Wahlen

Liveblog zu Sachsen-Anhalt: Ex-CDU-Landeschef kritisiert Schulze, Neuauszählung in 52 Wahlbezirken

Die AfD ist die stärkste Kraft bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet – die wichtigsten Informationen hier im Liveblog.

Ulrich Siegmund gewann mit der AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Ulrich Siegmund gewann mit der AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

© Michael Kappeler/dpa

An dieser Stelle beenden wir unseren Liveblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

In Sachsen-Anhalt waren am Sonntag 1,7 Millionen Menschen aufgerufen, bei der Landtagswahl ihre Stimme abzugeben. Dem vorläufigen Wahlergebnis zufolge ist die AfD die stärkste Kraft. Die wichtigsten Informationen im Liveblog.


Donnerstag, 10. September

9.30 Uhr: Neuauszählung in 52 Wahlbezirken

In insgesamt 52 Wahlbezirken in Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des MDR inzwischen Stimmen neu ausgezählt worden oder werden noch ausgezählt.

Bei insgesamt etwa 2600 Wahlbezirken im Land entspricht das etwa zwei Prozent. In allen Fällen geht es bisher um Versäumnisse oder Unregelmäßigkeiten bei der Dokumentation. Die Nachzählungen sind öffentlich. Bis Mittwoch hatte der Burgenlandkreis insgesamt 27 Wahlbezirke nachzählen lassen.

8.30 Uhr: Gysi nennt Landtagswahl „schwarzen Tag“

Für Gregor Gysi (Gysi) ist der Wahlausgang zweierlei zugleich: „Ausdruck der Demokratie“ und ein „schwarzer Tag“. Er hoffe, dass dieser Tag klarmache, worin die künftigen Aufgaben lägen. An seiner früheren Parteikollegin Sahra Wagenknecht übt er scharfe Kritik und wirft ihr „blanken Opportunismus“ vor.

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7.45 Uhr: Wahlsieg der AfD wieder Thema bei „Maischberger“

Wenige Tage nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt ist die Wahl weiter Thema in den Talkshows. Moderatorin Sandra Maischberger konfrontiert dabei den AfD-Politiker Stephan Brandner.

6.45 Uhr: Özdemir gibt Ampelregierung Mitschuld

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Cem Özdemir (Grüne) hat der Ampel-Regierung eine Mitschuld am AfD-Wahlsieg gegeben. „Der Wahlsieg der AfD ist für Deutschland eine Zäsur“, so Özdemir, der in der Ampel-Koalition Argrarminister war.

„Die SPD hat in Sachsen-Anhalt schon mal einen Ministerpräsidenten gestellt. Jetzt neun Prozent als stabiles Ergebnis zu feiern, ist schon gewagt. Und für die CDU steht der Status als Volkspartei infrage“. Weiter sagte er: „Auch die Ampelregierung, der meine Partei und ich als Minister angehörten, trägt eine Mitschuld. Ich habe in Berlin viel gelernt, vor allem wie man es nicht machen sollte“.

6.10 Uhr: Ex-CDU-Landeschef kritisiert Schulze

Der frühere CDU-Chef in Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, hat die Wahl von Ministerpräsident Sven Schulze zum CDU-Fraktionsvorsitzenden kritisiert. „Das ist ein völlig falsches Signal“, sagte Stahlknecht. Die CDU-Landtagsfraktion sei nun gespalten. „Das wird sich auf die Arbeit auswirken.“

Schulze hatte sich am Dienstag in einer Abstimmung knapp durchgesetzt. Weiter sagte Stahlknecht: „So etwas kann man vielleicht mal für wenige Wochen machen, aber in Sachsen-Anhalt droht eine monatelange Hängepartie, in der Sven Schulze weiter Regierungschef bleibt.“

Mittwoch, 9. September

Wir pausieren hier die Berichterstattung zu Sachsen-Anhalt. Um 6.00 Uhr geht es an dieser Stelle weiter.

21.15 Uhr: BSW will mit AfD sprechen

Nach der Landtagswahl will das BSW als einzige Partei Gespräche mit der AfD über eine mögliche Zusammenarbeit führen.

20.15 Uhr: Merz skeptisch zu AfD-Verbotsverfahren

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich skeptisch zu den Erfolgschancen eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens geäußert. „Wir können das gerne immer wieder auch prüfen, aber aus meiner Sicht ist das eine sehr hohe Hürde“, sagte der CDU-Vorsitzende bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Ratspräsident António Costa in Berlin. Er glaube zudem nicht, dass ein Verbot das Problem löse, das die Wähler der Partei in Deutschland sähen.

Merz sprach sich für eine politische Auseinandersetzung mit der AfD aus. Man müsse versuchen, die Wähler für die politische Mitte zurückzugewinnen und ihnen ein überzeugendes Angebot zu machen.

Zuvor hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gefordert, die AfD von einer Gruppe aus Experten von Bund und Ländern, Verfassungsrechtlern und Verfassungsschutzbeamten prüfen zu lassen.

19.20 Uhr: ver.di zählt 46 Angriffe auf Journalisten im Wahlkampf

Die Journalistengewerkschaft dju in ver.di hat im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt 46 Angriffe auf Medienschaffende dokumentiert – nach eigenen Angaben ein bislang beispielloses Ausmaß. Seit Mai seien Übergriffe, Einschüchterungen und massive Behinderungen erfasst worden, darunter sieben physische Übergriffe, Gewalttaten und Androhungen, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch in Leipzig mit.

Ihren vorläufigen Höhepunkt hätten die Vorfälle am Wahlwochenende und auf der AfD-Wahlparty am Sonntag in Magdeburg erreicht. Zahlreichen internationalen Medien sei durch die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD eine Akkreditierung verweigert worden. Die Polizei habe Medienschaffende auf der Wahlparty nicht ausreichend vor Einschüchterungsversuchen geschützt, kritisierte die Gewerkschaft. Sie forderte einen konsequenten Schutz von Pressebereichen sowie eine vorrangige Ahndung der Taten durch die Strafverfolgungsbehörden.

16.45 Uhr: Mehrere Wahlbezirke müssen Stimmen neu auszählen

In mehreren Wahlbezirken müssen die Stimmen neu ausgezählt werden. Besonders betroffen ist der Burgenlandkreis: Dort werden nach Angaben der Kreisverwaltung 27 Wahlbezirke mit insgesamt 9438 Stimmzetteln erneut geprüft. „Gravierende Mängel wurden nicht festgestellt“, teilte der Landkreis mit.

Auslöser der Nachzählungen sind formale Fehler bei der Dokumentation der Wahl. In mehreren Wahllokalen seien die Ergebnistabellen, in denen die ausgezählten Stimmen festgehalten werden, nicht korrekt ausgefüllt worden.

Auch im Landkreis Börde gibt es Nachzählbedarf. In der Verbandsgemeinde Westliche Börde sind laut Kreisverwaltung zwei Wahlbezirke betroffen. Auch hier lautet die Begründung, dass die Wahlniederschriften „nicht ordnungsgemäß“ ausgefüllt worden seien.

In Dessau-Roßlau beschränkt sich die Überprüfung auf einen Briefwahlbezirk. Eine Sprecherin der Stadt begründete den Schritt mit einer „kleinen Unregelmäßigkeit“, die entdeckt worden sei. Nähere Angaben dazu wurden zunächst nicht gemacht.

16 Uhr: AfD-Vorstoß für Sondierungsgespräche stößt bei CDU, SPD, Grünen und Linken auf Ablehnung

Die AfD in Sachsen-Anhalt hat alle Parteien zu Sondierungsgesprächen eingeladen. CDU, SPD, Grüne und Linke haben das Angebot nach Angaben der Parteien ausgeschlagen. Damit bleibt für die AfD aktuell nur das BSW als Option.

14.30 Uhr: Boris Palmer sieht in AfD-Sieg einen „Glücksfall“

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hält den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für einen „Glücksfall", weil die AfD trotz ihres deutlichen Zugewinns keine absolute Mehrheit erreicht habe. Im Podcast des Journalisten Constantin Schreiber sagte Palmer, nun bestehe die Möglichkeit, „auszuprobieren, was tatsächlich passiert, wenn die AfD den Ministerpräsidenten stellt".

Palmer skizzierte ein konkretes Szenario: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte mit Stimmen des BSW zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Für jedes einzelne Gesetzesvorhaben müsste die AfD anschließend im Parlament um Mehrheiten werben. „Die AfD muss sich dann anstrengen, Mehrheiten für jede einzelne Vorlage zu gewinnen", so Palmer. Er sprach von einer „Konstellation der kontrollierten Inverantwortungnahme mit der AfD ohne Maximalrisiko" und einer „punktuellen Zusammenarbeit in Sachfragen".

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sieht in AfD-Sieg einen „Glücksfall“.

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sieht in AfD-Sieg einen „Glücksfall“.

© Bernd Weißbrod/dpa

14 Uhr: AfD-Höhenflug überlagert Haushaltsberatungen

Eigentlich stand am Mittwoch die Beratung der Haushaltspläne der Bundesregierung auf der Tagesordnung des Bundestags. Doch das Ergebnis der Wahl in Sachsen-Anhalt drängte sich in den Vordergrund und bestimmte den Verlauf der Sitzung.

Auslöser der veränderten Debattenlage ist das starke Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl. Im Plenum ging es in der Folge weniger um Etatposten als um die Frage, weshalb die Partei so viel Zustimmung gewinnen konnte, wer politische Verantwortung für die Entwicklung trägt und wie die etablierten Parteien darauf reagieren sollten. Die Abgeordneten lieferten sich dazu einen lebhaften Schlagabtausch.

Blick auf den Bundesadler im Plenarsaal des Bundestages.

Blick auf den Bundesadler im Plenarsaal des Bundestages.

© Kay Nietfeld/dpa

12.45 Uhr: Bundesregierung weist Trump-Äußerungen zu AfD-Wahlsieg zurück

Die Bundesregierung hat die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zum Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt zurückgewiesen. „Wir Deutschen entscheiden selbst, wie wir mit Migration umgehen, und auch, wen wir wählen“, sagte der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi (SPD).

12.30 Uhr: Linken-Politikerin von Angern Alterspräsidentin im Landtag

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern wird als Alterspräsidentin die konstituierende Sitzung des am Sonntag neugewählten Landtags von Sachsen-Anhalt eröffnen.

Dies bestätigte ihre Fraktion am Mittwoch in Magdeburg. Sachsen-Anhalt gehört zu den Ländern, in denen das Amt der Alterspräsidentin oder des -präsidenten dem am längsten dem Parlament sitzenden Abgeordneten zusteht. Von Angern, die Spitzenkandidatin ihrer Partei im zurückliegenden Landtagswahlkampf war, gehört dem Landtag seit 2002 an.

12 Uhr: Grüne und SPD lehnen AfD-Sondierungsangebot ab

Die Grünen in Sachsen-Anhalt lehnen Sondierungsgespräche mit der AfD über eine mögliche Regierungsbildung ab. „Es ist absurd anzunehmen, dass wir mit der rechtsextremen AfD Gespräche über die Zukunft unseres Landes führen werden“, sagte Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz.

Auch die SPD wird nicht auf die Offerte eingehen. Das entsprechende Schreiben der AfD sei per E-Mail beim Landesverband eingegangen, bestätigte ein Sprecher. „Wir nehmen das Gesprächsangebot nicht an.“

11.10 Uhr: Prinzen-Sänger Krumbiegel sieht AfD-Erfolge nicht als rein ostdeutsches Phänomen

Der Sänger der Popgruppe „Die Prinzen“, Sebastian Krumbiegel, hat davor gewarnt, hohe Wahlergebnisse der AfD als ausschließlich ostdeutsches Problem einzuordnen. „Das ist ein Trugschluss, ein großer Irrtum“, sagte der aus Leipzig stammende Musiker. Die politische Entwicklung im Osten dürfe nicht isoliert betrachtet werden, vielmehr gebe es in der gesamten Gesellschaft eine ausgeprägte Unzufriedenheit.

„Für mich ist wichtig, dass wir alle miteinander versuchen, die Leute zu verstehen, die jetzt gerade in irgendeiner Weise an der Uhr drehen“, sagte der 60-Jährige. Diese Menschen hätten einen Grund für ihre Haltung. Zugleich stellte er klar: „Man muss deswegen aber keine rechtsextreme Partei wählen.“

Sebastian Krumbiegel ist der Sänger der Band „Die Prinzen“.

Sebastian Krumbiegel ist der Sänger der Band „Die Prinzen“.

© Jonas Walzberg

9.45 Uhr: AfD stellt Bedingungen für Zusammenarbeit mit CDU und BSW

Die AfD in Sachsen-Anhalt macht eine mögliche Zusammenarbeit mit anderen Parteien davon abhängig, dass ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Das erklärte der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Hans-Thomas Tillschneider, wie die AFP berichtet.

„Voraussetzung für eine Zusammenarbeit, egal mit welcher Partei und so natürlich auch mit dem BSW ist, dass Ulrich Siegmund im ersten Wahlgang als Ministerpräsident gewählt und unterstützt wird“, sagte Tillschneider. Damit bezog er sich sowohl auf das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) als auch auf andere potenzielle Partner.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Vize-Fraktionschef Hans-Thomas Tillschneider (Archivbild).

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Vize-Fraktionschef Hans-Thomas Tillschneider (Archivbild).

© Jan Woitas/dpa

Eine Kooperation mit der CDU schließt Tillschneider unter bestimmten Voraussetzungen nicht aus. „Eine CDU, die ihre Brandmauer gegen die AfD aufgibt und sich für eine Zusammenarbeit öffnet, könnte ein Partner sein“, so der AfD-Politiker. Mit dem Begriff „Brandmauer“ ist der bislang geltende Beschluss der CDU gemeint, keine Zusammenarbeit mit der AfD einzugehen.

Aktuell gehe die Entwicklung jedoch in die gegenteilige Richtung, sagte Tillschneider mit Verweis auf den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU). „Das Gegenteil passiert aber gerade: Wüst denkt laut über ein AfD-Verbotsverfahren nach. Nach der Brandmauer kommt für Wüst die Ultra-Brandmauer.“

8 Uhr: Lanz konfrontiert Sepp Müller

Der Moderator Markus Lanz hat den Vize-Fraktionsvorsitzenden der Union im Bundestag, Sepp Müllers am Dienstagabend konfrontiert. Lanz warf Müller vor, mit „Nebelkerzen“ vom eigenen Anteil an der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt abzulenken. Die Sendung hier zum Nachlesen:

7.15 Uhr: Söder erklärt Brandmauer für gescheitert

Der bayerische Ministerpräsident erklärt die Brandmauer als gescheitert. Auch andere Gäste der ARD-Talkshow „Maischberger“ reagieren auf den AfD-Wahlsieg. Der Unternehmer Carsten Maschmeyer fordert sogar einen Rücktritt des Bundeskanzlers. Die Sendung hier zum Nachlesen:

6.45 Uhr: Haseloff spricht von „politischem Suizid“

Der langjährige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), kritisiert ein Mitverschulden der Bundespolitik am Erfolg der AfD bei der Landtagswahl. Er war von 2011 bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2026 Ministerpräsident des Bundeslands.

„Im Grunde ist da ein Suizid politischer Art am Laufen“, sagte Haseloff im Gespräch mit der Zeit über die Bundesregierungen der letzten Jahre. Haseloff hatte sein Amt an Schulze übergeben.

6.15 Uhr: Trump reagiert auf AfD-Wahlsieg

US-Präsident Donald Trump äußert sich begeistert vom Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt und stellt die deutsche Migrationspolitik als Ursache dafür dar. Die Menschen hätten endlich genug gehabt von den „absolut schrecklichen Einwanderungsregeln und -vorschriften, die Deutschland so sehr geschadet haben“, schrieb Trump in der Nacht zum Mittwoch in seinem Netzwerk Truth Social.

Weiter schreibt Trump, sie seien auf dem Aufstieg und ließen sich das nicht mehr gefallen. Zudem setzt er die Abkürzung MGGA gefolgt von drei Ausrufezeichen in seinen Text. In Anspielung an die sogenannte Maga-Bewegung („Make America Great Again“) dürfte das für „Make Germany Great Again“ stehen.

Trump äußert sich zum AfD-Wahlsieg.

Trump äußert sich zum AfD-Wahlsieg.

© Screenshot Truth Social

Dienstag, 8. September

20.30 Uhr: Kurienkardinal Müller kritisiert deutsche Bischöfe wegen politischer Wahlaussagen

Der frühere Regensburger Bischof und heutige Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller (78) hat den deutschen Bischöfen vorgeworfen, sich unzulässig in den politischen Parteienwettbewerb einzumischen. Einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verlangte Müller von seinen Amtskollegen politische Zurückhaltung.

„Einige befremdliche Äußerungen deutscher Bischöfe anlässlich der Wahlen in Bund, Ländern und Kommunen bedürfen der Klarstellung aus theologischer Sicht“, schrieb Müller in einem Gastbeitrag auf dem Portal kath.net.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

© Oliver Weiken/dpa

Müller argumentiert, dass geistliche Vollmacht nicht dazu genutzt werden dürfe, in den demokratischen Wettstreit um Wählerstimmen einzugreifen. „Sie dürfen also keineswegs ihre geistliche Vollmacht in dem legitimen Kampf um die Mehrheit der Wählerstimmen in einem demokratischen Rechtsstaat, wie es die Bundesrepublik Deutschland gemäß ihrer Verfassung ohne Zweifel ist, zu Gunsten oder zu Ungunsten einer einzelnen politischen Partei in die Waagschale werfen“, so der Kardinal über die Bischöfe.

19.50 Uhr: AfD-Chefin Weidel kontert Verbotsdebatte von NRW-Ministerpräsident Wüst

AfD-Vorsitzende Alice Weidel hat den Vorstoß von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) für eine erneute Debatte über ein AfD-Verbot zurückgewiesen. Gegenüber dem Nachrichtenportal The Pioneer bezeichnete die 47-Jährige die Initiative als Beleg für „das ganze Ausmaß der Verzweiflung der CDU nach der historischen Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt“.

