Ob er frohen Mutes sei? „Aber natürlich. Bald wird sich in diesem Land einiges ändern, das können Sie mir glauben“, sagt er. Dann nimmt er seine Frau an die Hand und macht sich auf den Heimweg.
10.50 Uhr: Holm geht wählen
Es ist kurz nach 10 Uhr, vor der Niklot-Schule am Obotritenring in Schwerin haben sich Dutzende Reporter und Fotografen versammelt. Gespannt warten sie auf AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm, im Wahllokal 17 wird er gleich seine Stimme abgeben. In der Schule, die am Eingang mit Schule gegen Rassismus, Schule für Courage wirbt. Und dann kommt Holm mit seiner Frau. „Der Himmel ist blau, das ist ein Zeichen“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht und betritt die Wahlkabine.
Vor der Schule stellt er sich den Fragen der Journalisten, die sich wie eine Große Traube um ihn scharren. Nach knapp 20 Minuten verabschiedet er sich; er freue sich auf ein Wiedersehen bei der Wahlparty heute Abend.
10.05 Uhr: „Mich überzeugt keines der Plakate“
Am frühen Morgen wirkte Schwerin noch wie ausgestorben, mittlerweile ist die Sonne herausgekommen und mit ihr kommt langsam Leben in die knapp 98.000 Einwohner große Landeshauptstadt. Rund 77.000 Schweriner sind wahlberechtigt. Jana und Finn gehören nicht dazu. Das Paar schlendert am Vormittag rund um das Schweriner Schloss, beide sind Touristen und verbringen das Wochenende in der Stadt. Sie leben in Süddeutschland, sagen sie, die Landtagswahl verfolgen sie trotzdem mit großem Interesse. Besonders die zahlreichen Wahlplakate, die überall in der Stadt hängen, haben sie sich genauer angesehen.
Vor dem Schweriner Schloss
© imago
„Mich persönlich überzeugt keines der Plakate“, sagt Finn. Die Botschaften seien „nichtssagend“, letztlich lese man „immer dasselbe“. Besonders einfallsreich findet er den Wahlkampfbotschaften jedenfalls nicht. „Uninspiriert“ lautet sein Urteil. Und was würde er selbst auf ein Wahlplakat schreiben? Finn muss lachen. „Gute Frage“, sagt er. Darüber müsse er nun erst einmal nachdenken. Eines wisse er sicher: Pünktlich zur ersten Hochrechnung wollen beide vor dem Fernseher sitzen.
08.48 Uhr: „Kein großer Fan der SPD“, aber: „Sie kennt sich aus“
Schwerin wirkt am frühen Sonntagmorgen wie ausgestorben. Es nieselt leicht, auf den Straßen der Innenstadt sind kaum Menschen unterwegs. Auch im Wahllokal 30 in der Puschkinstraße herrscht zunächst gähnende Leere: kein Wähler weit und breit. Selbst nach längerem Warten zeigt sich niemand, der seine Stimme abgeben will.
Nur knapp 100 Meter weiter wird es ein wenig lebendiger. Im Café Rothe stehen bereits die ersten Kunden an. Eine junge Frau in der Schlange hat ihre Stimme längst abgegeben – per Briefwahl. Was sie für den Abend erwartet? „Dass Schwesig weiterhin regieren wird.“ Sie sei zwar „kein großer Fan der SPD“, sagt die Frau. Für sie seien die anderen Kandidaten jedoch „keine Option“. Außerdem habe Manuela Schwesig Erfahrung: „Sie kennt sich aus.“
Gähnende Leere vor dem Wahllokal 30 in der Schweriner Innenstadt.
