Ein KI-generiertes Fake-Cover des „Spiegel“, auf dem die sechs Autoren der umstrittenen Eralp-Geschichte mit Namen und Gesicht abgebildet und als „Namen der Niedertracht" verunglimpft werden, verbreitet sich derzeit aus dem Umfeld der Linkspartei. Öffentlich gemacht hat den Vorgang der Stern-Journalist Julius Betschka, dem das Bild nach eigenen Angaben von einem Linke-Mitglied aus einer parteiinternen Chatgruppe zugespielt wurde.
Betschka ordnet die Bildfälschung unmissverständlich ein: Er wertet das Montage-Cover als Einschüchterungsversuch – als direkte Folge davon, dass Journalisten in diesem Milieu zuvor als „räudige Köter" beschimpft und zu Feinden erklärt worden seien. Seine Botschaft an die betroffenen Kollegen: volle Solidarität.
Das manipulierte Titelbild kursiert laut Betschka nicht nur in einem geschlossenen Chat, sondern wird breit gestreut. Auf X hätten es mehrere Accounts mit Bezug zur Linken und zur Pro-Palästina-Szene geteilt. Aufgetaucht sei es zudem in einem Facebook-Post der stadtbekannten linken Szenekneipe „Jolly Roger“.
Auf der Fälschung prangen die Gesichter der sechs „Spiegel"-Redakteure – Christoph Hickmann, Marina Kormbaki, Ulrich Kraetzer, Anna Reimann, Marc Röhlig und Hannes Schrader – versehen mit dem Schriftzug „Namen der Niedertracht".
Der Mechanismus dahinter ist bekannt: Namen und Gesichter werden öffentlich markiert, die betroffenen Personen so als Zielscheibe exponiert. Dass dafür mittlerweile KI-Werkzeuge genutzt werden, mit denen sich täuschend echte Titelseiten in Minuten erzeugen lassen, verleiht dem Vorgang eine neue Qualität.
Eralps Angst vor einem Terrorsympathisanten
Hintergrund der Kampagne ist eine Titelgeschichte des „Spiegel". Das Magazin hatte enthüllt, dass die Berliner Linken-Spitzenkandidatin und mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp in einem internen Vermerk ihre Angst vor propalästinensischen Terrorsympathisanten offenbart. In einer versehentlich an die Redaktion gelangten Interview-Fassung schrieb Eralp, sie und ihr Mann hätten „Angst vor diesen Leuten“, und fragte, ob man das Interview „stornieren" könne – mit den Worten: „Ich kann mich und meine Familie für den Spiegel nicht in Gefahr bringen.“
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Konkret ging es um Ibrahim Ibrahim, einen führenden Propagandisten der radikalen Berliner Pro-Palästina-Szene, den der Berliner Verfassungsschutz dem als extremistisch eingestuften „Vereinten Palästinensischen Nationalkomitee" (VPNK) zuordnet. Eralp wollte verhindern, dass sein Name im Interview fällt. Der „Spiegel“ veröffentlichte den Vorgang dennoch – mit dem Argument, die politische Tragweite wiege schwerer: Könne jemand die Verantwortung für die Sicherheit einer ganzen Hauptstadt tragen, der sich aus Angst nicht einmal traut, einen Namen zu bestätigen?
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Die Reaktion aus Teilen des linken Lagers richtet sich nun nicht gegen die Sachdebatte, sondern gegen die Überbringer der Botschaft. Das KI-Fake reiht sich ein in eine ohnehin aufgeheizte Stimmung: Vergangenen Samstag, an dem die Berliner Linke über Koalitionsgespräche mit Grünen und SPD abstimmt, sind Proteste unter dem Motto „Gewählt für Palästina. Verraten für den Senat" angekündigt. Eralp selbst wird inzwischen von polizeilichen Personenschützern begleitet – nach Erkenntnissen aus Sicherheitskreisen allerdings nicht wegen einer konkreten Gefährdung, sondern aufgrund der emotionalisierten Debatte.
Dass ausgerechnet aus diesem Umfeld Redakteure öffentlich an den Pranger gestellt werden, dürfte die Frage nach dem Umgang der Linken mit kritischem Journalismus weiter befeuern.
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