Dass Wüst die Verbotsdebatte direkt nach dem Wahlsieg der AfD anstoße, wertet Weidel als „verzweifelten Versuch, vom Versagen der Union abzulenken“. Der 51-jährige CDU-Politiker wisse selbst um die Lage seiner Partei.

AfD-Chefin Weidel weist Verbotsdebatte von NRW-Ministerpräsident Wüst zurück.

AfD-Chefin Weidel weist Verbotsdebatte von NRW-Ministerpräsident Wüst zurück.

© IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler

Weidel warf der CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz zudem vor, nicht mehr in der Lage zu sein, einen politischen Kurswechsel einzuleiten. Der angekündigten Debatte sehe sie daher „mit großer Gelassenheit“ entgegen.

19.15 Uhr: CDU-Vize aus Mecklenburg-Vorpommern fordert Rücktritt von Kanzler Merz

Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Tino Schomann, verlangt den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz. „Er muss runter vom Sessel, und da muss ein anderer rauf“, sagte Schomann auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

„Die Pressekonferenz gestern war einfach nur grottig und nicht aufrichtig“, so Schomann.  Merz sei nicht empathisch, und es glaube ihm niemand mehr. Zudem warf der CDU-Vize, der zugleich Landrat im Landkreis Nordwestmecklenburg ist, dem Kanzler handwerkliche Fehler vor, die eines Regierungschefs nicht würdig seien. „Er kriegt das Land nicht in den Griff“, so Schomann.

Tino Schomann (CDU), Landrat in Nordwestmecklenburg, fordert den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Tino Schomann (CDU), Landrat in Nordwestmecklenburg, fordert den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz.

© Jens Büttner/dpa

18.30 Uhr: Regierungschef Schulze: Keine Abweichler in CDU-Fraktion

Sachsen-Anhalts CDU-Landesvorsitzender Sven Schulze geht auch nach der Niederlage seiner Partei bei der Landtagswahl von der Geschlossenheit der CDU-Landtagsfraktion aus. Die CDU-Abgeordneten im Landtag von Sachsen-Anhalt stünden geschlossen zusammen, er erwarte keine Abweichler, sagte Schulze.

Das Land Sachsen-Anhalt sei jedoch gespalten, sagte Schulze mit Blick auf den deutlichen Sieg der AfD auf der einen und die Resultate der übrigen Parteien auf der anderen Seite. „Alle Parteien sind gefordert, dass wir wieder zusammenfinden“, sagte Schulze.

18 Uhr: Noch-Ministerpräsident Schulze rechnet mit neuer Landesregierung Anfang Oktober

Sven Schulze rechnet damit, dass in der ersten Sitzungswoche Anfang Oktober eine neue Landesregierung gewählt wird. „Ich bin ziemlich sicher, dass spätestens nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, die AfD und BSW die Wahrheit sagen werden, dass sie sich längst geeinigt haben“, sagte Schulze.

Die AfD hatte mit Abstand die meisten Stimmen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bekommen, die absolute Mehrheit jedoch verpasst.

17.30 Uhr: Schulze schlägt Verschiebung von MPK-Vorsitz Sachsen-Anhalts vor

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze hat vorgeschlagen, die für den 1. Oktober 2026 vorgesehene Übernahme des Vorsitzes der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) durch sein Bundesland zu verschieben. Das geht aus einem Schreiben Schulzes hervor, aus dem am Dienstag mehrere Medien zitierten.

Hintergrund ist das Ergebnis der Landtagswahl vom Sonntag, bei der die AfD in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft wurde. Dies löste Befürchtungen aus, dass deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Zuge einer Regierungsbildung den turnusmäßigen MPK-Vorsitz übernehmen könnte.

„Angesichts des Ausgangs der Landtagswahl am vergangenen Sonntag, der daraus folgenden Sitzverteilung im Landtag, der sich am 6. Oktober konstituiert, sowie der danach bestehenden Ungewissheit über den Fortgang der Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt erscheint eine Übernahme der Verantwortung für den Vorsitz zum 1. Oktober 2026 nicht mehr sachgerecht“, schrieb Schulze laut Medienberichten an den derzeit amtierenden MPK-Vorsitzenden, den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder.

Unter diesen Umständen sei „eine einwandfreie technische und inhaltliche Vorbereitung und Durchführung“ der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz durch Sachsen-Anhalt nicht gewährleistet, hieß es in dem Brief demnach weiter. Schulze bat laut den Berichten, Rheinland-Pfalz solle gemeinsam mit dem aktuellen Ko-Vorsitzland Niedersachsen einen Vorschlag zum weiteren Verfahren vorlegen.

Sven Schulze (l)(CDU) hier im Bild mit Ulrich Siegmund (r)(AfD).

Sven Schulze (l)(CDU) hier im Bild mit Ulrich Siegmund (r)(AfD).

© Hendrik Schmidt/dpa pool/dpa

17.15 Uhr: Schulze wird neuer CDU-Fraktionschef

Sven Schulze übernimmt auch den CDU-Fraktionsvorsitz im Magdeburger Landtag. Er trat überraschend zur Wahl an und setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen Amtsinhaber Guido Heuer mit acht zu sieben Stimmen durch.

16.15 Uhr: Sicherheitsbehörden alarmiert über mögliche AfD-Regierung

Die Aussicht auf eine mögliche AfD-geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt beunruhigt die deutschen Sicherheitsbehörden. Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer regte an, besonders sensible Erkenntnisse in einem solchen Fall nur noch eingeschränkt zwischen den Ländern zu übermitteln. „Für den Fall, dass konkrete Zweifel am Geheimschutz einer politischen Leitung entstehen, sollte der Verfassungsschutzverbund vorbereitet sein“, sagte Kramer den RND-Zeitungen. Denkbar seien abgestufte Informationsrechte oder die Weiterführung einzelner Quellen durch andere Behörden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte eine enge Abstimmung der Länder-Innenminister an, hält öffentliche Spekulationen bis zum Abschluss der Regierungsbildung aber für nicht sinnvoll. Ein AfD-Innenminister hätte als oberster Verfassungsschützer des Landes großen Handlungsspielraum – etwa beim Personal und den Prioritäten der Sicherheitsbehörden.

15.35 Uhr: Wagenknecht will AfD zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt verhelfen

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat sich dafür ausgesprochen, einen AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt zu wählen. „Es ist für uns unstrittig, dass der AfD als mit Abstand stärkster Fraktion das Amt des Parlamentspräsidenten zusteht“, sagte Wagenknecht dem Stern. Die konkrete Zustimmung hänge aber von der Kandidatur ab. Der parlamentarische Geschäftsführer der BSW-Landtagsfraktion, John Lucas Dittrich, erklärte in Magdeburg: „Die AfD wird unsere Stimmen für den Landtagspräsidenten erhalten.“

Parteigründerin Sahra Wagenknecht (BSW)

Parteigründerin Sahra Wagenknecht (BSW)

© Jan Woitas/dpa

Mit den Stimmen des BSW hätte die AfD die nötige absolute Mehrheit im 83-köpfigen Landtag. Es wäre bundesweit das erste Mal, dass die Partei den Präsidenten eines Landesparlaments stellt.

Der neue Landtag muss bis zum 6. Oktober zusammentreten. Als stärkster Fraktion steht der AfD im ersten Wahlgang das alleinige Vorschlagsrecht zu. In Thüringen war die AfD 2024 mit dem Versuch, das Amt zu besetzen, gescheitert.

13.45 Uhr: Merkel schockiert über AfD-Wahlsieg

Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat Altkanzlerin Angela Merkel tief getroffen. Das sei „einfach schockierend“, sagte die frühere CDU-Parteichefin bei der Digitalmesse Digital X der Deutschen Telekom in Köln.

„Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz“, sagte die Christdemokratin, die von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin war. „Das ist ein Einschnitt, ein wirklicher Einschnitt, den wir in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erleben.“

13.30 Uhr: Linke – Schuss auf Demo in Halle muss aufgeklärt werden

Zu dem Vorfall bei einer Demonstration am Montagabend in Halle (Saale) erklären die Landesvorsitzenden der Linken Sachsen-Anhalt, Janina Böttger und Hendrik Lange:

„Wir sind bestürzt, dass ein Teilnehmer der gestrigen Demonstration in Halle durch ein Druckluftgeschoss im Gesicht verletzt wurde. Wir wünschen dem Betroffenen eine schnelle und vollständige Genesung.

13 Uhr: „Darüber lache ich wirklich“ – Baumann zu Wüst-Vorstoß

Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Bernd Baumann, übt scharfe Kritik am Vorstoß von Wüst. „Darüber lache ich, aber wirklich“, sagte der AfD‑Politiker. Das zeige „nur die Verzweiflung dieser Anhänger innerhalb der CDU von links und linksgrün“. Der Vorstoß sei aus seiner Sicht eine „Offenbarung von Teilen der CDU als politisch ernstzunehmende Organisation“.

12.10 Uhr: AfD will alle Landtagsparteien zu Sondierungen einladen

Die AfD in Sachsen-Anhalt will alle im Landtag vertretenen Parteien zu Sondierungsgesprächen einladen. „Morgen bekommt jede im Landtag vertretene Partei von uns einen Brief, wo wir zu Sondierungsgesprächen einladen“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, Tobias Rausch, am Montagabend in der MDR-Sendung „Fakt ist“. Da die Partei keine absolute Mehrheit erreicht habe, sei man „in gewissen Sachen“ auch kompromissbereit.

BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig lehnte eine Koalition mit der AfD erneut ab. „Wir haben immer gesagt, wir gehen in keine Koalition. Wir möchten, dass mit wechselnden Mehrheiten regiert wird.“ Vor der Wahl hatten alle anderen Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen.

12 Uhr: FDP-Landeschefin Hüskens kündigt nach Wahlniederlage Rücktritt an

Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Landtag von Sachsen-Anhalt hat Landesvorsitzende Lydia Hüskens ihren Rücktritt angekündigt. „Für das Ergebnis trage ich die Verantwortung“, erklärte Hüskens am Dienstag in Magdeburg. Bis zum nächsten ordentlichen Landesparteitag Anfang März 2026 will sie die Geschäfte weiterführen.

Lydia Hüskens, FDP-Landeschefin

Lydia Hüskens, FDP-Landeschefin

© Sebastian Willnow/dpa

Die FDP holte bei der Landtagswahl am Sonntag nur 2,6 Prozent der Stimmen und verpasste nach fünf Jahren den Wiedereinzug ins Parlament. Hüskens steht seit 2021 an der Spitze der Landespartei und ist im Kabinett von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) Digital- und Infrastrukturministerin.

11.50 Uhr: Insa-Umfrage: CDU stürzt auf 19,5 Prozent

Die CDU ist laut einer aktuellen Insa-Umfrage bundesweit auf 19,5 Prozent abgerutscht – den niedrigsten Wert seit rund fünf Jahren –, während die AfD mit 29 Prozent klar vorne liegt. Die Befragung lief während und nach der Landtagswahl.

11.30 Uhr: Wüst fordert Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Umgang mit der AfD

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD gefordert. Die Prüfung müsse ergebnisoffen sein und dürfe nicht automatisch in ein Verbotsverfahren münden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Ich warne vor Schnellschüssen bei einem AfD-Verbot“, so Wüst. Ein Parteiverbot könne nur der letzte Weg sein.

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

© Henning Kaiser/dpa

In der Arbeitsgruppe sollten aus Sicht Wüsts der Verfassungsschutz sowie Verfassungsrechtler und weitere Experten von Bund und Ländern beteiligt sein. Es gehe um die Frage, wie der Staat mit einer Partei umgehe, die zumindest in einzelnen Bundesländern verfassungsfeindliche Ziele verfolge.

10.35 Uhr: Umfrage: AfD stärker einbinden? Das Land ist gespalten

Knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland (64 Prozent) blicken laut einer Umfrage von infratest-dimap für den ARD-„Deutschlandtrend“ besorgt auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. 24 Prozent zeigten sich erfreut. Die AfD war bei der Landtagswahl am Sonntag mit 43,8 Prozent stärkste Kraft geworden.

Beim Umgang mit der AfD ist das Meinungsbild geteilt: 51 Prozent sprachen sich dafür aus, die Partei künftig stärker einzubinden, 45 Prozent dagegen.

10.20: Ramelow äußert sich zur Brandmauer

Der frühere Ministerpräsident Thüringens, Bodo Ramelow (Linke), hat sich nach dem AfD-Wahlsieg ebenfalls zur Brandmauer geäußert. „Ich halte vom Begriff Brandmauer nichts. Das Gerede über Abwehrkoalitionen schadet der Demokratie.“ 

Als Ministerpräsident habe er auch mit dem AfD-Landrat Robert Sesselmann „handeln müssen, um das Krankenhaus in Sonneberg zu retten“. Das sei „keine Normalisierung der AfD, sondern sachbezogenes Handeln“.

10.15 Uhr: Hessens Ministerpräsident fordert Abkehr von Brandmauer-Begriff

Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt plädiert Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) für eine Abkehr vom „Brandmauer“-Begriff. Das Sprachbild sei „nicht christdemokratisch“, sagte Rhein am Montag dem Sender Welt TV.

Viele AfD-Wähler seien lediglich verunsichert und hätten Abstiegsängste, die mit einem zu hohen Reformtempo sogar noch verstärkt würden. Daher müsse man möglicherweise sogar „das Tempo rausnehmen“ und sich zunächst auf die wirklich wichtigsten Reformelemente beschränken.

10 Uhr: Müller verteidigt sich gegen Kritik von Merz

Trotz der Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz hat der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Sepp Müller (beide CDU), seine Äußerungen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zur klaren Abgrenzung nach rechts und links verteidigt. „Wir brauchen Glaubwürdigkeit zurück“, sagte Müller.

Für ihn sei klar: „Nicht mit den Rechten und nicht mit den Linken.“ Was er „seit Monaten und Jahren immer vertrete“, sei „der Grundgedanke der Christdemokratie“, fügte er hinzu.

9.45 Uhr: Wahl auch Thema bei „Hart aber Fair“

Die Wahl in Sachsen-Anhalt wurde am Montagabend auch bei Hart aber Fair thematisiert. Zu Gast waren unter anderem CDU-Staatsminister Philipp Amthor und der stellvertretende AfD-Fraktionschef Markus Frohnmaier, die heftig aneinander gerieten.

9 Uhr: Müller – Wird keine Überläufer zur AfD geben

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Sepp Müller, sieht keine Gefahr, dass CDU-Politiker der AfD in Sachsen-Anhalt zu einer Regierungsmehrheit verhelfen könnten. Dafür habe CDU-Landeschef Sven Schulze gesorgt.

Auf die Frage, ob es Überläufer aus seiner Partei geben könnte, sagte Müller im Interview von RTL/ntv: „Ich gehe fest davon aus, dass er (Schulze) die Hand dafür ins Feuer legen kann, dass diese Frage, die Sie stellen, mit Nein beantwortet wird“.

8.30 Uhr: Landtagswahl auch Thema bei „Markus Lanz“

Nach dem AfD-Wahlsieg soll bei Markus Lanz geklärt werden, wie es in Sachsen-Anhalt weitergeht. Antworten gibt es kaum, dafür einen heftigen Schlagabtausch mit Sahra Wagenknecht. Zu Gast waren zudem auch AfD-Chef Tino Chrupalla, die Journalistin Melanie Amann und dem Politologen Peter Neumann

8 Uhr: Wagenknecht spricht von „deutlichem Widerstand“ gegen AfD-Positionen

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht sagte im ZDF-„heute journal“: „Wir machen mit jedem gemeinsame Politik, der bereit ist, Veränderungen durchzusetzen, die sich die Menschen in unserem Land wünschen.“

Doch fügte sie hinzu: „Natürlich gibt es in dem AfD-Programm eine Reihe von Positionen, die wir nicht teilen. Und da wird es auch keine Unterstützung geben, sondern deutlichen Widerstand.“

6.45 Uhr: Erste Sitzungen für neue Fraktionen am Dinestag

Am Dienstag kommen einige der ins Parlament eingezogenen Abgeordneten zu ihren ersten Fraktionssitzungen zusammen. CDU, SPD und BSW werden dabei nach Parteiangaben ihre konstituierenden Sitzungen abhalten und einen Fraktionsvorstand wählen. Die CDU-Fraktion schrumpft nach dem Absturz bei der Landtagswahl von 40 auf 15 Abgeordnete. Die AfD-Fraktion wächst dagegen deutlich an. Das BSW schafft erstmals den Einzug in den Landtag

6.15 Uhr: SPD-Landrat fordert Ende der Brandmauer

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fordert ein Landrat von der SPD Gespräche der übrigen Parteien mit dem Wahlsieger AfD. „Die AfD ist demokratisch gewählt und deutlich stärkste Kraft“, sagte Markus Bauer, Landrat im Salzlandkreis. „Sie darf jetzt nicht ignoriert und ausgeschlossen werden.“

Das Votum der Wähler müsse geachtet werden. Alle Parteien hätten die Verantwortung, eine Regierung zu bilden. Die übrigen Parteien im Landtag hatten eine Koalition mit der AfD vor der Wahl ausgeschlossen.

Bauer ist Vizepräsident des Landkreistages Sachsen-Anhalt und seit 2014 Landrat im Salzlandkreis. Bei der Landtagswahl am Sonntag bekam die AfD dort 49,7 Prozent, die SPD nur 7,5.


Wir pausieren hier die Berichterstattung zu Sachsen-Anhalt. Um 6.00 Uhr geht es an dieser Stelle weiter.

Montag, 7. September

21 Uhr: Schulze sieht Rolle der CDU in der Opposition

Sven Schulze sieht die Rolle der CDU nach der Wahlniederlage künftig in der Opposition. „Wir haben keinerlei Regierungsauftrag bekommen“, sagte Schulze. Der erweiterte Landesvorstand habe sich in dieser Frage eindeutig positioniert.