© Sophie-Marie Schulz/Ostdeutsche Allgemeine
08.01 Uhr: Die ersten Wähler in Kühlungsborn geben ihre Stimme ab
8:01 Uhr in Kühlungsborn an der Ostsee, 15 Grad Lufttemperatur, verhangener Himmel. Andi und Conny sind die ersten Wähler im Wahllokal 3. Ihre Prognose für das Resultat im Land? Kopf-an-Kopf, meint Andi, aber hoffentlich schaffe es die AfD. In der DDR wurde er nach zwei Jahren Haft 1987 vom Westen freigekauft: „Ist doch heute alles wieder wie früher.“ Nach der Wahl geht‘s zum Oktoberfest, 756 Kilometer. Zwei Heavy-Metal-Fans unterwegs zum Schunkelglück. Immerhin das hat Deutschland heute der DDR voraus. Von Kühlungsborn zur Theresienwiese wär damals schwieriger gewesen, erinnern sich beide.
Andy und Conny auf dem Weg ins Wahllokal.
© Thomas Fasbender / Ostdeutsche Allgemeine
08.00 Uhr: Die Wahl in MV hat begonnen
In Mecklenburg-Vorpommern hat die Landtagswahl begonnen. Um 08.00 Uhr öffneten am Sonntag die Wahllokale. Rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte sind bis 18.00 Uhr zur Stimmabgabe aufgerufen. Für die Sozialdemokraten kämpft Ministerpräsidentin Manuela Schwesig darum, weiterregieren zu können. In einer der jüngsten Umfragen, in denen die SPD 33 bis 37 Prozent erreichte, setzte sich die Partei zuletzt vor die AfD, die ansonsten vorn lag.
Für eine Fortsetzung des bisherigen rot-roten Bündnisses könnte es nicht mehr reichen. Denkbar wäre eine rot-rot-grüne Mehrheit, sofern es die Grünen ins Parlament schaffen. Für sie ist die Wahl mit fünf Prozent in den Umfragen eine Zitterpartie. Mit der AfD um ihren Ministerpräsidentenkandidaten Leif-Erik Holm, die ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 auf 36 bis 38 Prozent verdoppeln könnte, will keine Partei koalieren. Der CDU droht in Mecklenburg-Vorpommern laut Umfragen ein einstelliges Ergebnis von sechs bis sieben Prozent.
07.42 Uhr: Mögliche Koalitionen – AfD und SPD liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen
AfD und SPD liefern sich in Mecklenburg-Vorpommern ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz eins – für eine Regierungsbildung reicht das allein aber niemandem. Nach aktuellem Wahltrend liegt die AfD bei rund 36,5 Prozent, knapp dahinter die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit etwa 33 Prozent. Die Linke kommt auf gut 10 Prozent, die CDU auf 7 Prozent, die Grünen auf gut 5 Prozent. Das BSW steht bei 4 Prozent und droht an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern.
Die bisherige Koalition aus SPD und Linke käme laut Prognosen nur auf knapp 48 Prozent der Sitze – zu wenig für eine eigene Mehrheit. Schwesig bräuchte also einen dritten Partner, am ehesten die CDU, um eine Neuauflage zu retten. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließen SPD, CDU, Linke und Grüne unisono aus. Bliebe das BSW draußen, würde die Regierungsbildung dadurch tendenziell einfacher – wenn auch keineswegs bequem.
05:44 Uhr: CDU-Präsidium versammelt sich schon am Sonntagnachmittag
Am Abend der wegweisenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin kommt am Sonntag (17.00 Uhr) in Berlin das CDU-Präsidium um den Bundesvorsitzenden und Bundeskanzler Friedrich Merz zu Beratungen im Konrad-Adenauer-Haus zusammen. Merz steht seit dem Debakel bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen, wo die CDU abgeschlagen hinter der AfD landete, massiv unter Druck. Vereinzelt wurde zuletzt über seine Ablösung diskutiert.
