Die Spritpreise im Erzgebirge treiben einen Familienbetrieb an den Rand. Marcus Mehnert führt die Silberland Traffic Service GmbH in Annaberg-Buchholz. Im Gespräch mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung schildert er, wie sehr der Dieselpreis sein Unternehmen unter Druck setzt. Rund 40 Prozent seiner Ausgaben entfallen inzwischen allein auf den Sprit.
Alle zwei Wochen zahlt der Betrieb dafür etwa 12.000 Euro. Betroffen sind am Ende nicht nur die 25 Mitarbeiter und 28 Fahrzeuge, sondern vor allem die Menschen, die auf die Fahrten angewiesen sind: Patienten, Menschen mit Behinderung und Schulkinder.
Der Dieselpreis ist für Mehnerts Betrieb der entscheidende Hebel geworden. „Mit zwei Euro pro Dieselliter im Sommer sind wir noch zurechtgekommen“, sagt er. „50 Cent mehr sind problematisch.“ Genau diese Differenz macht den Unterschied zwischen einer engen und einer nicht mehr tragbaren Kalkulation.
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Das Kernproblem: Kurzfristige Preisanpassungen sind kaum möglich. „Wir sind daran gebunden, im ersten Jahr zum Ausschreibungspreis zu fahren“, erklärt Mehnert. Für Tarifanpassungen sind in den meisten Fällen langwierige Antragsverfahren nötig. Die Mehrkosten trägt der Betrieb deshalb über Monate selbst.
Um gegenzusteuern, hat das Unternehmen bereits Personal abgebaut. „Wir mussten bereits zwei Leute entlassen. Dadurch versuchen wir, die Mehrkosten beim Sprit zu kompensieren.“ Doch das reicht nicht dauerhaft.
Rücklagen für den Sommer sind schon aufgebraucht
Der Betrieb greift derzeit auf Reserven zurück, die eigentlich für später gedacht waren. „Unsere Reserve, die wir eigentlich für den nächsten Sommer bräuchten, wenden wir gerade dafür auf“, so Mehnert.
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© privat
Die Folge könnte ein weiterer Personalabbau sein. „Das kann dazu führen, dass wir in den Sommerferien wieder Leute gehen lassen müssen“, warnt der Geschäftsführer.
Mehnert versteht sein Unternehmen als Teil der Daseinsvorsorge. „Wir sind Teil der öffentlichen Infrastruktur, fahren in Summe täglich mehrere Tausend Kilometer.“ Für ihn ist die Lage vergleichbar mit einem früheren Einschnitt: „2020 war mit Corona ähnlich einschneidend. Seitdem macht das Geschäft keinen Spaß mehr.“
Ab Februar drohen Versorgungslücken
Zusätzlich zum Spritpreis setzt eine gesetzliche Neuregelung dem Betrieb zu. Durch das neue Krankenhausgesetz sind Preisanpassungen gedeckelt. Dabei, so Mehnert, „leben Taxibetriebe davon, Patienten zu befördern“.
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Der Unternehmer zeichnet ein deutliches Bild der möglichen Folgen: „Ab Februar drohen entweder massive Zuzahlungen für die Fahrgäste oder der Wegfall des Versorgungsangebots.“ Damit stünde ausgerechnet die Beförderung kranker und älterer Menschen infrage.
Mehnerts zentrale Forderung ist ein planbarer Kraftstoffpreis für Betriebe. „Wir brauchen eine Gewerbediesel, der kalkulierbar ist. Wir müssen das auf stabile Füße stellen“, sagt er.
Mit dieser Forderung steht er nicht allein. Auch die Handwerkskammer Dresden verlangt Entlastung. Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski fordert „analog zum Agrardiesel die sofortige Einführung eines Gewerbediesels, um die Unternehmen an der Stelle zu entlasten". Die sächsischen Bundestagsabgeordneten müssten jetzt „ins Laufen kommen und handeln“.
Politischen Druck macht auch die sächsische AfD-Fraktion. Ihr energiepolitischer Sprecher Jan Zwerg fordert eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe sowie eine Absenkung der Umsatzsteuer von 19 auf sieben Prozent.
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