20.32 Uhr: Sepp Müller will neuer CDU-Landeschef werden

Nach der Wahlschlappe der CDU in Sachsen-Anhalt hat der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller angekündigt, für das Amt des Parteichefs in dem Bundesland kandidieren zu wollen. „Ich kandidiere als Landesvorsitzender“, sagte der 37-Jährige nach einer Sitzung des CDU-Landesvorstands in Magdeburg.

Zuvor war bekannt geworden, dass Ministerpräsident Sven Schulze nicht erneut für das Amt kandidieren will. Eine Neuwahl des Landesparteivorstands soll im November stattfinden.

20.30 Uhr: Sven Schulze kandidiert nicht erneut als CDU-Chef

Die CDU Sachsen-Anhalt wird im November, spätestens Dezember, für Neuwahlen des Landesvorstands zusammenkommen. Ministerpräsident Sven Schulze wird dann nicht erneut für das Amt des Parteivorsitzenden kandidieren, hieß es seitens der Partei. Schulze bleibe aber bis zur Neuwahl im Amt.

19.45 Uhr: Wahl für große Mehrheit Denkzettel an Berlin

Eine sehr große Mehrheit der Sachsen-Anhalter sieht in der Bundespolitik eine der Ursachen für das Abschneiden der AfD. In einer Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen unter Wählern am Sonntag sagten 88 Prozent, die AfD hätte bei der Landtagswahl in ihrem Bundesland schlechter abgeschnitten, wenn die Bundesregierung besser regieren würde. Die Sichtweise ist unabhängig davon, welcher Partei die Befragten zuneigen.

Merz persönlich sehen 75 Prozent als eine Ursache für den Wahlausgang. Selbst ein relevanter Teil der CDU-Anhänger denkt, Merz habe geschadet (47 Prozent).

19 Uhr: Demonstration am Brandenburger Tor nach AfD-Erfolg

Am Brandenburger Tor in Berlin haben mehrere Tausend Menschen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gegen die AfD protestiert. Es seien kurz nach Veranstaltungsbeginn mehr als 2500 Demonstranten gewesen, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Beamten sprachen von einer „störungsfreien“ Demo.

Unter den Teilnehmern waren auch Klima- und Politikaktivistin Luisa Neubauer und die Spitzenkandidaten der Grünen und der Linken bei der Berlin-Wahl am 20. September.

18.30 Uhr: CDU-Landesvorstand berät über Konsequenzen

In Magdeburg ist der CDU-Landesvorstand zusammengekommen, um über Konsequenzen nach dem schlechten Abschneiden der Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu beraten.

Was genau in der Sitzung passieren wird, ist offen. Manche CDU-Politiker rechnen damit, dass Schulze seinen Rücktritt anbieten wird.

17.45 Uhr: Woidke rechnet mit längerer Instabilität

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke rechnet nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit einer instabilen Lage in dem Land. „Ich persönlich fürchte, dass es jetzt eine lange Phase der Instabilität insgesamt gibt in unserem Nachbarland“, sagte der SPD-Politiker. „Das hat natürlich auch eventuell negative Auswirkungen auf Brandenburg.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) beim Wahlkampfabschluss der SPD vor der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) beim Wahlkampfabschluss der SPD vor der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt.

© Matthias Bein/dpa

16.45 Uhr: Innenmnister fordern Schutz von Sicherheitsbehörden

Eine mögliche AfD-geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt löst nach dem Wahlausgang Sorgen in Deutschlands Innenbehörden aus. „Staatsgewalt und damit Kontrolle über Sicherheitsbehörden in den Händen einer verfassungsfeindlichen Partei mit engen Kontakten nach Russland ist ein gravierendes Sicherheitsrisiko“, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Man müsse die Sicherheitsbehörden „gegen extremistische Einflussnahme jeder Art“ schützen. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sprach in der Süddeutschen Zeitung von einer „realen Gefahr für die nationale Sicherheit“. Ein AfD-Innenminister habe Zugang zu hochgeheimen Informationen: „Informanten des Verfassungsschutzes droht die Enttarnung.“ Maier forderte die Union auf, das Einstimmigkeitsprinzip in der Innenministerkonferenz zu ändern.

Das Bundesinnenministerium äußerte sich zurückhaltend: „Wir haben noch keine geänderte Regierung in dem Bundesland“, sagte ein Sprecher. Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille ergänzte: „Wir reagieren, wenn es notwendig ist, aber das ist jetzt noch nicht der Zeitpunkt.“

16 Uhr: Israels Botschafter zeigt sich entsetzt über AfD-Wahlsieg

Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat sich entsetzt über den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt geäußert. „Die Wahl in Sachsen-Anhalt am Wochenende sollte jeden beunruhigen, dem die Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland am Herzen liegt“, sagte Prosor den Funke-Zeitungen. Nur 80 Jahre nach der Shoah habe eine Partei Rekordzuwächse erzielt, deren Führungskräfte das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hätten.

Deutschland brauche „eine Brandmauer gegen Antisemitismus“. Die Europäische Rabbinerkonferenz wertete das Ergebnis als „Weckruf“ – auch für die Medien. Generalsekretär Gady Gronich fragte, ob wer die AfD monatelang ins Zentrum der Berichterstattung stelle, nicht selbst zu ihrer Stärke beitrage. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD hatte die Wahl mit rund 44 Prozent gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt.

Ron Prosor, der israelische Botschafter in Deutschland.

Ron Prosor, der israelische Botschafter in Deutschland.

© Carsten Koall/dpa

15.45 Uhr: Frauenanteil im Landtag sinkt auf 21,7 Prozent

Der neue Landtag in Sachsen-Anhalt hat nach dem vorläufigen Wahlergebnis den niedrigsten Frauenanteil aller deutschen Parlamente. Von 83 Abgeordneten sind 18 Frauen und 65 Männer, das entspricht einem Anteil von 21,7 Prozent. Im bisherigen Landtag lag die Quote bei 27,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Den höchsten Frauenanteil im Bundesvergleich hat die Hamburger Bürgerschaft mit 48,8 Prozent. Paritätisch besetzt sind in Magdeburg künftig die Fraktionen von Grünen, Linken und SPD mit jeweils vier von acht Mandaten. Es folgen das BSW mit 40 Prozent, die CDU mit 13,3 Prozent und die AfD mit 5,1 Prozent (zwei von 39 Mandaten).

15.30 Uhr: SPD sieht nach AfD-Sieg Gesprächsbedarf in Bundesregierung

Die SPD-Spitze hat nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt Konsequenzen in der schwarz-roten Bundesregierung angemahnt. „Ein Weiter-so geht nicht“, sagte Parteichefin Bärbel Bas in Berlin. Sie machte auch die „schädliche Rhetorik“ von Kanzler Friedrich Merz (CDU) mitverantwortlich für die Verunsicherung der Menschen: „Wenn Menschen hören, dass sie mehr und länger arbeiten sollen, weniger krank sein sollen und es grundsätzlich härter wird, dann schafft das Verunsicherung.“ Den Reformkurs stellte Bas nicht grundsätzlich infrage: „Wir dürfen die Sozialreformen nicht gegen die Menschen machen.“ Auch SPD-Chef Lars Klingbeil betonte, man könne „nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen“, über Rente, Pflege und Arbeitsplätze müsse in der Koalition geredet werden.

Personelle Konsequenzen mit Blick auf Merz seien in den SPD-Gremien allerdings kein Thema gewesen. „Von unserer Seite gab es in den Gremien überhaupt keine Diskussion über personelle Konsequenzen“, sagte Klingbeil. Er betonte den gemeinsamen Regierungsauftrag: „Wir sind angetreten als SPD gemeinsam mit der Union, Verantwortung für Deutschland zu übernehmen." Die Wahl in Sachsen-Anhalt hinterlasse Spuren, der Blick der SPD richte sich nun aber zuerst auf die kommenden Wahlen.

Parteichefin Bärbel Bas (SPD) sieht auch eine Mitschuld von Bundeskanzler Merz an dem Wahlerfolg der AfD.

Parteichefin Bärbel Bas (SPD) sieht auch eine Mitschuld von Bundeskanzler Merz an dem Wahlerfolg der AfD.

© Michael Kappeler/dpa

15.20 Uhr: Merz räumt nach CDU-Absturz eigene Fehler ein

Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat nach der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt eigene Defizite eingeräumt. Viele Menschen könnten seinen Gedanken nicht folgen – „das ist meine Bringschuld und die nehme ich an", sagte Merz in Berlin. Aufgeben sei für ihn „keine Option“, er wisse „die CDU, die Ministerpräsidenten, das Präsidium und den Bundesvorstand hinter sich.

Zugleich machte Merz Störfeuer aus den eigenen Reihen mitverantwortlich. Ohne Namen zu nennen, kritisierte er Unions-Fraktionsvize Sepp Müller, der vor der Wahl von einem Regierungsauftrag für die AfD gesprochen hatte: Niemand habe verstanden, dass ein stellvertretender Fraktionsvorsitzender „dem eigenen Spitzenkandidaten so in den Rücken fällt“. Auch der Jungen Union in Sachsen-Anhalt warf er „systematische Demontage“ von Ministerpräsident Sven Schulze vor.

Am Reformkurs will Merz festhalten, kündigte aber Gespräche mit der SPD an – insbesondere zu Rente, Haushalt und Steuerreform. Über die Sorgen langjährig Versicherter müsse gesprochen werden: „Das ist vielleicht nicht hinreichend deutlich genug zum Ausdruck gekommen.“ Zur Frage nach einer zweiten Amtszeit 2029 sagte der 70-Jährige: „Ich mache mir im Augenblick über vieles Gedanken, aber nicht über die Bundestagswahl 2029.“

15.15 Uhr: AfD bei Urnenwahl mit rechnerischer Mehrheit

Die AfD hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei der Urnenwahl deutlich besser abgeschnitten als bei der Briefwahl. Ohne die Briefwähler hätte die Partei laut vorläufigem Ergebnis rechnerisch die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag geholt. In den Wahllokalen kam die AfD auf 51,2 Prozent, bei der Briefwahl nur auf 24,3 Prozent – gleichauf mit der CDU, die in den Wahllokalen lediglich 14,5 Prozent erreichte. Insgesamt liegt die AfD bei 43,8 Prozent und 39 Sitzen, für eine eigene Mehrheit sind 42 Sitze nötig. AfD-Politiker hatten vor der Wahl wiederholt ohne konkrete Belege Zweifel an der Sicherheit der Briefwahl geäußert und ihre Anhänger aufgerufen, vor Ort zu wählen. Wahlforschern zufolge fallen die Briefwahlergebnisse der Partei auch deshalb schlechter aus. Insgesamt stimmten 27,4 Prozent per Brief ab, 2021 waren es 29,1 Prozent.

15.05 Uhr: Siegmund: „Weidel muss Bundeskanzlerin werden“

Der AfD-Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat bundesweite Ambitionen zunächst zurückgestellt. „Ich stehe ganz klar hier hinter unserer Bundesspitze. Alice Weidel muss Bundeskanzlerin werden“, sagte Siegmund in Berlin auf eine Frage der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich schloss der 35-Jährige eine spätere Rolle in Berlin nicht aus: „Wer weiß was in 10, 20, 30 Jahren ist – alles ist möglich.“ Parteichef Tino Chrupalla sieht keine Konkurrenzsituation zur Parteispitze. Siegmund solle zunächst zeigen, was er in Sachsen-Anhalt „auf die Kette kriegt“. Im Wahlkampf hatte Siegmund bei Anhängern Popstar-Status erlangt, auch in Berlin bildeten sich am Rande der Pressekonferenz Menschentrauben um ihn.

Siegmund erneuerte seine Ankündigung, in Regierungsverantwortung die Verträge für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kündigen zu wollen. Etablierten Medien warf er im Wahlkampf „Desinformation“ vor, zugleich empfand er deren Berichterstattung nach eigenen Worten als Unterstützung: „Wir haben es auch dank Ihnen geschafft“, sagte er in der Bundespressekonferenz. Als Beispiel nannte er das Spiegel-Cover mit seinem Bild und dem Titel „Der gefährlichste Mann Deutschlands“.

14.50 Uhr: Evers: „In Berlin geht es um etwas anderes“

„Wir sollten den Wählerinnen und Wählern zuhören, was sie umtreibt“, äußert sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Berlins Spitzenkandidat Stefan Evers auf die Frage, was das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt für Kanzler Merz bedeutet. Wüst war in Medienberichten mehrfach als mögliche Alternative zu Merz genannt worden.

Wüst und Evers am Brandenburger Tor

Wüst und Evers am Brandenburger Tor

© Theresa Paape

„In zwei Wochen wählt Berlin, es geht um eine andere Frage als in Sachsen-Anhalt“, äußerte sich Evers. Doch auch in Berlin sei die AfD „viel zu stark“. Man müsse sich damit auseinander setzen – und „auf Augenhöhe, im Gespräch“ das Vertrauen zurückgewinnen.

13.45 Uhr: „Haben keinen Regierungsauftrag mehr“ – Schulze

Auch Ministerpräsident Sven Schulze sprach von einer „schweren Niederlage für die CDU“. Weiter sagte er: „Wir haben keinen Regierungsauftrag mehr“. Die „Entscheidungen und Geschicke, wie es in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren weitergeht“, lägen jetzt „im Landtag bei den Abgeordneten, die gewählt sind“. 

Zur Wahl des Ministerpräsidenten sagte er: „Das BSW wird dafür sorgen, dass die AfD den Ministerpräsidenten stellt“.

Schulze kündigte außerdem persönliche Konsequenzen an. „Ich bin dort als Spitzenkandidat angetreten und werde daraus natürlich auch entsprechende Konsequenzen ziehen“, sagte Schulze in Berlin. Am Abend tagt der Landesvorstand in Magdeburg, dem Schulze einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen unterbreiten will. Intern werden Rufe nach einem Rücktritt des gesamten Landesvorstands laut. Als mögliche Nachfolger gelten der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller und Landrat André Schröder.

13.30 Uhr: Merz äußert sich

Bundeskanzler Merz äußert sich bei einer Pressekonferenz am Montagmittag. „Wir sind alle zutiefst schockiert, wir haben es in dieser Form so nicht erwartet“, so Merz zu Beginn.

Es sei die „schwerste Wahlniederlage, die die CDU seit Jahrzehnten eingefahren hat“, so Merz weiter. Es gehöre zur Demokratie, dass sich Mehrheitsverhältnisse ändern.

13.10 Uhr: Kretschmer spricht von „geschichtlichem Unfall“

Der Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer (CDU), hat sich zum AfD-Wahlsieg geäußert. „Sachsen-Anhalt ist leider ein geschichtlicher Unfall“, sagte er am Sonntagabend auf einer Jubiläumsveranstaltung eines Dresdner Privattheaters. „Wir hätten dieses Land vielleicht aufteilen sollen“, fuhr Kretschmer fort und erntete einige Lacher im Publikum.

Er habe nur eine einzige Hoffnung, „dass wir nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern dass wir jetzt wirklich endlich anfangen zu schauen, was bewegt die Menschen“.

12.55 Uhr: Ex-Sprecherin von Selenskyj äußert sich

Julija Mendel, die frühere Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, hat sich auf der Plattform X zum Wahlsieg geäußert. „Der atemberaubende Sieg der Alternative für Deutschland in Sachsen-Anhalt zeigt, dass viele Menschen mit dem Status quo in der Regierungsführung des Landes nicht mehr zufrieden sind“, so Mendel.


Weiter sagte sie: „Als Ukrainerin bin ich es leid, den endlosen Wettbewerb europäischer Politiker mitzumachen, die cleverste Metapher zu finden, um Putin anzugreifen“. Der Krieg in Europa und der Ukraine werde als „normal abgetan.

12.40 Uhr: Mehrheit für Regierungsbeteiligung der AfD

Einer aktuellen Befragung des MDR zufolge ist eine Mehrheit dafür, dass die AfD nach ihrem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt auch das Land regiert.

Das zeigen die Zwischenergebnisse einer Eil-Befragung von MDRfragt mit schon rund 16.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Befragung läuft bis 19 Uhr. 6 von 10 Befragten finden, die stärkste Kraft in dem Bundesland sollte auch wirklich regieren.

12.15 Uhr: „Die AfD hat den Auftrag bekommen“ – Söder

Nach dem Sieg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt sieht CSU-Chef Markus Söder den Regierungsauftrag zunächst nicht bei der CDU. „Die AfD hat den Auftrag bekommen“, daher müsse nun erst einmal abgewartet werden, „was sie daraus machen“, sagte der bayerische Ministerpräsident auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg. Es gehe jetzt nicht darum, auf „Biegen und Brechen eine halbe Stimme Mehrheit zu organisieren“. Die AfD solle vielmehr mal zeigen, was sie ohne jegliche politische Konzepte hinbekomme.

„Demokratie muss man ernst nehmen, auch wenn einem das Ergebnis nicht gefällt“, betonte Söder. Daher müsse das Votum nun zunächst anerkannt werden. Als Reaktion auf die Wahl müsse die AfD jetzt endlich inhaltlich gestellt werden, formale Debatten über die Brandmauer würden nicht helfen, auch falsch seien Rufe nach einer Kooperation von Union und AfD.

12 Uhr: AfD-Chef Chrupalla fordert Sonderwirtschaftszone für Ostdeutschland

AfD-Chef Tino Chrupalla eine Sonderwirtschaftszone für Ostdeutschland gefordert. Sobald die AfD in weiteren ostdeutschen Bundesländern die Regierung stelle, werde man diese Forderung erheben, sagte Chrupalla demnach. Ostdeutschland solle nicht länger „Anhängsel“ sein und nicht mehr auf „Geld vom Bund“ angewiesen sein, sondern „wirtschaftlich selbst agieren“, zitiert ihn die Bild-Zeitung.