Wahl in MV: Warum der 20. September schon jetzt ein Schicksalstag für Kanzler Merz ist
Samstag, 19. September
22:47 Uhr: Kühlungsborn an der Ostsee: Oktoberfest, Bier und Vertrauen in einen fairen Ablauf der Landtagswahl
Ausgelassene Stimmung in der Vorwahlnacht an der Ostsee. Beim Oktoberfest im Kühlungsborner Brauhaus tanzen Einheimische und Touristen zu Marianne Rosenbergs 51 Jahre altem Party-Hit. Auch Horst Böckenheuer, Wahlleiter im Wahllokal Kühlungsborn-Ost, gönnt sich ein Bier. Er macht den Job zum fünften oder sechsten Mal. „Hier oben bei uns geht es zivilisiert zu“, sagt der Ex-Polizist. Er ist zuversichtlich: „Das ist der Norden. Unregelmäßigkeiten wird es keine geben.“
20.17 Uhr: Warschau erteilt möglicher Zusammenarbeit mit AfD Absage
Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat das polnische Innenministerium Überlegungen der AfD zu einer Einbindung polnischer Polizeikräfte in eine geplante Rückführungspolizei zurückgewiesen. Auch die polnische Polizeiführung stellte klar, dass ein offizielles deutsches Ersuchen nicht vorliege.
Die Sprecherin des polnischen Innenministeriums, Karolina Gałecka, erklärte: „Es besteht keine Möglichkeit, dass das polnische Innenministerium in seiner derzeitigen Zusammensetzung in irgendeiner Form mit der AfD zusammenarbeitet und mit ihr gemeinsame Trupps oder Patrouillen bildet.“
Aus der polnischen Polizeiführung hieß es: „Die bestehende Regierungsvereinbarung von 2014 ermöglicht zwar gemeinsame grenzüberschreitende Patrouillen, umfasst aber keine Abschiebung von Migranten.“
19.23 Uhr: Moskau zu Arbeit mit AfD: Land „wird aufblühen“
Der Wirtschaftsbeauftragte des Kremls, Kirill Dmitrijew, hat auf einen Wahlaufruf von AfD-Chefin Alice Weidel auf X erklärt: „Mecklenburg-Vorpommern wird wieder aufblühen, wenn durch gemeinsame Arbeit mit der AfD bezahlbares, zuverlässiges Nord-Stream-Gas zurückkehrt.“
Dmitrijew, der auch Leiter des russischen Direktinvestitionsfonds ist, stellte zudem niedrigere Energiepreise, zusätzliche Arbeitsplätze und höheres Wachstum in Aussicht.
Die Nord-Stream-Leitungen erreichen Deutschland in Mecklenburg-Vorpommern. Von den ursprünglich vier Strängen ist nur noch einer unbeschädigt und nicht in Betrieb.
17.35 Uhr: Holm – „Diese Frau Schwesig muss endlich in den Ruhestand gehen“
Beim AfD-Wahlkampffinale in Schwerin griff Leif-Erik Holm die Landesregierung scharf an und forderte: „Diese Frau Schwesig muss endlich in den Ruhestand gehen.“ Stargast Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt wurde von den Anhängern mit „Ulli, Ulli“-Rufen bejubelt und stimmte das Publikum mit Parole wie „Links ist vorbei“ auf den Wahltag ein.
„Wir haben die Demokratie wieder zum Leben erweckt“: Siegmund beim Wahlkampfabschluss der AfD
Ein zentrales Thema klammerte die Partei auf der Bühne jedoch aus: Das jüngste ZDF-Politbarometer sieht die SPD mit 37 Prozent kurz vor der Wahl knapp vor der AfD (36 Prozent), nachdem die Oppositionspartei monatelang in den Umfragen geführt hatte.
AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm und Ulrich Siegmund beim Wahlkampfabschluss in Schwerin.
© DANNY GOHLKE
17.30 Uhr: Rund 700 Menschen auf dem Schweriner Markt
Einen Tag vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kommt die AfD noch einmal auf dem Schweriner Marktplatz zusammen. Nach Polizeiangaben verfolgen rund 700 Menschen die Veranstaltung, der Platz ist dicht gefüllt. Die Stimmung ist von Beginn an ausgelassen. Als der AfD-Bundestagsabgeordnete Bernd Baumann ruft: „Wir ändern Deutschland“, antwortet eine Frau aus dem Publikum laut: „Ja, endlich. Es muss sich etwas in diesem Land ändern.“
Auch die Anwohner rund um den Schweriner Markt verfolgen das Wahlkampffinale. Aus zahlreichen geöffneten Fenstern blicken Menschen auf die Bühne. Dabei zeigt sich ein durchaus gegensätzliches Bild: Während einige Zuschauer in AfD-Kleidung an den Fenstern sitzen, halten andere „Fuck Nazis“-Schilder von ihren Balkonen oder haben diese gut sichtbar an den Fenstern befestigt. Unten auf dem Platz wird derweil weiter gejubelt.