Zur Begründung verwies Chrupalla auf die schwache Industriestruktur im Osten. Größter Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt sei die Deutsche Bahn, große Industriebetriebe fehlten. In Sachsen stehe zudem eine mögliche Schließung des VW-Werks in Zwickau im Raum – dafür sei die Energiepolitik der Bundesregierung verantwortlich, so Chrupalla.

11.30 Uhr: Nach AfD-Wahlsieg - SPD will über Reformen reden

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf Gesprächsbedarf in der schwarz-roten Koalition im Bund über den Kurs in der Reformpolitik. Viele Menschen seien durch die Reformen verunsichert worden, sagte Klüssendorf am Montag im Sender Phoenix. Die Koalition habe nicht deutlich machen können, warum solche Veränderungen nötig seien. Es gebe deshalb Dinge, über die im Herbst geredet werden müsse, etwa über die Rente, die Pflege, die Gesundheit aber auch über die Spritpreise.

11 Uhr: Union wird nie mehr eine Bundestagswahl gewinnen – AfD

Bei der kommenden Bundestagswahl werde die AfD mit Abstand als stärkste Kraft hervorgehen, mit einem ganz klaren Regierungsauftrag, sagte AfD-Co-Chefin Alice Weidel bei einer Pressekonferenz in Berlin.

„Die CDU/CSU wird nie mehr wieder eine Bundestagswahl gewinnen können. Das ist Fakt.“ Der Abstand zur AfD betrage schon jetzt 10 Prozentpunkte. „Und mein erklärtes Ziel ist, den Abstand deutlich in kürzester Zeit auszubauen und auf mindestens 40 Prozent anzuwachsen für die nächste Bundestagswahl.»

10.30 Uhr: Proteste nach AfD-Wahlsieg angekündigt


Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat die Kampagnenorganisation Campact eine Protestwelle angekündigt. Bereits am Montag solle in Berlin, Halle, Rostock und weiteren Städten demonstriert werden, teilte der Verein mit. Am Wochenende würden Demonstrationen im ganzen Land unterstützt, hieß es.

10 Uhr: Regierung hat „verdammte Pflicht“ Probleme zu lösen

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), sieht im AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen Handlungsauftrag für die Bundesregierung. Wer jetzt allein mit dem Finger auf den Osten zeige, habe nicht verstanden, was die tiefer liegenden Ursachen seien, erklärte Kaiser am Montag in Berlin.

„In Ostdeutschland erleben wir bereits seit längerem wie unter einem Brennglas, wie politisches Vertrauen und der Glaube an die Handlungsfähigkeit des Staates rasant verloren gegangen sind“, ergänzte sie. „Wir haben jetzt in der Bundesregierung die verdammte Pflicht zu zeigen, dass wir die Probleme, die die Menschen umtreiben, lösen“.

9.40 Uhr: „Widersetzen“ kündigt Blockade von Landtag an

Das Bündnis „Widersetzen“ hat eine Blockade zur konstituierenden Sitzung des Landtags in Sachsen-Anhalt angekündigt. Diese ist am sechsten Oktober geplant, an diesem Tag sollen „Tausende zum Tag der Misterpräsidentenwahl“ nach Magdeburg kommen. Die Aktivisten planen, „von allen Seiten das Landtagsgebäude zu umstellen“.

Widersetzen versuchte Anfang Juli bereits, den AfD-Parteitag in Erfurt zu blockieren. Tausende Menschen blockierten Straßen zum Messegelände. Der Parteitag konnte trotzdem stattfinden.

9.20 Uhr: BSW würde AfD ins Ministerpräsidentenamt verhelfen

Das BSW in Sachsen-Anhalt hat seine Bereitschaft bekräftigt, einem AfD-Ministerpräsidenten im Landtag ins Amt zu verhelfen. Sollte sich der erfolgreiche AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur Wahl stellen, dann werde das BSW dabei bleiben, sich in einem dritten Wahlgang im Landtag zu enthalten, sagte BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze im Deutschlandfunk.

8.20 Uhr: Kreml-Gesandter Dmitrijew verspottet Merz nach AfD-Sieg


Der russische Präsidialgesandte Kirill Dmitrijew hat den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt für einen scharfen Angriff auf Bundeskanzler Friedrich Merz genutzt. Das Ergebnis demütige „die Arroganz, Engstirnigkeit, Kriegstreiberei, Unfähigkeit und Heuchelei der diskreditierten deutschen Regierungskoalition“, schrieb Dmitrijew auf X. „Die Deutschen haben gesprochen, und Deutschland ist erwacht“, erklärte der Chef des russischen Staatsfonds RDIF weiter. Merz sei gerade „zu einem Starmer“ geworden.

8.15 Uhr: Österreichs Kickl sieht im AfD-Sieg das Ende der Brandmauer

Österreichs FPÖ-Chef Herbert Kickl bezeichnete den AfD-Erfolg als „demokratisches Machtwort“ und „Anfang vom Ende der Brandmauer“. Er gratulierte in einer Mitteilung der Partei Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und wertete das Ergebnis als Signal für einen „patriotischen Systemwechsel“ in Deutschland und Österreich. Die Entwicklung werde letztlich Alice Weidel ins Kanzleramt führen, zeigte sich Kickl überzeugt.

8.05 Uhr: „Comeback des BSW hat begonnen“ – Wagenknecht

Nach dem erfolgreichen Einzug des BSW in den Lantag von Sachsen-Anhalt sieht Parteigründerin Sahra Wagenknecht ein „Comeback“ ihrer Partei. Auf der Plattform X schrieb sie am Montagmorgen: „Das Comeback des BSW hat begonnen“.

Zu einer möglichen Regierungsbildung schrieb sie: „Der Wahlverlierer von der CDU muss abgelöst werden! Die Brandmauer-Politik ist gescheitert. Allein der Versuch, noch einmal eine Brandmauer-Koalition zu schmieden, wäre ein Affront gegenüber den Wählerinnen und Wählern.“

7.45 Uhr: Siegmund hofft auf Zusammenarbeit mit Musk

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund dankte dem Multimilliardär Musk für seine Unterstützung und seine „klare und äußerst wichtige Sichtweise auf die politischen Entwicklungen unserer Zeit - auch hier in Deutschland“.

Zugleich bekundete er Interesse an einer Kooperation mit Musk. „Wenn wir hier Verantwortung übernehmen, würde ich die Gelegenheit zu einer intensiven und konstruktiven Zusammenarbeit sehr begrüßen“, schrieb Siegmund. „Deutschland wäre dann wieder ein Ort, in den es sich lohnt zu investieren.“

7.15 Uhr: Tusk: Nur „Idioten oder Verräter“ freuen sich über AfD-Sieg

Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat scharf auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt reagiert. „In Polen können sich nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD in Deutschland freuen“, schrieb Tusk auf X.

Zugleich griff der Regierungschef seine innenpolitischen Gegner an. Von solchen Menschen hätten sich „einige bei der Konfederacja und der PiS angesammelt“, erklärte Tusk mit Blick auf die nationalkonservative Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit sowie das weiter rechts stehende Parteienbündnis Konfederacja.

7.10 Uhr: Elon Musk reagiert auf Wahlergebnis

Tesla-Chef Elon Musk hat auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt reagiert. Auf der Plattform X reagierte er auf einen Beitrag von AfD-Chefin Alice Weidel und schrieb auf Deutsch: „Gut Gemacht“.

6.55 Uhr: Spitzengremien der Bundesparteien beraten heute

Die Spitzengremien der Parteien im Bund beraten am Montag in Berlin über den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dabei dürfte es vor allem um mögliche Konsequenzen aus dem klaren Wahlsieg der AfD in dem Bundesland gehen. Den Auftakt machen die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Es folgt Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner. Danach tritt CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze vor die Presse.

SPD-Chef Lars Klingbeil hält darauf eine Pressekonferenz gemeinsam mit Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann. Zeitgleich tun dies auch Grünen-Parteichef Felix Banaszak und die Spitzenkandidatin der Landes-Grünen, Suse Sziborra-Seidlitz. Schon am Vormittag (11.00 Uhr) äußert sich auch FDP-Chef Wolfgang Kubicki,

6.30 Uhr: So würden sich die Sitze im Landtag verteilen

Von den insgesamt 83 Sitzen im Landtag von Sachsen-Anhalt gehen 39 an die AfD und 15 an die CDU. Die SPD, die Grünen und die Linke erhalten demnach jeweils acht Mandate.

An das BSW gehen fünf Sitze. Die absolute Mehrheit von 42 Mandaten verpasste die AfD damit. Die anderen Parteien erreichten zusammen 44 Sitze. Fast alle der 41 Direktmandate gingen an die AfD, lediglich einen Wahlkreis in Magdeburg und zwei weitere in Halle gewann die Linke.

6 Uhr: Vorläufiges Ergebnis steht fest

Das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht fest. Wie die Landeswahlleiterin mitteilte, kommt die AfD auf 43,8 Prozent der Stimmen. Somit verpasst die Partei die absolute Mehrheit. Die CDU halbiert sich und landet mit 17,7 Prozent der Stimmen auf Platz zwei. Auf Platz drei folgt die SPD mit 9,3 Prozent. 

Die Grünen können sich deutlich verbessern und kommen auf 8,9 Prozent. Die Linke landet mit 8,6 Prozent auf auf Platz fünf. Das BSW schafft mit 5,3 Prozent den Einzug in den Landtag. Die FDP hingegen fliegt mit 2,6 Prozent der Stimmen aus dem Parlament. 4,3 Prozent der Stimmen entfallen auf sonstige Parteien.

Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent ein Allzeithoch. Der bisherige Rekord waren 71,7 Prozent im Jahr 1998 gewesen.


Sonntag, 6. September

Wir pausieren hier die Berichterstattung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Um 6.00 Uhr geht es an dieser Stelle weiter.

23.40 Uhr: Willingmann nennt AfD-Ergebnis „zutiefst erschütternd“ und bringt Verfassungsgericht ins Spiel

Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann zeigt sich trotz des eigenen Wahlergebnisses alarmiert über den Erfolg der AfD. Rund 44 Prozent für die Partei seien „zutiefst erschütternd“. Das Ergebnis müsse demokratisch akzeptiert werden. Zugleich bezweifelt Willingmann, dass viele Wähler wüssten, „was sie da bei der AfD eigentlich eingekauft haben“.

Das Regierungsprogramm der AfD nennt er „nichts anderes als eine in Buchdeckeln gebundene Stammtischrede“. Viele Forderungen seien nicht finanzierbar. Willingmann kritisiert außerdem die Vorstellung, Sachsen-Anhalt habe ein massives Migrationsproblem. Das Land sei wegen des Fachkräftemangels und gerade im Gesundheitswesen auf Zuwanderung angewiesen.

23.20 Uhr: Schulze kündigt „Verfahrensvorschlag“ für CDU-Landesvorstand an

Nach der Wahlniederlage der CDU will Ministerpräsident Sven Schulze am Montagabend im Landesvorstand einen „Verfahrensvorschlag“ machen. Zuvor tagten Präsidium und Bundesvorstand der Partei.

Auf die Frage, ob es dabei um die Regierungsbildung oder um seine eigene Zukunft gehe, antwortet Schulze: „Nein.“ Es gehe um die Landespartei. Nach Angaben aus der Partei soll es dabei darum gehen, wie die Landespartei weiter vorgeht und wann ein neuer Landesvorstand gewählt wird.

23.15 Uhr: Hochrechnung – CDU fällt weiter

Der aktuellen ARD-Hochrechnung zufolge bleibt die AfD bei 44 Prozent. Die CDU fällt weiter auf 17,4 Prozent der Stimmen. Auf Platz drei folgt die SPD mit 9,2 Prozent. 

Die Grünen folgen dicht dahinter mit 8,9 Prozent, die Linke mit 8,6 Prozent. Das BSW schafft offenbar den Einzug in den Landtag mit 5,1 Prozent. Die FDP hingegen scheitert mit 2,5 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. 4,3 Prozent der Stimmen entfällt auf sonstige Parteien.

22.30 Uhr: Merz hat CDU-Zentrale verlassen

Bundeskanzler Friedrich Merz hat das Konrad-Adenauer-Haus in Berlin verlassen. Der Bundeskanzler gab am Wahlabend kein Statement zu den Ergebnissen in Sachsen-Anhalt ab.

22.28 Uhr: BSW-Party in Halle

In Halle an der Saale herrscht auf der kleinen BSW-Wahlparty großer Jubel, als nach langem Zittern der Einzug in den sachsen-anhaltischen Landtag mit vier Sitzen endlich feststeht. Inmitten der Feierlichkeiten zeigt man Verständnis für die vielen AfD-Wähler und spart nicht mit Kritik an der Linkspartei: Diese habe sich in einem realitätsfernen Kosmos woke-urbaner Akademiker in Berliner Altbauwohnungen verloren und spreche hunderte Kilometer von Berlin-Mitte entfernt keine breiten Schichten in der Fläche mehr an.

Im Zentrum der Diskussionen steht dabei die große Frage, ob das BSW in einer Zusammenarbeit mit der AfD als humanistisch-linkes Gegengewicht fungieren und menschenfeindliche Extreme ausbremsen kann. Während an diesem Abend der Erfolg gefeiert wird, wächst die spürbare Last einer ungeheuren Verantwortung für die Zukunft mit jeder Minute.

22.20 Uhr: Hochrechnung – CDU fällt weiter auf 17,5 Prozent

Der aktuellen Hochrechnung der ARD von 22.13 Uhr zufolge bleibt die AfD weiterhin bei 44 Prozent der Stimmen. Die CDU fällt weiter auf 17,5 Prozent. Die SPD kommt mit 9,2 Prozent auf Platz drei. Dicht dahinter folgen die Grünen mit 8,9 Prozent und die Linken mit 8,6 Prozent. 

Das BSW schafft mit 5,1 Prozent offenbar den Einzug in den Landtag. Der FDP hingegen gelingt der Einzug in das Parlament nicht. 4,2 Prozent der Stimmen entfallen auf sonstige Parteien.

22.15 Uhr: Donald Trump teilt Hochrechnung

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat eine Hochrechnung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geteilt. Auf der Plattform Truth Social teilte er eine Hochrechnung von infratest dimap von 19.57 Uhr.

Donald Trump teilt die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt.

Donald Trump teilt die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt.

© Screenshot Truth Social

22 Uhr: ARD – Die meisten Nichtwähler wanderten zur AfD

Der ARD zufolge wanderten mit Abstand die meisten Nichtwähler zur AfD. 170.000 - und somit fast zehn Prozent der insgesamt Wahlberechtigten wanderten der Schätzung zufolge zu der Partei.

Zum Vergleich: Nur 32.000 Nichtwähler wandten sich der CDU zu, jeweils 16.000 der SPD und Linken. Zum BSW, das den Hochrechnungen zufolge den Einzug in den Landtag schaffen wird, wanderten 10.000 Wähler.

21.15 Uhr: Aktuelle Hochrechnung – BSW schafft Einzug

Der aktuellen Hochrechnung zufolge liegt die AfD bei 44 Prozent.
 Auf die AfD folgt die CDU derzeit mit 18,0 Prozent. Die SPD kommt auf auf 9,1 Prozent, während die Grünen 8,7 Prozent erreichen. Die Linke liegt mit 8,8 Prozent dazwischen.

Das BSW liegt demnach bei 5,1 Prozent und würde so den Einzug in den Landtag schaffen. Besonders deutlich fällt das Ergebnis für die FDP aus: Die bisherige Regierungspartei kommt lediglich auf 2,4 Prozent.

21 Uhr: „Wir holen uns unser Land zurück“ – Siegmund

Um 20.30 Uhr kommt plötzlich wieder Bewegung in den Saal. Pressesprecher Patrick Harr betritt die Wahlparty, begleitet von mehreren Sicherheitsbeamten. Ulrich Siegmund, der Wahlsieger des Abends, ist zunächst noch nicht zu sehen. Wenig später kommt der AfD-Spitzenkandidat unter großem Jubel dann doch in den Saal.

„Wir holen uns unser Land zurück“, ruft Siegmund. Sachsen-Anhalt habe wieder „zu sich selbst gefunden“, sagt er. Nach dem Wahlergebnis sei es „selbstverständlich“, dass die AfD einen „Regierungsauftrag“ habe. Man werde nun „die Hand“ nach einem Koalitionspartner „ausstrecken“.

Gleichzeitig warnt Siegmund seine Partei vor Überheblichkeit. Das Ergebnis sei ein Vertrauensvorschuss der Wähler, auf dem man sich „nicht ausruhen“ werde. Die AfD werde ihren bisherigen Weg fortsetzen. Und dieser Weg, sagt Siegmund zum Abschluss, „beginnt am 6. September in Sachsen-Anhalt“.

Ulrich Siegmund feiert den Wahlsieg der AfD.

Ulrich Siegmund feiert den Wahlsieg der AfD.

© Ronny Hartmann/AFP

20.40 Uhr: BSW sieht Rückenwind für neuen Weg bei Ministerpräsidenten

BSW-Chefin Amira Mohamed Ali wertet das Eintreten ihrer Partei für einen überparteilichen Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt als erfolgreich bei den Wählern. „Ich glaube, das hat uns sehr genützt“. Das Ergebnis gebe Rückenwind für die weiteren anstehenden Wahlen.

Sie warb erneut für so einen „dritten Weg“. In dem Bundesland stünden sich die zwei Lager einer „Brandmauer-Koalition“ und der AfD gegenüber. „Klar ist doch, dass die andere Seite des Parlaments und auch der andere Teil der Bevölkerung diese Regierung vollkommen ablehnen wird.“ Es brauche einen anderen Weg.

20.30 Uhr: Innerparteilicher Druck auf Sven Schulze wächst

Nach der historischen Niederlage der CDU verschärft sich der innerparteiliche Streit um den künftigen Kurs und die Führung der Landespartei. CDU-Bundestagsfraktionsvize Sepp Müller nennt das Ergebnis einen „schwarzen Tag für uns als CDU Sachsen-Anhalt“. Floskeln über Gremien und Auswertungen reichten nicht mehr. „Es kann kein Weiter so geben.“

Müller stellt zugleich Schulzes Anspruch auf eine weitere Regierungsführung infrage. Der Regierungsbildungsauftrag liege nun bei der AfD, sagt er. Auf die Frage, ob Schulze damit auf die Oppositionsbank gehöre, legt sich Müller zwar noch nicht fest.

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) ist nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) ist nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

© Kay Nietfeld

Aus der JU ist zugleich Unterstützung für Sepp Müller zu hören. Schon vor der Wahl hatte sich JU-Landeschef Nico Elsner Müllers Linie angeschlossen, wonach die CDU bei einem AfD-Wahlsieg keinen Regierungsauftrag habe und in die Opposition gehen müsse.

Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende André Schröder kündigt zunächst eine Analyse des Ergebnisses an. Müller geht bereits weiter: Für ihn steht fest, dass die bisherige Linie der Landes-CDU nicht fortgesetzt werden kann.

20.10 Uhr: „Kein schwarzer Tag“ - Ministerpräsident Schulze

Ministerpräsident Sven Schulze sagte im Gespräch mit der ARD, es sei „kein schwarzer Tag“ für Sachsen-Anhalt. „Das ist Demokratie, da gewinnt man, da verliert man“, so Schulze weiter. Das Ergebnis der CDU sei eine „harte Niederlage“.

20.05 Uhr: Hüskens kündigt Rücktritt von FDP-Landesvorsitz an

Nach dem verpassten Wiedereinzug der FDP in den Magdeburger Landtag hat Sachsen-Anhalts FDP-Landesvorsitzende Lydia Hüskens ihren Rücktritt angekündigt. „Wir müssen jetzt morgen einfach schlicht darüber reden, wie wir es machen, ob wir es mit sofortiger Wirkung machen oder den Landesparteitag im April nehmen dafür, um da den Wechsel zu machen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

20 Uhr: Neue Hochrechnung - AfD weiter bei 44,4 Prozent

Der neuesten Hochrechnung von 20 Uhr zufolge kommt die AfD auf 44,4 Prozent der Stimmen. Die CDU liegt mit 18,2 Prozent deutlich dahinter auf Platz zwei. Auf Platz drei landet die Linke mit 9,1 Prozent. Darauf folgt die SPD mit 8,7 Prozent. Die Grünen würden mit 8,5 Prozent den Einzug in den Landtag schaffen. Das BSW muss mit fünf Prozent um den Einzug in den Landtag bangen. Die FDP fliegt mit 2,3 Prozent aus dem Landtag.

19.50 Uhr: Demo am Domplatz geht zu Ende

Auf dem Domplatz in Magdeburg laufen zu diesem Zeitpunkt bereits die letzten Minuten der Kundgebung. Die Zahl der Zuschauer nimmt merklich ab, auch der Applaus für die Bühnenauftritte wird spürbar verhaltener. Redebeiträge gegen rechts und die AfD sowie für queere Gruppen und mehr Vielfalt prägen den Nachmittag. Von Sympathisanten des rechten Spektrums ist bis auf eine einzelne Deutschlandfahne nichts zu sehen, auch die Medien bauen ab und verlassen nach und nach den Platz.

Laut Veranstalterin Francine Zäpernick (DGB) waren es im Tagesverlauf rund 600 Menschen, aktuell noch etwa 200 bis 300. Der Verlauf sei ansonsten reibungslos gewesen. Die Kundgebung soll bis etwa 21.30 Uhr dauern, mit noch drei Redebeiträgen vor dem musikalischen Ausklang.

Die Polizei meldet gegen halb acht Uhr abends Entwarnung. Während es in Halle deutlich turbulenter zugehe, bleibe die Lage in Magdeburg ruhig.

Auf dem Magdeburger Domplatz versammelten sich am Sonntag hunderte Menschen.

Auf dem Magdeburger Domplatz versammelten sich am Sonntag hunderte Menschen.

© Katharina Schwanz/Ostdeutsche Allgemeine

Drei Gegendemonstranten liefen zwischenzeitlich in Richtung Domplatz, wurden jedoch sofort von der Polizei gestoppt. Mehrere Beamte eilen herbei und schirmen die drei sofort ab. Kurz darauf stürmt eine Frau auf einen Kameramann zu und versucht, ihm die Kamera aus der Hand zu schlagen.

19.35 Uhr: Pantisano bezeichnet Chrupalla als „größte Flachzange“

In der ARD-Wahlsendung geraten Tino Chrupalla (AfD), Tim Klüssendorf (SPD) und Luigi Pantisano (Linke) aneinander. Chrupalla sprach von „Milliarden, die im Ausland verpulvert werden“.

Klüssendorf nannte Chrupalla den „verlängerten Arm Putins“. Pantisano kritisierte Chrupalla wegen dessen hohen Gehalt und sagte erbost: „Herr Chrupalla, Sie sind die größte Flachzange, die in Berlin rumläuft“. Alice Weidel hatte Mitglieder der Bundesregierung im Sommerinterview bereits als „Flachzangen“ bezeichnet. Chrupalla entgegnete: „Im Gegensatz zu Ihnen weiß ich wenigstens, was eine Flachzange ist“.

19.30 Uhr: „Wir haben jedenfalls nicht verloren“ - BSW

Halle an der Saale, kleine Wahlparty des BSW im Paulusviertel unterhalb des Wasserturms. Bei Bier und Currywurst verbreiten ein Dutzend BSWler  gute Stimmung. Sogar zwei japanische Journalisten haben sich eingefunden. „Alles unter vier Prozent wäre sch*** gewesen“, klingt es über den Tisch, „wir haben jedenfalls nicht verloren.“

Im Konflikt mit den Thüringer Abtrünnigen stehen die Hallenser an der Seite von Sarah Wagenknecht. Der Austritt in Erfurt zwei Tage vor der Wahl wird als übles Manöver interpretiert: „Das hätten sie auch am Montag machen können.“ Die Aktion habe der Partei ein Prozent gekostet, mindestens.

Das gute Abschneiden der AfD kommentiert man pragmatisch: Bei der hohen Wahlbeteiligung sei nun wenigstens klar, was die Mehrheit wolle. Addiere man zum Ergebnis der AfD und der CDU die Unionsanhänger, die nur aus taktischen Gründen SPD oder Grüne gewählten hätten, dann komme das Lager rechts der Mitte auf über zwei Drittel. Das könne nicht ohne Konsequenzen bleiben.

19.20 Uhr: Junge Union fordert Schulze-Rücktritt

Nach dem schwachen Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl verschärft sich der interne Druck massiv: Laut einem Bericht des Stern fordert die Junge Union Sachsen-Anhalt nun geschlossen den Rücktritt des Landesvorsitzenden Sven Schulze.

Nach der Niederlage der CDU bei der Landtagswahl fordert die Junge Union Sachsen-Anhalt personelle Konsequenzen. Der Landesvorstand der Nachwuchsorganisation verlangt in einem Beschluss einen „Rücktritt und eine zeitnahe Neuwahl der gesamten Landesführung – vom Landesvorsitzenden bis zum gesamten Landesvorstand“. Die Verantwortung für das Wahlergebnis liege bei der „gesamten Parteiführung“.

Die JU bezeichnet die CDU als „Verliererin dieser Wahl“ und warnt davor, das Ergebnis zu „beschönigen oder relativieren“. Der Regierungsbildungsauftrag liege „zweifellos bei der AfD“. Zugleich wendet sich die Junge Union dagegen, dass sich die CDU künftig ausschließlich von linken oder ausschließlich von rechten Parteien abhängig mache. Für einen Neustart brauche es neben personellen Konsequenzen auch eine inhaltliche Neuaufstellung.

19.15 Uhr: FDP fliegt aus dem Landtag – Partei spricht von „Enttäuschung“

Die FDP verpasst nach den ersten Hochrechnungen den Wiedereinzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl 2021 hatte sie noch 6,4 Prozent erreicht.

Die Partei bezeichnet das Ergebnis als „eine Enttäuschung und nicht zufriedenstellend“. Wirtschaft und Wohlstand seien aus Sicht der FDP die entscheidenden Fragen für Sachsen-Anhalt. Dass sie mit ihrem Programm gerade in diesen Bereichen nicht habe durchdringen können, enttäusche die Partei.

Spitzenkandidatin Lydia Hüskens dankt Wählern, Wahlkämpfern und Kandidaten. Die FDP habe in den vergangenen Wochen gezeigt, „dass wir lebendig und frohen Mutes sind“. Das stimme hoffnungsvoll für einen Wiederaufstieg in den kommenden Jahren.

Die FDP ist mit Spitzenkandidatin Lydia Hüskens (l.) an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert

Die FDP ist mit Spitzenkandidatin Lydia Hüskens (l.) an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert

© Hendrik Schmidt/dpa

19.14 Uhr: Siegmund lehnt AfD-geführte Minderheitsregierung ab

Der sachsen-anhaltinische AfD-Spitzenkandidat und Wahlsieger Ulrich Siegmund unterstrich im ZDF seine Ambitionen und erteilte einer möglichen Minderheitsregierung eine klare Absage. 

Nach dem Wahlsieg werde es „keine Konstellationen geben mit Minderheitsregierung oder sowas“, sagte Siegmund. Prinzipiell wäre die AfD zwar offen für eine Koalition mit einer Partei, die einen neuen Kurs in der Migrations- und Energiepolitik umsetzen wolle, einen derartigen Partner sehe er aber derzeit nicht. „Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen“, betonte Siegmund.

18.58 Uhr: Weidel und Wittig - Harmonie unter Profis

Zwischen der AfD-Spitze und dem BSW deutet sich eine politische Annäherung an. Während Alice Weidel die Rolle des BSW als potenziellen „Königsmacher“ mit Spannung beobachtet und die kommenden Tage abwarten will, zeigt sich die sachsen-anhaltinische BSW-Chefin Claudia Wittig offen für eine punktuelle Zusammenarbeit, etwa bei der „Energiepreisproblematik , das kann man mit der AfD zusammen machen“, sagte Wittig. Zugleich gebe es „andere Punkte, wo wir eher nicht so große Schnittmengen sehen“. Wittig sagte auch: „Wenn 44 Prozent der Wähler die AfD gewählt haben, wäre völlig undemokratisch, sie nicht in irgendeiner Weise an der Regierung zu beteiligen“.

Alice Weidel und Claudia Wittig im ARD

Alice Weidel und Claudia Wittig im ARD

© Screenshot ARD

18.48 Uhr: Weidel spricht von „historischem Wahlsieg“

AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete das Wahlergebnis in der ARD als „historisch“ und „sensationell“ und leitete daraus einen klaren Regierungsauftrag für einen politischen Wechsel ab. Während sie das Abschneiden der CDU als „desaströs“ titulierte und mutmaßte, dass diese künftig keine Wahl mehr gewinnen werde, hielt sie die Tür für Gespräche mit „konstruktiven Kräften“ – explizit auch Teilen der CDU – durch Ulrich Siegmund offen.

Bezüglich einer möglichen Rolle des BSW als „Königsmacher“ gab sich Weidel zurückhaltend und verwies auf die kommenden Tage, während Claudia Wittig für das BSW klarstellte, dass man sich inhaltlich von Fall zu Fall entscheiden werde. Auf die konkrete Frage, ob man Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen würde, sagte Wittig, dass sie Siegmund nicht wählen möchte.

18.38 Uhr: SPD-Generalsekretär zufrieden

Angesichts der ersten Hochrechnung, die die SPD bei 8,2 Prozent sieht, zeigte sich Generalsekretär Tim Klüssendorf in der ARD erfreut über das Abschneiden seiner Partei. Die SPD habe den Einzug in den Landtag „sehr, sehr stabil geschafft“, betonte er. Das Ergebnis sei ein Zeichen dafür, dass mit der SPD weiterhin zu rechnen sei.

18.32 Uhr: Erste Hochrechnung

Die erste Hochrechnung zeigt: Die AfD gewinnt deutlich mit 44,5 Prozent (39 Sitze), während die CDU ihr Ergebnis auf 18,5 Prozent (16 Sitze) halbiert. Die Linke kommt auf 9,4 Prozent, die Grünen auf 8,9 Prozent und die SPD auf 8,2 Prozent. Das BSW schafft mit genau 5 Prozent den Einzug, während die FDP mit 2,1 Prozent deutlich scheitert.

18.27 Uhr: Schulze gratuliert der AfD

„Es ist für uns eine Niederlage“, gestand der Ministerpräsident in einer ersten Stellungnahme ein. Es gebe Menschen die sagen: Es ist ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Dem widerspricht Schulze: „Das ist Demokratie.“

18.25 Uhr: Stimmen aus MV und Berlin: Holm und Brinker äußern sich

Leif-Erik Holm, AfD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, spricht angesichts der ersten Zahlen bereits von einem „Sieg“. Für ihn hat das Ergebnis in Sachsen-Anhalt auch Signalwirkung für die eigene Landtagswahl in zwei Wochen. Holms Ziel: ebenfalls deutlich mehr als 40 Prozent und die Ablösung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Direkt nach Leif-Erik Holm spricht Kristin Brinker, Spitzenkandidatin der Berliner AfD. Auch in der Hauptstadt wird bereits in zwei Wochen gewählt. Brinker kündigt an, dort ebenfalls „ein starkes Ergebnis einfahren“ zu wollen.

Von den Mehrheitsambitionen Holms in Mecklenburg-Vorpommern ist die Berliner AfD allerdings weit entfernt. In den jüngsten Umfragen kommt sie auf 18 Prozent. Damit liegt sie allerdings nur knapp hinter CDU und Linken: Infratest dimap sieht die CDU derzeit bei 21 Prozent, die Linke bei 19 und die AfD gleichauf mit den Grünen bei 18 Prozent.

18.21 Uhr: Tillschneider: Ambitionen auf Bundesebene

Während noch offen ist, ob es für die AfD in Sachsen-Anhalt zur absoluten Mehrheit reicht, richtet Hans-Thomas Tillschneider den Blick bereits auf die Bundesebene. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende zeigt sich überzeugt, dass seine Partei dort künftig sogar Ergebnisse von mehr als 50 Prozent erreichen werde.

Sollte die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt am Ende knapp verfehlt werden, werde das am Kurs der Partei nichts ändern, kündigt Tillschneider an. Die AfD werde genauso weitermachen wie bisher.

18.15 Uhr: „We are the World“

Auf der Grasfläche vor dem Magdeburger Dom steht ein Flügel. Ein Mann spielt „We Are the World“ und „Here Comes the Sun“, während sich dahinter auf dem Domplatz immer mehr Menschen versammeln. Hier finden Kundgebungen für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt statt – getragen vom Antifaschistischen Bündnis Solidarisches Magdeburg, von Omas gegen Rechts, Greenpeace und dem DGB. Zum Ende des Liedes ertönt vom Domplatz die Sirene des antifaschistischen Protestbusses „Adenauer SRP+“.

Flügel vor dem Magdeburger Dom.

Flügel vor dem Magdeburger Dom.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

18.15 Uhr: Höcke: „Deutschland, aber normal“

Kurz nach Bekanntgabe der ersten Zahlen ergreift Björn Höcke das Wort. Der Thüringer AfD-Chef spricht nur kurz. Er habe „schlottrige Knie“, sagt Höcke vor den jubelnden Anwesenden.

Die von ihm als „Kartellparteien“ bezeichneten politischen Konkurrenten seien „letztlich zu einem Flohzirkus zusammengeschrumpft“. Sachsen-Anhalt habe an diesem Abend „eine Weiche gestellt“, nun werde es weitergehen.

Am Ende seiner Rede sagt Höcke, er sei „völlig gerührt“. Es gebe jetzt „nur noch eine Richtung“. Dann ruft er: „Deutschland, aber normal.“

18.10 Uhr: Weidel sieht Regierungsauftrag

Alice Weidel (AfD) sieht nach den ersten Prognosen einen Regierungsauftrag für die AfD in Sachsen-Anhalt.

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sieht die Bundesvorsitzende Alice Weidel den Regierungsauftrag bei ihrer Partei. „Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Weidel am Sonntagabend im ZDF. In welcher Form die AfD in Sachsen-Anhalt regieren werde - „durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen“, fügte sie hinzu.

18.05 Uhr: 44,5 Prozent für die AfD – Jubel im Saal

Kurz vor 18 Uhr wird im Saal das ZDF eingeschaltet. Auf der Bühne haben sich die wichtigsten Vertreter der AfD versammelt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund selbst ist noch nicht vor Ort. Er verfolgt die ersten Zahlen gemeinsam mit den anderen Spitzenkandidaten in der Messehalle und soll erst später zur Wahlparty kommen.

Dann erscheinen die ersten Zahlen auf der Leinwand: Als für die CDU 18,5 Prozent eingeblendet werden, brandet bereits Jubel auf. Wenige Augenblicke später folgt die AfD: 44 Prozent. Im Saal bricht ohrenbetäubender Jubel aus. Nach der ersten Prognose fehlt der Partei damit nur ein Sitz zur absoluten Mehrheit.

Bei der AfD bricht bei der Verkündigung der ersten Prognose Jubel aus.

Bei der AfD bricht bei der Verkündigung der ersten Prognose Jubel aus.

© Sophie-Marie Schulz/Ostdeutsche Allgmeine

18 Uhr: AfD laut erster Prognose bei 44,5 Prozent

Der ersten Prognose der ARD um 18 Uhr zufolge gewinnt die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich. Die Partei liegt demzufolge bei 44,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt demzufolge bei 76,5 Prozent.

17.35 Uhr: Doppelte Kontrollen und Sprengstoffhunde bei AfD-Wahlparty

Die Sicherheitsvorkehrungen bei der AfD-Wahlparty in Magdeburg sind massiv. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt. Auch für akkreditierte Journalisten gibt es eine doppelte Kontrolle. Taschen und andere mitgebrachte Gegenstände müssen abgegeben werden und werden von Sprengstoffspürhunden untersucht. Anschließend wird jeder Besucher noch einmal am Körper abgetastet.