17 Uhr: Anti-AfD-Demo zieht durch Schwerin
Eine große Regenbogenfahne wurde durch die Innenstadt zum Schweriner Schloss getragen.
© Danilo Vitense
Unter dem Motto „Wir sind die Ostdeutsche Antifa“ setzte sich gegen 15 Uhr die Gegendemonstration zur AFD-Veranstaltung vom Schweriner Hauptbahnhof aus in Bewegung. Laut Polizei sind etwa 250 Teilnehmer dabei, die Organisatoren rechneten mit 500. Angeführt wird der Tross lautstark vom Adenauer SRP+ Bus. Unter den Teilnehmern sind Antifa-Vertreter, Jusos, Omas gegen Rechts, der DGB und viele Schaulustige.
Nach einer Zwischenkundgebung am Schloss ging es zum Schlachtermarkt, auf Hörweite zur AfD-Veranstaltung auf dem Markt. Die Polizei begleitete den Aufzug und schirmte beide Seiten weitläufig mit Absperrgittern voneinander ab. Bisher blieb es friedlich. Eine Gegendemonstration gibt es um 21 Uhr, diese soll wieder am Hauptbahnhof enden.
16.35 Uhr: AfD hofft auf Regierungsverantwortung in MV
Die AfD will bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag stärkste Kraft werden. „Wir wollen dieses Land blau machen. Lasst Euch von den Umfragewerten nicht verunsichern“, sagte Spitzenkandidat Enrico Schult bei der Wahlkampfabschlussveranstaltung in Demmin vor mehreren Hundert Anhängern. Seine Partei wolle Regierungsverantwortung übernehmen.
Enrico Schult, AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl
© Philip Dulian/dpa
16.30 Uhr: Neueste Umfrage sieht SPD vorn
Die SPD hat in einer ZDF-Umfrage die zuvor lange führende AfD überholt. In der am Donnerstag veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen kommt die Partei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf 37 Prozent. Die AfD folgt dicht dahinter mit 36 Prozent der Stimmen.
Die Linke landet mit neun Prozent auf Platz drei. Die CDU schafft mit sechs Prozent knapp den Einzug in den Landtag. Mit fünf Prozent müssen die Grünen um den Einzug bangen. Das BSW scheitert demzufolge mit vier Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde.
Es wurde eine große Regenbogenfahne ausgerollt, die von Demonstrationsteilnehmern entlang der Aufzugsstrecke getragen wurde. Diese führte durch die Innenstadt zum Schweriner Schloss. Da wird eine Zwischenkundgebung abgehalten. Nächster Halt danach war der Schlachtermarkt, auf Hörweite zur AfD Veranstaltung auf dem Markt. Polizei begleitete den Aufzug und schirmte beide Seiten weitläufig mit Absperrgittern voneinander ab. Bisher blieb es friedlich. Die Gegendemonstration soll 21 Uhr laufen und wieder am Hauptbahnhof enden. Haupttenor Ganz Schwerin hasst die AfD und Verbot der AfD.
16 Uhr: 1,3 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen
Rund 1,3 Millionen Menschen sind am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern wahlberechtigt. Zwischen 8 Uhr und 18 Uhr können die Wahlberechtigten im Wahllokal ihre Stimme abgeben. Alternativ kann die Stimme auch per Briefwahl abgegeben werden. Die Briefe müssen bis Sonntag 18 Uhr an der entsprechenden Stelle eingegangen sein.
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