Eine halbe Stunde vor den ersten Hochrechnungen füllt sich die AfD-Wahlparty zunehmend. Ständig kommen neue Gäste hinzu. Ausgelassene Stimmung herrscht bislang nicht, niedergeschlagen wirkt allerdings auch niemand.

In der Schlange zur Anmeldung sagt ein AfD-Politiker dieser Zeitung: „Es war ein langer Wahlkampf, der irgendwann enden muss. Und heute ist es so weit.“

Blick in den Veranstaltungssaal vor Beginn der Veranstaltung gegen 17:20 Uhr am WahlabendLandtagswahl Sachsen-Anhalt 2026.

Blick in den Veranstaltungssaal vor Beginn der Veranstaltung gegen 17:20 Uhr am WahlabendLandtagswahl Sachsen-Anhalt 2026.

© IMAGO/Chris Emil Janssen

17 Uhr: Didi Hallervorden auf der CDU-Wahlparty

Der Schauspieler Dieter „Didi“ Hallervorden ist bei der Wahlparty der CDU. Sven Schulze hatte Hallervorden kürzlich in einem Instagram Beitrag noch als „Freund“ bezeichnet. Hallervorden war im Wahlkampf mehrfach gemeinsam mit Schulze aufgetreten.

16.25 Uhr: Wahlbeteiligung schon jetzt höher als 2021

Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt liegt bereits zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale über dem Endwert der vergangenen Landtagswahl. Bis 16 Uhr wurden 65,3 Prozent gemeldet. 2021 beteiligten sich am Ende insgesamt 60,3 Prozent der Wahlberechtigten.

Zum Vergleich: Um 16 Uhr 2021 hatte die Beteiligung erst bei 41 Prozent gelegen. Die aktuellen Zwischenstände beruhen auf einer Stichprobe repräsentativer Urnenwahlbezirke und enthalten die Briefwahl noch nicht. Die vollständige landesweite Wahlbeteiligung wird erst im Laufe des Wahlabends feststehen.

Landeswahlleiterin Christa Dieckmann ruft die Wahlberechtigten dazu auf, die verbleibenden zwei Stunden noch für die Stimmabgabe zu nutzen.

16.10 Uhr: Stimmen vom Gartenzaun

Eide aus Quedlinburg blickt kritisch auf die heutige Landtagswahl. Ihre Entscheidung habe sie bereits getroffen – „ich habe hoffentlich meine beiden Kreuze richtig gesetzt“, sagt sie am Zaun ihres Kleingartens. Ihre Erwartung an die künftige Politik bringt sie denkbar einfach auf den Punkt: Es müsse einfach „alles gut laufen“.
Für Unverständnis sorgt bei ihr eine bildungspolitische Entwicklung: Das Ende der Schulpflicht halte sie für „idiotisch“.
Über ihre eigene Situation könne sie sich hingegen nicht beklagen – sie beziehe eine gute Rente und Witwenrente. Seit 70 Jahren bewirtschafte sie zudem ihren Garten in Quedlinburg, den schon ihre Eltern vor ihr gepflegt hätten.

15.50 Uhr: Rund 50 Antifaschisten demonstrieren am Magdeburger Hauptbahnhof

Am Magdeburger Hauptbahnhof demonstrieren rund 50 Antifaschisten, einige von ihnen vermummt, gegen Kapitalismus und einen daraus entstehenden Faschismus. Teilnehmer sind nach Angaben einer Sprecherin der sozialistischen Jugendorganisation „Young Struggle“ aus Sachsen-Anhalt, Berlin, Leipzig und weiteren Städten angereist.

Die AfD sei ein Produkt von Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit, sagt die Sprecherin. Bürgerliche Politik werde diese Probleme nicht lösen. „Das Deutschland, das ich kenne, wählt heute vielleicht einen Faschisten zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt“, sagt sie. Zugleich kritisieren Redner die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands, Kürzungen bei sozialer Infrastruktur und eine mögliche Wehrpflicht.

„Es gibt eine Alternative und das ist nicht die AfD. Das ist der Sozialismus“, heißt es bei der Kundgebung. „Young Struggle“ ist nach eigenen Angaben seit rund einem Jahr in Magdeburg aktiv und bundesweit bereits seit 2011.

Antifaschisten-Demo am Bahnhof in Magdeburg.

Antifaschisten-Demo am Bahnhof in Magdeburg.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

15.40 Uhr: Erstwähler: „Ulrich Siegmund? Kenne ich nicht.“

„Ich war noch nie wählen“, erzählt Winnfried. Nun hat der Rentner aus Tangermünde zum ersten Mal sein Kreuz gemacht. „Ich hoffe, ich habe die richtige Partei gewählt.“ Ob er Ulrich Siegmund kennt? „Kenne ich nicht“, beteuert Winnfried. Trotzdem ist von der Wahl ein kleines bisschen enttäuscht. „Ich dachte Erstwähler bekommen wenigstens Blumen“. Er hofft, dass „sich etwas ändert.“

Winnfried hat noch nie gewählt, jetzt hat er sein Kreuz gemacht.

Winnfried hat noch nie gewählt, jetzt hat er sein Kreuz gemacht.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

15.35 Uhr: „Ehrlich gesagt habe ich große Angst“

Am Magdeburger Hauptbahnhof ist die Anspannung vor dem Wahlergebnis auch bei Mitarbeitern der Geschäfte zu spüren. Eine Mitarbeiterin eines Lotto-Ladens sagt dieser Zeitung: „Ich glaube schon, dass heute noch etwas passieren wird. Ehrlich gesagt habe ich große Angst, ob ich sicher nach Hause komme.“

Zwar seien „unzählige Polizisten“ im und rund um den Bahnhof im Einsatz. Beruhigen könne sie das aber nur bedingt. „Wenn die AfD gewinnen sollte, dann weiß doch niemand, ob plötzlich Tausende Verrückte durch die Straßen ziehen, weil sie gegen die AfD sind. Dieses Gefühl ist nicht schön.“

15.20 Uhr: Zwischen Kirchturm und Wahlurne

Ditmar und Rainer waren heute noch nicht wählen. Sie stehen am Eingang der Blasiikirche in Quedlinburg, betreuen Gäste und erzählen ihnen von der Geschichte des Hauses. Die beiden Männer sind bei der Stadt angestellt und engagieren sich hier ehrenamtlich. Mit Blick auf die Landtagswahl beschäftigen sie vor allem die Themen Migration und Wirtschaft.

Rainer lebt bereits seit 18 Jahren in Quedlinburg und hat die Entwicklung der Stadt hautnah miterlebt. „Die Stadt hat sich gut entwickelt – das sieht man auch an den Touristen, die herkommen“, ergänzt Ditmar. Von der zukünftigen Landesregierung wünschen sich beide vor allem eine bessere Gesundheitspolitik. „Man muss so viel selbst bezahlen“, sagt Ditmar – früher habe die Krankenkasse deutlich mehr übernommen. Nach Feierabend wollen beide noch ihre Stimme abgeben.

Ditmar (links) und Rainer waren heute noch nicht wählen. Sie stehen am Eingang der Blasiikirche in Quedlinburg und betreuen Gäste.

Ditmar (links) und Rainer waren heute noch nicht wählen. Sie stehen am Eingang der Blasiikirche in Quedlinburg und betreuen Gäste.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

14.30 Uhr: Wahlbeteiligung bei 54,4 Prozent

Bis 14 Uhr haben 54,4 Prozent der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt ihre Stimme abgegeben. Bei der Landtagswahl 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt 27,1 Prozent. Die Beteiligung liegt damit bislang rund doppelt so hoch wie vor fünf Jahren.

Die Zahlen beruhen auf Rückmeldungen aus repräsentativen Urnenwahlbezirken. Briefwähler sind darin noch nicht enthalten. Die landesweite Wahlbeteiligung einschließlich der Briefwahl wird erst ab 18 Uhr ermittelt und mit dem vorläufigen Wahlergebnis veröffentlicht.

Insgesamt sind rund 1,706 Millionen Menschen wahlberechtigt. Das sind 82.973 weniger als bei der Landtagswahl 2021. Parallel zur Landtagswahl finden in mehreren Gemeinden außerdem Bürgermeister-, Ortsvorsteher- und Ergänzungswahlen statt.

14.15 Uhr: Autobahn A14 wieder freigegeben

Wie die Polizeidirektion Stendal auf der Plattform X mitteilte, wurde das brennende Motorrad auf der A14 gelöscht und abgeschleppt. Die Polizei gab die Autbahn in Fahrtrichtung Dresden wieder frei.

13.25 Uhr: „Aber wen wählt man?“ – fragt 83-Jährige

„Man kennt ja gar nicht alle Kandidaten“, sagt Anneliese Knepper in Hadmersleben. Mit der aktuellen Regierung sei sie jedenfalls unzufrieden. „Aber wen wählt man?“, fragt sie sich. „Da steht man wie die Kuh vor dem neuen Tor.“

Entschieden hat sie sich letztlich anhand zweier Themen: Altersvorsorge und Migration. Zu Letzterem sagt sie, sie habe sich für zugewanderte Menschen engagiert und auch Kleidung gespendet. Doch den Satz von Angela Merkel halte sie rückblickend für falsch – es seien schlichtweg zu viele gekommen, das System sei überfordert.
Darüber hinaus beschäftigt sie die Eingemeindung nach Oschersleben: Seitdem seien die Gebühren für Kitas und Friedhof gestiegen, zudem lasse die Sauberkeit im Ort zu wünschen übrig. Manchmal, sagt die 83-Jährige, Oma von insgesamt elf Enkeln, „wünsche ich mir die DDR zurück.“

Anneliese Knepper in Hattersleben trifft ihre Wahlentscheidung anhand von zwei Themen.

Anneliese Knepper in Hattersleben trifft ihre Wahlentscheidung anhand von zwei Themen.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

13.15 Uhr: Unfall auf der A14 – großer Stau

Auf der A14 in Richtung Magdeburg geht nichts mehr. Kurz vor der Anschlussstelle Colbitz verunglückte ein Motorradfahrer. Dichter, schwarzer Rauch bildet sich über der Autobahn. Das Motorrad brannte völlig aus. Ein enormer Stau bildete sich. Die herbeigeilten Einsatzkräfte versorgten den Verunfallten. Der Mann sei verletzt, aber noch ansprechbar, hieß es von der Unfallstelle. „Hoffentlich , geht es gleich weiter“, sagte eine Autofahrerin zu OAZ-Reportern „Ich muss noch nach Magdeburg, wählen“.

Auf der A14 hat sich ein langer Stau gebildet.

Auf der A14 hat sich ein langer Stau gebildet.

© Alexander Schumann / Ostdeutsche Allgemeine

12.45 Uhr: Wahlbeteiligung deutlich höher als vor fünf Jahren

Bis 12 Uhr haben in Sachsen-Anhalt 34,72 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der Landtagswahl 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt 22,4 Prozent. Damit liegt die Beteiligung am Mittag deutlich über dem damaligen Wert.

Die rund 2130 Wahllokale hatten am Morgen pünktlich geöffnet. Nach Angaben der Landeswahlleiterin verlief die Abstimmung am Vormittag reibungslos, unverhältnismäßig lange Wartezeiten habe es nicht gegeben.

Auch wer seine Wahlbenachrichtigung verlegt oder verloren hat, kann wählen, sofern er im Wählerverzeichnis seines Wahlbezirks eingetragen ist. Auf Verlangen muss er sich mit Personalausweis, Reisepass oder einem anderen amtlichen Lichtbilddokument ausweisen.

Bei einer plötzlichen Erkrankung können Wahlberechtigte außerdem eine Vertrauensperson bevollmächtigen, die Briefwahlunterlagen bis 15 Uhr beim Wahlamt abholt. Die Unterlagen müssen anschließend bis spätestens 18 Uhr an der auf dem Wahlbrief angegebenen Anschrift abgegeben werden. In einem normalen Wahllokal ist das nicht möglich.

12.30 Uhr: Niederländischer Jugendtrainer blickt mit Sorge auf die Wahl

Trainer Nico Geurtsen vom SV Eintracht Gröningen kommt nach dem Fußballspiel in Hadmersleben vom Platz. Wählen darf der 42-jährige Niederländer nicht. Er lebt seit 20 Jahren in Sachsen-Anhalt und trainiert seit neun Jahren die C-Jugend.

„Die Unzufriedenheit mit der jetzigen Regierung ist so groß, dass die Menschen zu stark nach links oder rechts wählen“, sagt er. Die Politik schüre Zukunftsängste und Planungsunsicherheit. Angst habe er selbst aber nicht: Keine neue Landesregierung könne alle ihre Vorhaben umsetzen.

Ein Paar, das sich als Familie Freitag vorstellt, fürchtet, Sachsen-Anhalt könne unter einer AfD-Regierung wirtschaftlich zurückfallen. Auch der Jargon der Partei schrecke beide ab. Ministerpräsident Sven Schulze mache seine Arbeit nicht schlecht, leide aber unter der Bundespolitik. Ihr Wahlziel sei klar: „Die AfD verhindern.“

12.10 Uhr: Landwirt fordert weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung

Seit den frühen Morgenstunden ist Landwirt Claus-Christian Kühne auf den Feldern rund um Wanzleben unterwegs. „Wählen war ich bislang noch nicht, wir haben noch einiges zu tun“, sagt er – mit „wir“ meint er auch seinen Sohn, der im Hintergrund mit dem Traktor über die Felder fährt.

Der Landtagswahl blickt Kühne mit gemischten Gefühlen entgegen. Egal wie sie ausgehe, sei keine einfache Situation zu erwarten, sagt der Landwirt, der selbst CDU-Mitglied ist. Als wichtigstes Thema sieht er, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen – daran arbeite auch seine eigene Partei bereits.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche der vergangenen Jahre führt Kühne auch auf die Einführung von Künstlicher Intelligenz zurück: „Die fordert und überfordert uns teilweise.“ Von der künftigen Regierung erhofft er sich weniger Bürokratie, weniger Vorschriften und mehr Fokus auf die Eigenverantwortung der Menschen. „Die Menschen sollen sich nicht nur auf den Staat verlassen“, so Kühne.

Landwirt Claus-Christian Kühne hat noch nicht gewählt.

Landwirt Claus-Christian Kühne hat noch nicht gewählt.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

11.50 Uhr: Siegmund hält an Wahlziel von 45 Prozent fest

Ulrich Siegmund wurde vor dem Wahllokal von zahlreichen Freunden, Bekannten und Anhängern lautstark empfangen. Viele der Anwesenden begrüßte er persönlich. „Wir holen uns unser Land zurück. Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen“, rief er ihnen zu. Er glaube auch weiterhin an das Wahlziel von 45 plus X, sagte Siegmund vor Journalisten. Er sehe eine Aufbruchstimmung im Land. Gleichzeitig betonte Siegmund, dass er für Zusammenhalt werbe. Er sehe eine Aufbruchstimmung im Land, eine andere Politik sei möglich.

Den Wahlmorgen hat er entspannt mit seiner Familie verbracht, verriet Ulrich Siegmund unserem OAZ-Reporter. Zum Frühstück gab es Cornflakes und Joghurt, dann seien seine Frau und er mit einer Schwalbe zum Wahllokal gekommen. „Diese Schwalbe begleitet mich meinen gesamten Wahlkampf, eigentlich schon mein gesamtes Berufsleben lang. Ich habe sie damals mit 17 gekauft.“ Eine Symbolik, die er gerne beibehalten würde. Siegmund zur OAZ: „Und die nächste Fahrt mit dieser Schwalbe geht vom Landtag in die Staatskanzlei, nämlich nach der Wahl zum Ministerpräsidenten.“

Zahlreiche Freunde, Fans und Follower waren erschienen. Hier dankt Ulrich Siegmund seinem Vater.

Zahlreiche Freunde, Fans und Follower waren erschienen. Hier dankt Ulrich Siegmund seinem Vater.

© Alexander Schurmann/Ostdeutsche Allgemeine

11.38 Uhr: Wirtschaftsweise Schnitzer warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Wirtschaftsfachleute warnen vor schweren wirtschaftlichen Folgen im Fall einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt. Angesichts des Wahlprogramms sei zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde, sagte die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, dem Kölner Stadtanzeiger (Montag). Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, nannte in der Rheinischen Post (Samstag) eine Zuwanderungspolitik nach den Vorstellungen der AfD für Sachsen-Anhalt „ruinös“.

11.35 Uhr: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat gewählt

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat am Sonntagvormittag der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, seine Stimme abgegeben. Der 35-Jährige und seine Ehefrau Julia fuhren auf einem Simson-Moped vor einem Wahllokal in seiner Heimatstadt Tangermünde vor.

Kurz vor der Stimmabgabe von Siegmund hatte es vor dem Wahllokal einen Notarzteinsatz gegeben. Laut Polizei musste ein Mann reanimiert werden. Ob er überlebt hat, war zunächst unklar.

11.20 Uhr: Schulze gibt Stimme ab – „Ganz Deutschland blickt auf diese Wahl“

Im Wahllokal im AWO Lebensverband in Magdeburg hält sich der Andrang am Sonntagvormittag in Grenzen – bis auf die Pressevertreter, die Ministerpräsident Sven Schulze bei seiner Stimmabgabe erwarten. Für ihn sei es wichtig gewesen, am Wahltag persönlich zur Urne zu gehen, sagt Schulze auf Nachfrage der OAZ. „Jede Wahl ist gleich viel wert“, betont der CDU-Spitzenkandidat mit Blick auf die Möglichkeit der Briefwahl. Seine Botschaft an die noch Unentschlossenen: möglichst überhaupt wählen gehen.

„Ganz Deutschland, vielleicht die ganze Welt blickt auf diese Wahl“, sagt Schulze nach der Stimmabgabe. Es reiche nicht, nur Sprüche zu machen – man müsse auch Lösungen präsentieren. Zugleich hoffe er auf „eine große Unterstützung“ für sich und seine Ziele für Sachsen-Anhalt sowie auf einen „positiven Ausblick in die Zukunft“. Auf die Frage, was die CDU verändern müsse, um ehemalige Protestwähler der AfD zurückzugewinnen, geht Schulze an diesem Morgen nicht mehr ein. Mit Blick auf den Wahlabend rechnet er mit einer hohen Wahlbeteiligung und – auch wegen der Briefwahl – mit einem späten Endergebnis.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze gibt am Vormittag seine Stimme in Magdeburg ab.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze gibt am Vormittag seine Stimme in Magdeburg ab.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

11.15 Uhr: Magdeburger Wähler fordert Reformen und Stärkung des ländlichen Raums

Christian P. unterstützt eine Partei, der er schon immer grundsätzlich zugeneigt ist. Die Wahl des 30-Jährigen wurde besonders von Themen wie der Modernisierung von Verwaltungen hin zur Digitalisierung beeinflusst, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung im Land sowie die Migrationspolitik sind für ihn wichtige Themen. Was die zukünftige Landesregierung als Erstes in Angriff nehmen sollte? „Die katastrophale Haushaltslage.“ Auch der öffentliche Dienst bedarf einer Umstrukturierung. Die Politik müsse außerdem erkennen, dass Sachsen-Anhalt auch vom ländlichen Raum funktioniere und auch von dort gedacht werden müsse. Besonders die Schulen sollten auf dem Land gezielt gefördert und gestärkt werden, betont er.

11.05 Uhr: Rentnerin blickt zuversichtlich auf die Wahl

Im selben Wahllokal, in dem wenig später auch Ministerpräsident Sven Schulze seine Stimme abgeben wird, hat Rentnerin Anita Riehn in Magdeburg gewählt. Sie schaut entgegen der allgemeinen Stimmung optimistisch auf die heutige Wahl. „Ich blicke trotz allem sehr zuversichtlich auf den heutigen Tag“, so die 79-Jährige. Die Situation sei sicherlich verfahren, dennoch lasse sie sich ihren Optimismus nicht nehmen. Ihre Stimme habe sie denjenigen gegeben, die ihre wichtigsten zwei Punkte ins Zentrum stellen. „Für mich sind die zentralen Baustellen die Ertüchtigung der Infrastruktur und die Arbeitslosigkeit. Wir werden es schaffen, einen ordentlichen Zustand in diesem Land hinzukriegen“, ist sie überzeugt.

Rentnerin Anita Riehn hat in Magdeburg ihre Stimme abgegeben.

Rentnerin Anita Riehn hat in Magdeburg ihre Stimme abgegeben.

© Dahahm Choi/Ostdeutsche Allgemeine

10.50 Uhr: AfD-Wähler kündigt bei CDU-Regierung Montagsproteste an

Roßla, Gemeinde Südharz. Im Landtagswahlkreis Sangerhausen, wo heute rund 49.000 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben können, schnitt die AfD bei der Wahl 2021 mit 24,5 Prozent der Zweitstimmen überdurchschnittlich ab. Sieger war die CDU mit 38,7 Prozent.

Heute dürfte das Ergebnis deutlich anders ausfallen. Vor dem Wahllokal in der Grundschule liegt ein Hauch von „Wir sind das Volk“ in der Luft. Peter F.*, Angestellter in der Produktion, sagt: „Wenn die CDU nach der Wahl einfach weiterregiert, gehen wir auf die Straße. Das wird Ulrich Siegmund organisieren. Jeden Montag. Es geht nicht an, dass die stärkste Partei nicht den Regierungsauftrag erhält. Wir gehen so lange auf die Straße, bis das kippt. Man kann nicht 40 Prozent der Wähler einfach beiseite schieben.“ Am Kopfnicken der Umstehenden lässt sich erkennen, dass er mit seiner Meinung nicht alleine ist. 

*Richtiger Name ist der Redaktion bekannt

9.40 Uhr: Tangermünde: Menschen warten auf Siegmund

In wenigen Minuten wird AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur Stimmabgabe in seinem Wahllokal in Tangermünde erwartet. Zahlreiche Menschen und Medienvertreter sind erschienen

8.15 Uhr: Die ersten Frühaufsteher haben schon gewählt

Andrang am Wahllokal. Stefan ist schon um 7.30 Uhr an seinem Wahllokal in der Makarenkoschule in Magdeburg-Neu-Olvenstedt eingetroffen. Der gelernte Lackierer ist im Abbruch tätig. Erst geht er wählen, dann fährt der Fußballfan nach Berlin. FC Magdeburg gegen Hertha BSC. „Ich hoffe, dass ich um 18 Uhr wieder in Magdeburg bin. Und dass die richtige Partei gewinnt“, sagt Stefan vielsagend.

Stefan hat bereits gewählt und fährt nun nach Berlin. Es spielt: FC Magdeburg gegen Hertha BSC.

Stefan hat bereits gewählt und fährt nun nach Berlin. Es spielt: FC Magdeburg gegen Hertha BSC.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Auch Hartmut und Carola haben schon gewählt. „Normalerweise wählen wir nicht so zeitig“, sagt Hartmut. „Aber wir fahren heute noch in den Urlaub“, ergänzt Carola. Erst geht es in die Schweiz und danach nach Italien. Den Wahlabend verfolgen sie heute Abend im Hotel im Fernsehen.

Hartmut und Carola gehören zu den ersten Wählern am Morgen in Sachsen-Anhalt.

Hartmut und Carola gehören zu den ersten Wählern am Morgen in Sachsen-Anhalt.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

8 Uhr: Die Wahllokale sind geöffnet

In Sachsen-Anhalt hat die Landtagswahl begonnen. Um 8 Uhr öffneten am Sonntag die Wahllokale. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte sind in dem Bundesland zur Stimmabgabe aufgerufen. Ministerpräsident Sven Schulze kämpft für die CDU darum, weiterregieren zu können. In den Umfragen lag allerdings die AfD weit vorn.

Erste Prognosen werden mit der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr erwartet. Die Landeswahlleiterin rechnet mit einem vorläufigen Endergebnis am frühen Montagmorgen. Die Abstimmung in Sachsen-Anhalt könnte Signalwirkung für die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in zwei Wochen und auch für die Bundespolitik haben.

6.40 Uhr: Antifa-Demo in Halle – Polizei zieht Bilanz

Beim Aufmarsch der Antifa in Halle sind nach Angaben der Polizei insgesamt 2500 Menschen durch die Innenstadt gezogen. Das teilte sie nach Ende der Veranstaltung mit. Im letzten Drittel der Demonstration wurde Pyrotechnik gezündet, die Polizei leitete zwei Ermittlungsverfahren ein. Die übrigen Veranstaltungen und Versammlungen im Stadtgebiet verliefen nach Angaben der Polizei störungsfrei.

6.25 Uhr: Wahllokale öffnen um 8 Uhr, 1,7 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen

In Sachsen-Anhalt öffnen heute die Wahllokale um 8 Uhr. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgerufen. In den Umfragen lag die AfD mit großem Abstand vor der regierenden CDU von Ministerpräsident Sven Schulze. Die Partei strebt eine Alleinregierung an und will erstmals einen Ministerpräsidenten stellen. Ob ihr dies gelingt, hängt auch davon ab, wie viele Parteien in den Landtag einziehen.

Die bisherige Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP hat laut Umfragen keine Mehrheit mehr. Eine denkbare Option nach der Wahl wäre eine CDU-geführte Minderheitsregierung, die wie in Sachsen und Thüringen auf eine Zusammenarbeit mit der Linken angewiesen wäre.

Samstag, 5. September

21.02 Uhr: Aufgeheizte Stimmung bei Protest der Antifa in Halle am Abend vor der Wahl

Die Stimmung auf der Ludwig-Wucherer-Straße in Halle (Saale) ist am Abend aufgeheizt. „Mörder, Lügner, Bullenschweine“, skandieren Teilnehmer des Aufmarschs. In der Luft liegt der Geruch abgebrannter Pyrotechnik. Offenbar wurde innerhalb des Demonstrationszugs zuvor Pyrotechnik gezündet.

Protest der Antifa in Halle.

Protest der Antifa in Halle.

© Adrian Schintlmeister/Ostdeutsche Allgemeine

Politisch scheint sich der Antifa-Block allerdings nicht in allen Fragen einig zu sein. Als ein Demonstrant einen „Free Palestine“-Ruf anstimmt, bekommt er lautstarken Widerspruch aus den eigenen Reihen. Andere Teilnehmer schreien ihn nieder. Der Ruf setzt sich im Demonstrationszug nicht durch.

Der Antifa-Aufmarsch hat am Abend den Hauptbahnhof in Halle erreicht. Damit nähert sich die Demonstration nach dem Zug durch die Innenstadt ihrem Ende. Für einen größeren Teil der Teilnehmer geht es nun offenbar zurück nach Leipzig. Nach Informationen vor Ort sind zahlreiche Demonstranten von dort nach Halle angereist.

Antifa-Umzug kurz vor Ankunft am Hauptbahnhof

Antifa-Umzug kurz vor Ankunft am Hauptbahnhof

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Antifa-Anhänger werben für Weltoffenheit und "unsere Demokratie".

Antifa-Anhänger werben für Weltoffenheit und "unsere Demokratie".

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Am Hauptbahnhof in Halle läuft inzwischen die Abschlusskundgebung des Antifa-Aufmarschs. Einer der Redner spricht dabei über Migration und gesellschaftliche Vielfalt. „Vielfalt ist Realität“, sagt er. In diesem Zusammenhang fordert er auch, dass deutsche Kinder arabische Volkslieder lernen sollten.

Auch Menschen, die sich aufgrund ihrer Herkunft nicht zugehörig fühlten, spricht er direkt an: „Ihr müsst eure Identität nicht verstecken. Ihr müsst euch nicht kleiner machen.“ Zum Ende folgt die zentrale Botschaft seiner Rede: „Vielfalt ist kein Problem, das gelöst werden muss. Vielfalt ist unsere Realität und Solidarität ist unsere Antwort.“

19.26 Uhr: Linksextremer Aufmarsch in Halle – Polizei lässt Vermummte weiterziehen

In Halle (Saale) zieht am Samstagabend ein großer Antifa-Aufmarsch durch die Innenstadt. An der Ludwig-Wucherer-Straße ist der Demonstrationszug inzwischen zum Stehen gekommen. Nach Angaben der Polizei beteiligen sich rund 2300 Menschen. Zahlreiche Polizeikräfte begleiten die Demonstration. Unter den Teilnehmern sind Vermummte, andere ziehen hinter großen Bannern durch die Straßen. Immer wieder skandiert die Menge: „Siamo tutti antifascisti“ – „Wir sind alle Antifaschisten“.

Polizei: 2300 Teilnehmer auf Demo gegen die AfD in Halle.

Polizei: 2300 Teilnehmer auf Demo gegen die AfD in Halle.

© Adrian Schintlmeister/Ostdeutsche Allgemeine

Bei der Demonstration spielt auch die sogenannte „Antifa Ost“ eine Rolle. Unter diesem Namen fassen Sicherheitsbehörden ein linksextremistisches Netzwerk zusammen, dessen Angehörigen schwere Gewalttaten gegen tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten zugerechnet werden.

Bekannt wurde der Komplex insbesondere durch den Prozess gegen Lina E., die 2023 unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde. Weitere Verfahren gegen mutmaßliche Mitglieder laufen.

19.08 Uhr: Rund 15.000 verfolgen Wahlkampfabschluss der AfD im Livestream – Siegmund zeigt sich zuversichtlich

Der Wahlkampfabschluss der AfD findet längst nicht nur im Veranstaltungssaal statt. Rund 15.000 Menschen verfolgen das Event am frühen Abend  über den Livestream im Internet. Damit erreicht die Partei online ein Vielfaches der Zahl der Besucher, die den Auftritten von Siegmund, Weidel und Chrupalla direkt im Saal folgen.

Nach Alice Weidel gehört die Bühne dem Mann, auf den an diesem Abend alles zuläuft: Ulrich Siegmund. Der AfD-Spitzenkandidat beginnt seine Rede mit einer Kampfansage für die letzten Stunden vor der Landtagswahl. Nach all den Wochen und Monaten des Wahlkampfs sei noch lange nicht Schluss. „Jetzt fangen wir erst richtig an“, sagt Siegmund unter dem Jubel seiner Anhänger.

Es ist die Botschaft, die zum gesamten Abend passt, denn die AfD präsentiert ihren Wahlkampfabschluss weniger als Ende eines Wahlkampfs und mehr als Auftakt für das, was nach der Wahl kommen soll.

18.45 Uhr: FPÖ-Politikerin Fürst betont in Sachsen-Anhalt enge Allianz mit der AfD

Der zuvor angekündigte Überraschungsgast kommt aus Österreich: Susanne Fürst, stellvertretende Klubobfrau und außenpolitische Sprecherin der FPÖ, hält die nächste Rede. Die Partei von Herbert Kickl liegt in einer aktuellen Umfrage bei 39 Prozent und damit knapp vor der 40-Prozent-Marke.

Fürst betont in ihrer Rede die engen Verbindungen zwischen FPÖ und AfD. Beide Parteien unterstützten einander und stünden in engem Austausch. Wie eng dieser inzwischen ist, zeigte sich erst vor wenigen Tagen in Berlin: Eine FPÖ-Delegation besuchte die Berliner AfD. Doch Berlin liegt zwei Stunden entfernt und spielt mit Blick auf die bevorstehende Wahl am nächsten Tag nur bedingt eine Rolle.  Fürst spricht stattdessen von „weltoffenen Bürgern“ und meint damit alle Ostdeutschen im Saal. „Absurd“ seien hingegen jene, die beim parallel stattfindenden Demokratiefest glaubten, selbst weltoffen zu sein, „in Wahrheit“ aber „die Nachfolger der SED“ seien.

„Die Menschen in Sachsen-Anhalt haben ein Recht darauf, dass es endlich wieder bergauf geht“, sagt Fürst. Auffällig ist ihre Prognose für den Wahlsonntag: Anders als mehrere AfD-Redner vor ihr spricht sie nicht ausdrücklich von einem Wahlsieg. Sie sagt stattdessen voraus, dass Ulrich Siegmund „mit einem weiten Vorsprung vor den anderen Parteien liegen wird“.

18.25 Uhr: Bis zu 8000 Menschen beim Demokratiefestival in Magdeburg

Zum Demokratiefestival sind nicht nur Menschen aus Sachsen-Anhalt gekommen. Einige sind etwa aus Berlin angereist, um sich über Ländergrenzen hinweg zu solidarisieren. Andere stammen aus Sachsen-Anhalt, leben inzwischen woanders und sind für die Veranstaltung zurückgekehrt, weil ihnen die politische Entwicklung im Land nicht egal sei.

In der Spitze waren nach Angaben der Polizei rund 8000 Menschen vor Ort. Besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben. Die Veranstaltung verlief damit auch trotz der Anwesenheit von Streamern unterschiedlicher politischer Richtungen ruhig.

18.15 Uhr: Gastronom ächzt unter Bürokratie: „Es muss sich etwas ändern“

Das urige Schiffsrestaurant Marie Gerda ist am Samstagabend gut gefüllt. Eine Sängerin singt 90er-Jahre-Pop, die Stimmung ist ausgelassen. Die meisten werden morgen wählen gehen.

Junggastronom Camillo Hauke ist Kapitän der Maria Gerda. Das Ausflugsrestaurant ist direkt am Elbradweg gelegen.

Junggastronom Camillo Hauke ist Kapitän der Maria Gerda. Das Ausflugsrestaurant ist direkt am Elbradweg gelegen.

© Alexander Schumann

Camillo Hauke ist Chef des beliebten Ausflugsrestaurants in Breitenhagen direkt an der Elbe. Eigentlich sei er ganz zufrieden, schildert der Junggastronom im Gespräch. Auf die Politik schaut er trotzdem mit gemischten Gefühlen. Hauke zeigt auf die Fähre, die vor dem Ausflugsrestaurant vertraut ist. „Seit fünf Jahren ist die Fähre wegen Versandung regelmäßig außer Betrieb.“ Der Kommune fehlen die nötigen Geldmittel um die Versandung zu entfernen, das Wasserstraßenschifffahrtsamt fühle sich nicht zuständig. Außerdem lebe hier ein streng geschützte Biber.

Für den Gastronom und seine Gäste ist der Stillstand bei der Fähre mehr als ärgerlich. Zumal der Elbradweg direkt am Lokal vorbeiführt. Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP), die bei ihm zu Gast war, versprach Abhilfe. Doch seitdem sei wenig passiert. „Es ist diese Unentschlossenheit in der Politik“, sagt der Gastronom. „Das macht die Leute sauer.“ Er hofft, dass sich nun etwas ändert. „Es muss etwas passieren.“

17.40 Uhr: AfD-Wahlkampfabschluss: „Werden gewinnen“

Mit rund einer halben Stunde Verspätung geht es in Magdeburg los. Um 17.30 Uhr werden zunächst die prominenten Gäste gemeinsam auf die Bühne geholt: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, die beiden Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, Sebastian Münzenmaier und Dennis Hohloch. Schon bei der Begrüßung ist vom großen Ziel für Sonntag die Rede: Man werde die Wahl „gewinnen“.

Reden halten die Politiker zunächst allerdings nicht. Stattdessen werden sie vom Moderator wieder „auf ihre Plätze geschickt“. Die Bühne gehört einem Musiker. Er stimmt „Alles ist möglich“, passend zu jenem Slogan, mit dem die AfD in Sachsen-Anhalt in den Wahlkampf gezogen ist.

Beginn der Abschlussveranstaltung unter anderem mit Ulrich Siegmund, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Sebastian Münzenmaier, Martin Reichardt.

Beginn der Abschlussveranstaltung unter anderem mit Ulrich Siegmund, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Sebastian Münzenmaier, Martin Reichardt.

© IMAGO/Chris Emil Janssen/imago

Nach der Musikeinlage betritt Martin Reichardt die Bühne. Erst vor wenigen Tagen hatte der AfD-Landesvorsitzende mit einer Rede bei der Jugendorganisation Generation Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Damals sprach er unter anderem von einem „nach Dope stinkenden Staat“.

Heute schlägt Reichardt zunächst andere Töne an – und beschwört den bevorstehenden Wahlsieg. Hinter seiner Partei liege ein Wahlkampf, „der in der Geschichte der Bundesrepublik“ einmalig sei. Es sei ein Kampf aller anderen Parteien gegen „die Volkspartei AfD“ gewesen. Mehrfach bezeichnet Reichardt die politischen Konkurrenten als „volksfeindliche Parteien“.

„Wir sind der Auftakt zur Rettung unseres Vaterlandes“, ruft Reichardt schließlich in den Saal. Das Publikum reagiert mit lautem Jubel.

Als Nächster tritt Oliver Kirchner ans Rednerpult. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende nimmt zunächst CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze ins Visier, der zeitgleich beim Demokratiefest in Magdeburg auftritt. „Diese CDU ist unwählbar“, sagt Kirchner.

Dann kommt er auf Angela Merkel und deren berühmten Satz „Wir schaffen das“ zu sprechen. Kirchner dreht ihn für den Wahlsonntag um: Wenn alle „Migranten zu Hause bleiben“, dann „schaffen wir das auch“, sagt er.

Nach rund 45 Minuten Programm betritt Tino Chrupalla die Bühne des Amo-Kulturhaus. Techno schallt durch den Saal, das Publikum empfängt den AfD-Bundesvorsitzenden mit lauten „Tino, Tino, Tino“-Rufen.

Chrupalla beginnt mit einer Botschaft, die an diesem Abend in Magdeburg durchaus auffällt: Die AfD sei längst kein reines Ost-Phänomen mehr, betont er. Auch im Westen habe sich die Partei mittlerweile als politische Kraft etabliert.

Dann landet Chrupalla schnell bei Friedrich Merz. Er arbeitet sich am Bundeskanzler und dessen dreiwöchigem Urlaub ab. „Wir brauchen eine Politik, die handelt und nicht nur quatscht“, ruft der AfD-Chef.

Danach folgt eine klassische Wahlkampfrede mit den bekannten Themen: Chrupalla kritisiert die deutschen Ausgaben für die Ukraine, spricht von Geld, das für Dinge ausgegeben werde, „die kein Mensch braucht“, und wirft Merz vor, angekündigte Reformen nicht umzusetzen.

17.35 Uhr: Rechter „Bürgerjournalist“ gerät mit Demokratie-Aktivisten aneinander

Beim Demokratiefestival in Magdeburg sind auch Streamer unterwegs. Jonas Greindberg, „Bürgerjournalisten“, sagt der OAZ: „Ich wurde schon als Faschist und Nazi bezeichnet.“ Der Tag sei bislang allerdings friedlich verlaufen. Dabei klingt Greindberg leicht enttäuscht. Zuletzt sei er nach eigenen Angaben von der Polizei aus einer Veranstaltung verwiesen worden.

„Bürgerjournalist“ Greindberg im Gespräch mit Teilnehmer des „Demokratiefestivals“.

„Bürgerjournalist“ Greindberg im Gespräch mit Teilnehmer des „Demokratiefestivals“.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

Kurz darauf liefert er sich eine verbale Auseinandersetzung mit dem Team von „maximal.demokratisch“. Hinter dem Kanal steht der 17-jährige Aktivist Max Schneller aus Sachsen-Anhalt, der auf Instagram mehr als 100.000 Follower hat.

17.30 Uhr: Student rechnet mit CDU-Minderheitsregierung

Paul, Student in Magdeburg, erwartet nach der Landtagswahl keine absolute Mehrheit der AfD. „Die Angst ist vorübergehend gebannt“, sagt der 24-jährige. Er rechnet stattdessen mit einer CDU-geführten Minderheitsregierung.

Trotzdem sei es wichtig, sich weiter für demokratische Werte, Weltoffenheit und Vielfalt einzusetzen. „Falls es zu einem Worst Case kommt, müssen wir zusammenhalten“, sagt Paul. Fotografieren lassen wollte er sich nicht.

17.15 Uhr: Von Angern: Nicht von der AfD „am Nasenring durch die Manege führen lassen“

Beim Demokratiefestival in Magdeburg hat Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern davor gewarnt, die politische Debatte ständig um die AfD kreisen zu lassen. Stattdessen müsse stärker über Lösungen gesprochen und die Hoffnungen der Menschen müssten auch erfüllt werden.

Linken-Kandidatin Eva von Angern im Gespräch mit fünf jungen Frauen.

Linken-Kandidatin Eva von Angern im Gespräch mit fünf jungen Frauen.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

Zu fünf jungen Frauen sagte von Angern: „Ihr werdet die Welt noch retten.“ Nach der Wahl müsse es gelingen, sich von der AfD nicht „am Nasenring durch die Manege führen“ zu lassen.

17.10 Uhr: Knapp 1000 Gäste beim AfD-Wahlkampfabschluss

„Alles ist möglich“ verspricht die AfD bei ihrer Abschlussveranstaltung.

„Alles ist möglich“ verspricht die AfD bei ihrer Abschlussveranstaltung.

© Chris Emil Janssen/imago

Der große Saal im Magdeburger Amo-Kulturhaus ist gut gefüllt. Knapp 1000 Gäste sind zum Wahlkampfabschluss der AfD gekommen. Auch zahlreiche bekannte AfD-Politiker und Abgeordnete aus anderen Landesverbänden sind angereist. Unter den Gästen sind etwa Parteivertreter aus Baden-Württemberg.

Schon vor Beginn der Veranstaltung herrscht vor dem Gebäude reger Betrieb. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, steht vor dem Eingang und gibt bereitwillig Interviews. Außerhalb der Absperrung stehen gut ein Dutzend Streamer und vereinzelt „Omas gegen Rechts“.

Nicht nur deutsche Journalisten berichten aus Magdeburg. Auffällig ist die Präsenz ausländischer Medienvertreter. Eine Journalistin berichtet nach eigenen Angaben für ein japanisches Medium, zwei weitere Frauen arbeiten für ein französisches Medium und produzieren unter anderem Inhalte für soziale Netzwerke.

17 Uhr: Neubauer verteidigt Brandmauer auf vollem Magdeburger Domplatz

Luisa Neubauer warnt beim Demokratiefestival in Magdeburg vor einer „bequemen Analyse“ der politischen Lage. Durch die Brandmauer sei bislang verhindert worden, dass Deutschland von „Faschisten“ regiert werde. Das sei eine „demokratische Errungenschaft“, auf die Europa mit Neid blicke.

Luisa Neubauer spricht auf dem Magdeburger Domplatz.

Luisa Neubauer spricht auf dem Magdeburger Domplatz.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

Neubauer kritisiert Kürzungen bei Demokratieprojekten und die Übernahme „rechtsradikaler Rhetorik“. Während ihrer Rede ist es auf dem vollen Domplatz still. Applaus bekommt sie, als sie kritisiert, bei der Psychotherapie werde „die Kettensäge“ angesetzt. „Und jetzt soll die Brandmauer das Problem sein?“, fragt Neubauer.

16.20 Uhr: Demonstrationen in ganz Sachsen-Anhalt

Im ganzen Bundesland fanden am Samstag Kundgebungen und Feste statt. In der Landeshauptstadt Magdeburg zählte die Polizei acht angemeldete Versammlungen sowie zahlreiche Spontanversammlungen, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Der Demonstrationszug vom Hauptbahnhof zum Domplatz mündete dort in ein „Demokratiefest“ unter dem Motto „Wir haben die Wahl“, zu dem sich weitere 2000 bis 3000 Menschen einfanden. Eingeladen hatte ein Bündnis aus Initiativen, Vereinen und Verbänden.

Tausende Teilnehmer des Demokratiefestivals jubeln auf dem Domplatz in Magdeburg.

Tausende Teilnehmer des Demokratiefestivals jubeln auf dem Domplatz in Magdeburg.

© Jan Woitas/dpa

Für das Bündnis „Sachsen-Anhalt. Weltoffen!“ sagte Sprecher Peter Herrfurth, es gehe darum, ein Zeichen „für unser Land“ und die demokratische Gesellschaft zu setzen: „Wir stehen mit unserem Gesicht für unsere Haltung.“ Herrfurth ist Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Neben den Kirchen beteiligten sich unter anderem Gewerkschaften, Diakonie, Caritas und AWO.

In Halle kamen nach Angaben der Veranstalter rund 200 Menschen auf dem Riebeckplatz zusammen, um an einem langen Freundschaftsband zu knüpfen. Insgesamt sollten 450 Meter Industrieseil zu einem zehn Meter langen bunten Band verwoben werden. Für den frühen Abend war eine Antifa-Demonstration mit 500 Teilnehmern angemeldet. Auf dem Marktplatz in Dessau wurde zu einem „Demokratiefest“ unter dem Motto „Demokratie bewahren – Sachsen-Anhalt retten!“ eingeladen.

15.30 Uhr: Kanzler attackiert AfD-Landeschef Reichardt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine schärfere inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD gefordert. „Wir müssen die Auseinandersetzung mit dieser Partei besser führen“, sagte Merz bei einer CDU-Veranstaltung in Hannover. Man müsse sich mit den Inhalten und der Wortwahl der Partei befassen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht auf einer Veranstaltung der CDU Niedersachsen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht auf einer Veranstaltung der CDU Niedersachsen.

© Moritz Frankenberg/dpa

Merz verwies auf eine Äußerung des sachsen-anhaltischen AfD-Landeschefs Martin Reichardt, der auf einem Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gesagt hatte, der Staat sei heute „ein nach Dope stinkender, fauler Asi“. Das zeige, „was diese Leute von unserem Land halten“, sagte Merz. „Wir lassen uns von diesen Leuten unser Land nicht kaputtreden.“

15.15 Uhr: Autokorso zieht mit Deutschlandflaggen durch Magdeburg

Bei einem Autokorso sind am Samstag knapp 40 Fahrzeuge durch Magdeburg unterwegs, wie die Polizei mitteilt. An vielen Autos hängen Deutschlandflaggen. Über Lautsprecher laufen Musik und der Ruf „Wir sind das Volk“.

Ein Autokorso blockiert für eine Viertelstunde den Magdeburger Hasselbachplatz.

Ein Autokorso blockiert für eine Viertelstunde den Magdeburger Hasselbachplatz.

© Sven Versteegen/Ostdeutsche Allgemeine

„Wir möchten einfach nur Frieden“, sagt ein Mann über den Lautsprecher. Auf Plakaten an den Fahrzeugen stehen unter anderem „Friedensfahrt“ sowie „Frieden und Bargeld erhalten“.

15.10 Uhr: Luisa Neubauer bei Protestcamp in Bitterfeld

Auch die ehemalige Klimaaktivistin Luisa Neubauer ist in Sachsen-Anhalt unterwegs, sie hofft bis zuletzt, Unentschlossene von einer Wahlentscheidung für die AfD abzubringen. Im Stadtpark von Bitterfeld, der Grünen Lunge, besuchte Neubauer ein alternatives Protestcamp. In einer kämpferischen Rede vor gut 50 Zuhörern warnte Neubauer vor Faschismus und einer Machtübernahme der AfD.

Mit Blick auf das Erstarken der Partei sagte Neubauer zur OAZ: „Die Zivilgesellschaft darf da nicht mitmachen. Sie muss zeigen: Ey, wir geben die Menschlichkeit nicht auf und wir geben dieses wunderschöne Bundesland und dieses wunderschöne Land nicht auf. Und wir lassen uns nicht einreden, dass Menschenverachtung der Weg nach vorne ist.“

Luisa Neubauer im Gespräch mit OAZ-Redakteur Adrian Schintlmeister.

Luisa Neubauer im Gespräch mit OAZ-Redakteur Adrian Schintlmeister.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Wenige Meter weiter steht Gastronomin Anika. Die Wirtin des Kartoffelhauses nahe des Marktplatzes hatte sich so auf das Bitterfelder Stadtfest gefreut, das eigentlich an diesem Wochenende hätte stattfinden sollen, aber kurzfristig abgesagt werden musste. „Das ist traurig für Bitterfeld“, sagt Anika. „Es ist das einzige Fest, das wir noch haben. Und eine der wenigen Gelegenheiten, wo wir Bitterfelder noch zusammenkommen.“ Anika hofft auf einen Regierungswechsel.

Erst am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass die Stadtfest-Organisatoren die Sicherheitsauflagen der Stadt nicht erfüllen konnten. Der Veranstalter des Camps, das unter dem Motto „Schlechte Grüße aus Bitterfeld“ stattfand, hatte vorab 3000 Teilnehmer angemeldet. Am Ende waren es „geringfügig weniger“, sagte ein Polizist süffisant am Rande des Protestcamps. Das Protestcamp soll noch bis morgen Mittag gehen. Die Teilnehmer dürfen im Stadtpark campieren. „Wir schaffen hier einen Ort für Vielfalt, Demokratie und ein buntes Sachsen-Anhalt“, sagte der Protestcamp-Veranstalter zur OAZ.

Wirtin Anika hofft auf einen Regierungswechsel.

Wirtin Anika hofft auf einen Regierungswechsel.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

14.50 Uhr: AfD beendet Wahlkampf mit Großveranstaltung in Magdeburg

Einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die AfD am Samstagnachmittag zu ihrem Wahlkampfabschluss in Magdeburg zusammen. Im AMO Kulturhaus will die Partei ab 17 Uhr noch einmal ihre Anhänger mobilisieren.

Angekündigt sind neben Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auch die beiden AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Auf der Rednerliste stehen außerdem Landeschef Martin Reichardt, der stellvertretende Landesvorsitzende Oliver Kirchner, Hans-Thomas Tillschneider sowie der rheinland-pfälzische AfD-Landespolitiker Sebastian Münzenmaier. Zudem kündigt die Partei einen bislang nicht genannten „Überraschungsgast“ an.

Die AfD spricht selbst von einem „Zeichen des Aufbruchs“ und ruft dazu auf, die Landtagswahl am Sonntag zu einem politischen „Wendepunkt“ zu machen.

14.35 Uhr: Vor Landtagswahl - AfD in Umfragen klar vorn

Die AfD liegt in Umfragen zur Landtagswahl seit Wochen klar vorne. In einer aktuellen Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF von Freitag kommt die Partei auf 41 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt unverändert bei 23 Prozent und damit weit dahinter.

Die Linke käme mit 11,5 Prozent auf Platz drei, die SPD mit 8,5 Prozent auf Platz vier. Die Grünen würden mit sechs Prozent den Einzug in den Landtag schaffen. Hingegen würden das BSW und die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

13 Uhr: „Es ändert sich doch nichts“

Otto verfolgt Nachrichten und Politik aufmerksam. Seine Wahlentscheidung stand schon lange fest. Der 87-jährige hat sich für die Briefwahl entschieden. Trotzdem verfolgt er die Abstimmung mit gemischten Gefühlen, erzählt er. „Es ändert sich doch nichts. Unser Land ist zu schwach.“

Rentner Otto blickt mit gemischten Gefühlen auf die Wahl: „Es ändert sich doch nichts.“

Rentner Otto blickt mit gemischten Gefühlen auf die Wahl: „Es ändert sich doch nichts.“

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Briefwahl komme für sie nicht in Frage, berichtet hingegen die 79-jährige Elisabeth. Elisabeth hat soeben Blumen an der Neustädter Passage in Halle gekauft und ist auf einen Rollator angewiesen. Trotzdem geht sie morgen gemeinsam mit ihrem Mann ins Wahllokal. „Wir gehen immer gemeinsam wählen. Das ist bei uns Tradition.“ Der Briefwahl vertraut sie hingegen nicht.

12 Uhr: Einsatzkräfte im Plattenbauviertel Halle-Neustadt wollen an die Urne

Auch unsere Einsatzkräfte stimmen ab. Feuerwehrfrau Michele aus Dessau-Roßlau ist morgen nicht im Dienst. Sie geht deshalb „ganz normal“ wählen, erzählt die 26-jährige Frau am Rande des Feuerwehrlaufes Saalerun in Halle-Neustadt.

Feuerwehrfrau Michele hat am Sonntag frei und will ihre Stimme abgegeben.

Feuerwehrfrau Michele hat am Sonntag frei und will ihre Stimme abgegeben.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

Rettungssanitäter Sven vom Deutschen Roten Kreuz ist dagegen morgen sehr wohl im Dienst. „Status 12 – einsatzbereit. Doch wenn die Zeit es zulässt, steuert der 40-jährige mit seinem Rettungswagen das Wahllokal an. „Briefwahl habe ich mal versucht, ist aber nicht mein Ding“, sagt der Retter.

Rettungssanitäter Sven vom Deutschen Roten Kreuz ist am Wahltag im Dienst. Er will zwischendurch versuchen sein Wahllokal anzusteuern.

Rettungssanitäter Sven vom Deutschen Roten Kreuz ist am Wahltag im Dienst. Er will zwischendurch versuchen sein Wahllokal anzusteuern.

© Alexander Schumann/Ostdeutsche Allgemeine

9 Uhr: Tausende zu Kundgebungen vor Wahl in Sachsen-Anhalt erwartet

Am Wahlwochenende werden in Sachsen-Anhalt mehrere tausend Menschen zu Demonstrationen und Kundgebungen erwartet. Nach Polizeiangaben sind ein Dutzend Veranstaltungen in der Landeshauptstadt Magdeburg und mehrere Kundgebungen für Demokratie in Halle (Saale) angemeldet. Die größte findet ab heute Nachmittag auf dem Magdeburger Domplatz statt: Hier erwartet ein Bündnis aus Gewerkschaften und Zivilgesellschaft rund 8000 Teilnehmer. Daneben begeht die in Umfragen haushoch vor der CDU führende und auf eine Alleinregierung hoffende AfD ihren offiziellen Wahlkampfabschluss.

(mit dpa/AFP)

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